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Prignitz Tierischer Protest
Lokales Prignitz Tierischer Protest
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08:38 28.04.2014
Quelle: Claudia Bihler
Pritzwalk

Die ersten beiden Schafe strecken ein wenig zögernd die Nase aus dem Stall, doch das schöne Frühlingswetter überzeugt sie. Gleich darauf trappelt die gesamte Herde in den Anhänger und wartet auf die Abfahrt. Auch Schäfermeister Marc Mennle aus Pritzwalk-Sadenbeck (Prignitz) freut sich, denn die Fahrt geht zum nahe gelegenen Solarpark, wo die Schafe zum Rasenmähen eingesetzt werden. Nur selten bekommt Mennle einen solchen Auftrag, bei dem die Mäh-Leistung der Schafe in barer Münze aufgewogen wird. Viele Solarparkbetreiber setzen lieber motorisierte Rasenmäher ein, obwohl diese oft deutlich teurer arbeiten.

Privatwirtschaftliche Einkünfte zu erzielen, fällt den Berufsschäfern auch ansonsten schwer: Die Preise für Milch und Wolle sind im Keller, 50 Cent pro Kilo Wolle decken nicht einmal die Unkosten für Schur und Transport. 2,50 Euro lassen sich derzeit noch für ein Kilo Lammfleisch erlösen: Billiges Lammfleisch aus Neuseeland wird in den Supermärkten verkauft.

„Nur sechs Euro Gewinn pro Mutterschaf macht mein Unternehmen nach Abzug der Löhne.“ Selbst diesen Gewinn erzielt Mennle nur, weil derzeit das Land Brandenburg aus EU-Mitteln noch diverse Prämien ausschüttet, etwa dafür, dass seine Schafe den stark hochwassergefährdeten Elbedeich in der Prignitz beweiden.

Schäfer fürchten um ihren Berufsstand

  • Den Schäfern in Brandenburg geht es schlecht. Die Gründe sind vielfältig: Konkurrenz durch Billigimporte, Kürzung der Fördermittel, fallende Fleischpreise, gestiegene Kosten insgesamt und berufliche Nachwuchssorgen.
  • Die Folge: Die Zahl der Schafe im Land geht zurück. In Brandenburg gibt es gegenwärtig 72.000 Schafe, davon rund 54.000 Mutterschafe. Im Jahr 2000 lag die Zahl der Schafe noch bei etwa 170.000. Auch die Ziegenbestände sind rückläufig. Gegenwärtig gibt es 8800 Tiere. 2010 waren es noch knapp 12.000.
  • Die Zahl der Schafhalter sank in den vergangenen zwölf Jahren: 184 Hobbyhalter und 45 Schäfer im Haupterwerb gaben auf. Derzeit gibt es 77 Schafhalter im Haupterwerb.

Doch nun will das Land zwei Prämien kürzen: Die Betriebsprämien für Deichflächen sollen ebenso wegfallen wie auch die so genannte Extensivierungsprämie. Für Mennles Betrieb mit seinen 400 Mutterschafen würde das den Ruin bedeuten. Er würde insgesamt 27 000 Euro weniger erwirtschaften: „Da wir ein junger Betrieb sind, könnten wir dann dringend notwendige Investitionen nicht mehr tätigen.“

Das Ehepaar Mennle würde seine Existenzgrundlage verlieren, zweieinhalb weitere Stellen wegfallen: der Ausbildungsplatz für einen behinderten Lehrling, einen Mitarbeiter in Einstiegsqualifizierung nach einem Förderschulabschluss und der eines 62-Jährigen. „Wenn das Landwirtschaftsministeriums sein Vorhaben umsetzt, ist das der Todesstoß für die brandenburgischen Schäfer“, sagt Mennle.

Die rund 70 Schäfer des Landes hatten bereits bei der Agrarministerkonferenz in Cottbus protestiert. Der brandenburgische Landtag hatte daraufhin das Agrarministerium aufgefordert, sich mit den Problemen der Schäfer zu befassen. „Doch dort sitzt man es offensichtlich aus“, sagt Mennle. Denn bis Mitte Mai müssen die jährlichen Anträge für Agrarprämien gestellt werden.

Um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erhöhen, treiben die Schäfer nun ihre Schafe vor das Landwirtschaftsministerium in Potsdam: am 29. April von 10 bis 15 Uhr. Schafscherer sind auch mit dabei. Mennle: „Ein paar Schafe werden geschoren. Unsere Devise lautet: Wenn uns das Land nackig macht, machen wir die Schafe nackig.“ Die Demonstranten wollen auf die schwierige Lage der Schäfer hinweisen. Die Leistung der Schäfer müsse anerkannt und angemessen bezahlt werden, fordern sie.

Wieso sich das Land so schwer tut, den Schäfern die Lebensgrundlage zu erhalten, versteht der Schäfermeister aus der Prignitz nicht. „Wir paar Schäfer bekommen ja nicht den Großteil des Agrarbudgets, das aus Brüssel im Land ankommt, sondern höchstens ein paar Promille davon.“ Und auch vom Bauernverband, der eher die großen Betriebe im Blick hat, fühlt er sich nicht mehr so recht vertreten. Dabei liegen Untersuchungen vor, die die schlechte finanzielle Situation der Schäfer sehr deutlich beschreiben. Der „Kontrollring Lämmermast“ hat beispielsweise knapp 40 Betriebe in Sachsen-Anhalt und Brandenburg untersucht. Dabei ist er zu folgendem Ergebnis bekommen: Der beste Schäfer aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist finanziell deutlich schlechter gestellt als der Mutterkuh-Betrieb, der am wenigsten verdient.

Kaum auf dem Gelände des Solarparks angekommen, knabbert die Schafherde schon frisches Frühlingsgras. Auf Mennles T-Shirt prangt unter dem Bild eines Schafes der Schriftzug „Vorsicht, Mäh-Arbeiten!“ Er ist – trotz des schmalen Verdienstes – mit Leib und Seele Schäfer: „Wir sind eben ein ganz eigener Schlag.“

In Potsdam will Mennle in seiner Traditionskleidung protestieren. „Tradition ist das Weitergeben von Fähigkeiten und nicht Schnee von gestern“, sagt er: „Wollen wir hoffen, dass das nicht erst auffällt, wenn keine Schafe mehr in Brandenburg weiden, weil alle Schäfer aufgegeben haben und alles Wissen über Schäferei verschwunden ist.“

Von Claudia Bihler

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