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Pritzwalk Wo die Elbe einst ein Todesstreifen war
Lokales Prignitz Pritzwalk Wo die Elbe einst ein Todesstreifen war
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17:26 15.08.2019
Wie ein schwarzer Streifen zog sich der "Zaun" entlang des Deiches. Quelle: Kerstin Beck
Cumlosen/Lenzen

Gerade beim derzeitigen Niedrigwasser fällt es besonders auf: Das andere Elbufer ist fast nur den sprichwörtlichen Steinwurf weit von der Prignitz entfernt. Auf den ersten Blick erinnert auch zwischen Lütkenwisch und Gaarz kurz vor Dömitz nichts mehr daran, dass es dort im heutigen Landkreis Prignitz mal auf 53 Kilometer Länge eine besonders scharf bewachte und abgeriegelte Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten und damit zwischen den Blöcken im Kalten Krieg gab. Alles scheint friedlich und naturbelassen, ein Radlerparadies in herrlicher Landschaft beiderseits der Elbe durch ein Biosphärenreservat mit einmaliger Flora und Fauna.

Geschichten von Fluchtopfern und Vertreibung

Doch die Spuren der früheren deutschen Teilung finden sich bei näherer Betrachtung überall – in Lütkenwisch, am Wachturm bei Lenzen oder einfach beim Blick auf den riesigen Funkmast auf niedersächsischer Seite am Höhbeck. In besagtem Wachturm, aber auch im Grenzlandmuseum in Schnackenburg direkt gegenüber auf der anderen Seite der Elbe von Lütkenwisch, kann man sich darüber informieren. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet das Abgeriegeltsein hat Flora und Fauna so gedeihen lassen, wie es viele Besucher der Region beim Befahren des Elberadwegs heute bewundern können.

Keine Barriere mehr: Täglich verkehrt heute die Fähre Schnackenburg - Lütkenwisch in das gegenüberliegende Niedersachsen. Quelle: Kerstin Beck

Zwischen 1961 und 1989 aber starben dort Menschen, die den Versuch machten, vom Osten Deutschlands in den Westen zu fliehen. Hans-Werner Lemme gehörte dazu – er kam am 19. August 1974 bei dem Versuch ums Leben, durch die Elbe zu schwimmen – er wurde dabei von DDR-Grenzern ermordet. Seiner wird seit fünf Jahren mit einer Gedenkstätte am Fähranleger von Lütkenwisch gedacht.

Unter denen, die damals einen solchen Fluchtversuch unternahmen, war aber auch zum Beispiel der Putlitzer Wolfgang Thätner, worüber die MAZ bereits 2007 einmal berichtet hatte. Auch ihm misslang 1987 die Flucht – immerhin kam er dabei nicht körperlich zu Schaden.

Aber auch das Leben im Grenzgebiet war geprägt vom Grenz­regime: Kerstin Beck, MAZ-Autorin und Lütkenwischerin, weiß davon zu erzählen, wie es war, nur mit Passierschein in seinen Heimatort zu kommen, wie Menschen umgesiedelt und vertrieben und Häuser abgerissen wurden.

Insgesamt waren es ab dem Wassergrenzübergang Cumlosen sogar 93,7 Kilometer Elbegrenze – sie erstreckte sich über die Prignitz hin­aus noch weiter nordwestlich – erst zwischen Boizenburg und Lauenburg floss der Strom komplett auf westdeutschem Gebiet weiter Richtung Hamburg.

Die „Schlacht“ auf der Elbe

In dem ganzen Gebiet gab es keine Grenzübergänge. Zudem war der Grenzverlauf in der und an der Elbe strittig. Diese unterschiedlichen Deutungen sorgten mitunter auch für eine angespannte Situation auf der Elbe, besonders im Jahr 1966 an Stromkilometer 492 in Höhe von Gorleben. Damals wollte die DDR mit militärischen Drohgebärden die Fahrt eines Vermessungsschiffes des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hamburg auf der Elbe verhindern. Nach ähnlichen Drohgebärden alliierter Truppen auf der anderen Seite der Elbe ließ man aber letztlich das Schiff passieren.

