Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Prignitz Ausgelassene Stimmung beim Dorfjubiläum
Lokales Prignitz Ausgelassene Stimmung beim Dorfjubiläum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:59 01.07.2018
Die Bälower Landfrauen im Jubiläumsumzug.
Die Bälower Landfrauen im Jubiläumsumzug. Quelle: Wolfram Hennies
Anzeige
Bälow

Hunderte Zuschauer säumten die Bälower Dorfstraße am Sonnabendvormittag beim Festumzug zur 700-Jahrfeier des Ortes. Wer vom Parkplatz den mit vielen bunten Papierblumen geschmückten Weg neben der Kirche nahm, wurde von zwei Mädchen empfangen. Janine und Emilie überreichten jedem einen Schokoladengruß und eine Farbpostkarte mit Dorfansichten.

So eingestimmt harrten die Besucher auf den Beginn des Umzuges, die älteren Einheimischen sitzend auf Stühlen und Bänken, die Auswärtigen zumeist stehend. Doch es gab auch für sie eine Bank mit der schriftlichen Aufforderung: „Sett ju doal, ruut ju ut, vertellt ju wat!“

Ein Blick durch die Dorfgeschichte war am Sonnabend in Bälow (Prignitz) möglich. Viele Vereine haben sich beteiligt.

Vor vielen Häusern standen Bildtafeln, auf denen die jeweiligen Hausgeschichten erzählt wurden. Derweil bereitete man sich im Festzelt und davor auf den Ansturm nach dem Umzug vor, denn der Spruch „für das leibliche Wohl ist gesorgt“ gewann angesichts der Unmenge von leckerem Kuchen und Gegrilltem ein reales Gesicht.

Der Blick in die Dorfgeschichte startete mit Blasmusik, kostümierten Rittern und Siedlern aus dem Mittelalter, dann kamen Bezüge auf den 30jährigen Krieg und den 2. Weltkrieg mit dem Treffen der Alliierten an der Elbe, gefolgt von Handwagen ziehenden Vertriebenen aus den Ostgebieten.

Helgoländer und Lanz Bulldog

Der nächste Komplex widmete sich der Landwirtschaft und dem Leben auf dem Dorfe in den letzten 100 Jahren: Zu sehen waren Frauen mit Helgoländern, der typischen Prignitzer Erntekopfbedeckung, ein Lanz Bulldog zog einen Hänger, auf dem das Spinnen, Waschen und Mangeln vorgeführt wurde. Auf zwei Anhängern wurden eine Kornreinigungs- und eine Kartoffelsortiermaschine bedient. Die Volksschule wurde wieder lebendig, der Hänger war mit der Forderung nach „hitzefrei“ versehen, freche Bubenhände verkündeten mit Kreide „Lotte ist doff“ und „Egon erst rächt“.

Auf einem Lkw waren Schlossereimaschinen aufgebaut. Für Stimmung sorgte eine Gruppe, welche die „wilde Musik“ der 1950er und 60er Jahre lebendig werden ließ. DDR-Nostalgie verbreiteten ein Trabant und ein Wolga. Gemeindeschwester Agnes fuhr auf ihrer Schwalbe vorbei.

Brandschützer in alten Löschfahrzeugen

Mitstreiter der freiwilligen Feuerwehr, welche die Verkehrsabsicherung des Festes übernommen hatte, marschierten in alten Uniformen und fuhren mit modernen Löschfahrzeugen vor. Die Bälower Wehr mit 40 Kameraden ist 85 Jahre alt. Aktiv sind die Landfrauen in Bälow. Übrigens: Der nächste Suppentag findet am 13. Oktober statt.

80 Mitglieder zählt der Angelverein Elbe-Havel-Rühstädt, vor 50 Jahren gegründet. Früh morgens fand schon das Volksangeln am Breitling statt. Die Zimmerei Tobias Meyer präsentierte sich mit ihrem Firmenwagen. Auch an die Elbehochwasser 2002, 2003, 2006, 2011, 2013 wurde gedacht - in Bälow wurden die Sandsäcke zur Deichverstärkung gefüllt.

Wolf als Problemtier

Der Jagdpächter fuhr mit einem Hochsitz vorbei, aus dem ein Wolf als Problemtier schaute, was auf der Tribüne mit folgendem Spruch kommentiert wurde: „Wenn der Wolf erst aus dem Hochsitz guckt, dann hat er den Jäger wohl verschluckt.“ Natürlich fehlte auf dem Wagen des Biosphärenreservats nicht der Verweis auf das nächste Storchenfest in Rühstädt. Nach dem Umzug ging es weiter mit einem Gottesdienst im Festzelt. Am Nachmittag gab es ein Kinderprogramm mit Tacki & Noisly und Ponyreiten.

Von Wolfram Hennies