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Putlitz Putlitz feiert 700 Jahre Verleihung der Stadtrechte
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10:46 11.08.2019
Die St. Nikolai-Kirche war beim Gottesdienst und Festvortrag gut gefüllt. Quelle: Stephanie Fedders
Putlitz

Fahnen, Wimpelketten, Luftballons, Girlanden und jede Menge Banner mit Glückwünschen: Putlitz hat sich am Wochenende Gans schön herausgeputzt und sein Sonntagskleid angezogen. Die ganze Stadt war geschmückt und in Feierlaune und bot eine tolle Kulisse für die Jubiläumsparty aus Anlass der Verleihung der Stadtrechte vor 700 Jahren.

Dreifacher Salut der Schützen zum wach werden

Wer es am Sonnabendmorgen noch nicht mitbekommen hatte, dass rund um den Jungfernsteg Trubel herrschte, der war spätestens nach dem dreifachen Salut des Schützenvereins Porep-Nettelbeck wach – das Aufbruchsignal für den feierlichen Teil des Jubiläums.

Die St. Nikolai-Kirche gehört nicht nur räumlich ins Putlitzer Zentrum, sie ist auch fest verankert im gesellschaftlichen Leben der Stadt und zog die Gäste hinein für einen etwas anderen Gottesdienst. Pfarrer Volkhart Spitzner trat zeitlich ein wenig in den Hintergrund und bot Olaf Waterstradt Raum für seinen Festvortrag.

Mit Gottesdienst, Festvortrag, einem tollen Umzug und vielen Gästen feiert Putlitz 700 Jahre Stadtrecht.

Waterstradt hatte ausgiebig in alten Büchern recherchiert und Fakten zur Putlitzer Geschichte zusammengetragen. Als Beleg für die Verleihung des Stadtrechts verlas Waterstradt einen Hinweis aus dem Jahr 1319, dass Günzel zu Putlitz – Familie Gebhart zu Putlitz nahm an den Feierlichkeiten teil – Ratsherren hatte. Und die gab es nur in Städten.

Waterstradt erinnerte an den „blauen Montag“

Aus dem Mittelalter und den 30-jährigen Krieg samt Pest mit verheerenden Folgen für Putlitz stellte Waterstradt markante Punkte aus der Geschichte der Stadt vor und erinnerte als Brückenschlag in die jüngere Vergangenheit und Gegenwart an den Verlust der Kirchturmspitze am 26. November 1988 und die Wiedererrichtung am 30. Juni 2010.

Olaf Waterstradt musste etliche seiner Bücher zur Putlitzer Geschichte signieren. Quelle: Stephanie Fedders

Als lustige Anekdote sorgte der Erlass von 1783 für Heiterkeit, in dem Handwerker aufgefordert wurden, auch nach durchzechten Wochenenden fortan auf den „blauen Montag“ zu verzichten. Olaf Waterstradt bekam für seinen Beitrag lange Applaus.

Volkhart Spitzner nutzte die Gunst der Stunde für eine kurze, nachdenklich launische Predigt. „Ein heiteres Fest wäre oberflächlich gefeiert“, sagte der Pfarrer. „Wir müssen uns gemeinsam fragen, was in Zukunft wichtig ist.“ Spitzner hatte dem Anlass entsprechend Worte des Propheten Jeremia gewählt: Suchet der Stadt Bestes.

Spitzner wünscht der Politik weise Entscheidungen

„Das Beste der Stadt geht über Arbeit und Wirtschaft hinaus“, so Spitzner, der politische Verantwortung und das Einstehen füreinander anmahnte. „Auch wenn die demokratischen Strukturen nicht immer einfach sind.“ Die Welt dürfe einem nicht gleichgültig werden. „Beim 750-jährigen Jubiläum werden andere beurteilen, ob wir Kraft und Willen hatten, diesem Auftrag gerecht zu werden.“

Mit Blick auf die Mandatsträger formulierte Volkhart Spitzner zum Schluss seine Fürbitte und wünschte der Kommunal- und Landespolitik weise Entscheidungen. Viele Gäste schüttelten ihm und auch Olaf Waterstradt am Ausgang die Hände und lobten den unterhaltsamen Einstieg in den Geburtstag.

Große Beteiligung am Umzug durch die Stadt

In puncto Unterhaltung taten sich beim Umzug nicht nur die musikalischen Begleiter – der Fanfarenzug Putlitz und der Spielmannszug aus Neuseddin – hervor, sondern auch Gerd Ehrke und Altbürgermeister Bernd Dannemann. Beide fanden sich als Moderatorenduo vor dem Rathaus zusammen und punkteten beim Publikum mit ihren nie ganz ernst gemeinten Kommentaren zu den einzelnen Bildern.

Dessen Anblick löste bei Landrat Torsten Uhe ein Déjà-vu aus: „Ein schöner Umzug, ich fühle mich an den Brandenburg-Tag 2018 in Wittenberge erinnert.“

Als einer von vielen Vereinen nahm auch der Putlitzer SV am Umzug teil. Quelle: Stephanie Fedders

Mehr als eine Stunde lang zogen die Teilnehmer durch die Straßen und zeigten einen bunten Querschnitt durch die Putlitzer Geschichte. Handwerksbetriebe, Kirchengemeinde, Feuerwehr, Raubritter, Vereine oder die Abordnung aus Preddöhl – alle hatten ihren Spaß. „Ist das nicht spitze, was wir hier erleben?“, fragte Bernd Dannemann in Richtung Publikum.

Es war mit das Beste, was die Stadt an diesem Tag zu bieten hatte.

Von Stephanie Fedders

„Leise lenk ich meine Schritte“ heißt das neue Buch des Putlitzer Autors Olaf Waterstradt. Rechtzeitig zum Stadtrechts-Jubiläum wagt er darin auf 280 Seiten in dem Bildband einen neuen Blick auf die Stadtgeschichte.

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