Ein Salzstock unter der Elbe

Apropos Gorleben: Dass der niedersächsische Ort in den siebziger Jahren in Westdeutschland für ein Atommüllendlager ausgewählt wurde, ist wohl auch eine der eher unausgesprochenen Folgen die innerdeutschen Grenze – der Landkreis Lüchow-Dannenberg ragte an dieser Stelle wie ein Keil in das Gebiet der ehemaligen DDR hinein. Untersuchungen über die Eignung des unterelbischen Salzstocks für die Atommüllagerung wurden auf Prignitzer Seite aber erst nach der Wende unternommen. Dabei ist der Turm des Erkundungsschachts vom Prignitzer Elbdorf Wootz aus gut zu sehen und nur etwas mehr als einen Kilometer entfernt.

„Es geht uns um Dankbarkeit, aber auch um Nachdenklichkeit“

30 Jahre sind seit der Grenzöffnung vergangen, und aus diesem Anlass stellen der evangelische Kirchenkreis Prignitz und der Landkreis Prignitz die ehemalige Elbegrenze in den Mittelpunkt ihres Gedenkens. Und das schon vor dem 9. November: Gemeinsam fahren ihre Vertreter mit interessierten Bürgern am Wochenende in zwei Etappen den Elberadweg ab. Mit dabei ist Michael Cramer, der Initiator des Europa-Radwegs „Eiserner Vorhang“. „Es geht uns um Dankbarkeit, aber auch um Nachdenklichkeit“, sagte Eva-Maria Menard, Superintendentin im evangelischen Kirchenkreis Prignitz.

Auch am 9. November selbst wird man sich an der Elbe treffen, nämlich in Lütkenwisch. Dort feiern die Prignitzer gemeinsam mit ihren Freunden aus Schnackenburg auf der niedersächsischen Seite der Elbe. Ein Hinweis: Die sonst übliche Einheitsfeier in Schnackenburg oder Lütkenwisch fällt in diesem Jahr aus. Die Vorbereitung für dieses Ereignis läuft schon auf Hochtouren, wie Eva-Maria Menard erklärte. Daneben gibt es eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Veranstaltungen, mit denen man sich dem Thema nähern will.

Während der Radtour am Wochenende gibt es Gelegenheit, mit Zeitzeugen zu sprechen wie dem Müggendorfer Künstler und früheren Kreistagsvorsitzenden Guntram Kretzschmar und auch dem immer noch amtierenden Lanzer Bürgermeister Hans Borchert.

Die Teilnehmer werden auch von Zeitzeugen erfahren können, wie das so war, im ehemaligen Grenzstreifen zu leben.

Im Gespräch mit Zeitzeugen

Die erste Etappe am Samstag 17. August, wird etwa 32 Kilometer lang sein. Start ist um 10 Uhr in Wittenberge an der Alten Ölmühle. Geplant sind unterwegs Halte in Müggendorf bei Guntram Kretzschmar und dann am THW Cumlosen, wo Birka Eschrich etwas über die Geschichte des Geländes erzählen wird. Weiter geht es über Lütkenwisch und das Café Jaap. Im Deichrückverlegungsgebiet kommen die Radler an einem alten Wachturm vorbei, bevor sie gegen 16 Uhr Lenzen erreichen. Dort besteht die Möglichkeit, bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten um 17 Uhr in der Kirche das Atos Trio zu sehen. Um 19 Uhr bietet Michael Cramer einen Vortrag über den Europa-Radweg „Eiserner Vorhang“ an.

Von Lenzen aus geht es am Sonntag, 18. August, um 10 Uhr auf die etwa 23 Kilometer lange zweite Etappe. Start ist um 10 Uhr an der Kirche in Lenzen , Ankunft gegen 14.30 Uhr in Dömitz mit Möglichkeit der Weiterfahrt nach Rüterberg, was etwa acht zusätzliche Kilometer bedeutet.

Ein Rücktransport nach Wittenberge wird angeboten. Weitere Informationen und Anmeldung in der Superintendentur unter der Telefonnummer 03876/ 3 06 81 30 oder per E-Mail an radtour@kirchenkreis-prignitz.de.

Von Bernd Atzenroth

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