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Prignitz "Weitere Wege wären nicht mehr zumutbar"
Lokales Prignitz "Weitere Wege wären nicht mehr zumutbar"
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00:27 20.04.2015
Schulleiterin Gisa Michaelis hat die Kreisgebietsreform der Schulämter bereits erlebt. Quelle: Claudia Bihler
Pritzwalk

Bei den Diskussionen um eine Kreisgebietsreform steht derzeit vor allem die Frage im Mittelpunkt, welche Landkreise künftig zusammengehen sollen. Das Bildungssystem hat mit der Zusammenlegung der Schulämter bereits eine Art Kreisgebietsreform vollzogen. Die Schulleiterin der Freiherr-von-Rochow-Oberschule in Pritzwalk, Gisa Michaelis, überlegt im MAZ-Interview, was eine Kreiszusammenlegung für Schulen, Schüler und Lehrer bedeuten würde.

MAZ: Als Lehrerin haben Sie eine Reform bereits hinter sich gebracht, als das Schulamt von Perleberg nach Neuruppin umgezogen ist. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Gisa Michaelis: Nach der Polizeireform wurde der Zuschnitt der Schulämter angepasst. Dass wir nun unsere Amtsgeschäfte in Neuruppin erledigen müssen, bedeutet für mich und meine Kollegen vor allem doppelte Fahrzeiten.

MAZ: Denken Sie, dass die größere Struktur – das Schulamt ist für die Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Havelland und Oberhavel zuständig – irgendwie schwerfälliger oder unübersichtlicher ist?

Michaelis: Ich denke schon, dass es für das Schulamt schwieriger ist, einen größeren Raum abzudecken, etwa, was die Neueinstellungen von Lehrern angeht. Zudem scheint die Personaldecke im Schulamt dünn zu sein, denn oft ist der entsprechende Ansprechpartner nicht erreichbar.

MAZ: Gibt es auch positive Aspekte?

Michaelis: Dadurch, dass bei Konferenzen nun beispielsweise viel mehr Schulen vertreten sind, ist natürlich auch die Basis für den Austausch der Lehrer größer geworden. Auf diese Weise werden viel mehr Ideen eingebracht, die man auch mal übernehmen kann.

MAZ: Für die Schüler und Schülerinnen ist es bisher oft schwierig, eine Schule zu wählen, die im anderen Landkreis liegt. Wird sich das ändern?

Michaelis: Das wird sich in der Tat ändern, wenn es die Kreisgrenzen nicht mehr gibt. Allerdings muss und kann dann da auch der Schülerverkehr darauf abgestimmt werden: Heute ist es beispielsweise für Jugendliche aus Freyenstein in OPR schwierig, in Pritzwalk die Schule zu besuchen, weil es einfach keine direkte Busverbindung gibt. So fuhren unter anderem Freyensteiner Schüler mit dem Bus nach Meyenburg, um dort umzusteigen. Heute ist der Bus dort bereits weg, wenn der Freyensteiner Schüler ankommt. Eltern oder Großeltern müssen in die Bresche springen.

MAZ: Gilt der Abstimmungsanspruch nur für den Schülerverkehr?

Michaelis: Generell müssen die öffentlichen Nahverkehre dann besser in Übereinstimmung gebracht werden. Unsere Schüler sollen ihren Führerschein machen, das fordern ja auch die Arbeitgeber. Und wenn am Führerschein Änderungen nötig sind oder ein Fahrzeug zugelassen werden muss, ist ein Weg nach Neuruppin natürlich viel weiter als nach Perleberg. Da würde sich vermutlich anbieten, bestimmte Aufgaben an die Kommunen zu übertragen. Im Schülerverkehr sind die Wege heute bereits sehr lang. Längere Wege sind meiner Meinung nach nicht mehr zumutbar.

MAZ: Hätte eine Kreisgebietsreform Einflüsse auf die Lehrpläne?

Michaelis: Nein, da spielt das keine Rolle. Jede Schule hat ein eigenes Profil und einen eigenen Lehrplan.

MAZ: Und der Konkurrenzkampf unter den Schulen?

Michaelis: Der hat sich in den vergangenen Jahren eigentlich gelegt. Wir arbeiten eher sehr gut zusammen – mit Perleberg, Wittenberge, aber auch mit Wittstock oder mit Glöwen. Ich hoffe allerdings, dass eine Kreisgebietsreform nicht wieder dazu führen wird, dass erneut Schulschließungen geplant werden – etwa die von kleinen Schulen in den Grenzbereichen.

MAZ: Können Sie einer Kreisgebietsreform etwas Gutes abgewinnen?

Michaelis: Wir arbeiten ja häufig mit Einrichtungen wie dem Jugendamt zusammen. Da gibt es bei zwei Landkreisen oft unübersichtliche Zuständigkeiten. Dann wäre eine einzige zuständige Stelle sinnvoll. Andererseits ist interessant, wie Einrichtungen wie etwa die Schulsozialarbeit weitergeführt werden, oder ob es für bestimmte Aufgaben Außenstellen geben wird.

MAZ: Haben Sie eigentlich eine persönliche Vorliebe, welche Kreise zusammengehen sollten?

Michaelis: Ein klares Nein. Wir arbeiten bereits heute mit drei Landkreisen zusammen, das klappt gut.

Interview: Claudia Bihler

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