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Prignitz Singen lernen einmal anders
Lokales Prignitz Singen lernen einmal anders
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17:37 30.03.2019
Wie trägt man einen Ton? Ganz einfach: So, wie Michael Betzner-Brandt (Mitte) es vormacht. Quelle: Kerstin Beck
Bad Wilsnack

Am frühen Freitagabend sitzen 40 erwartungsvolle Besucher im Vorraum der Bad Wilsnacker Karthanehalle – es hat sich herumgesprochen, dass es einen Workshop mit einem ungewöhnlichen Chorleiter aus Berlin geben wird. Diesem wird nachgesagt, dass er jeden sangesfreudigen Menschen zum Singen bringen kann – ungeachtet dessen Musikalität.

Michael Betzner-Brandt ist Dirigent, Vokalist, Autor, Pädagoge und Stummfilmpianist. Der langjährige Dozent an der Berliner Universität der Künste leitet inzwischen mehrere Chöre und ist zu einem zweitägigen Workshop nach Bad Wilsnack gekommen.

Sätze werden gesummt

Als erstes übt er mit den Teilnehmern ein ganz leicht zu singendes Lied ein, welches wohl jeder kennt: den Evergreen „Sunny“.

Aber nicht Nachsingen ist angesagt, denn zuerst gibt es eine Reise in den eigenen Körper. Und diese Vorgehensweise ist wohl der ganz große Unterschied zu anderen Chorleitern. Die Sätze „I’ m here“, „You are here“ und „We are here“ werden durch den Körper gesummt – und mit geschlossenen Augen bitte.

Was das Singen für die Teilnehmer bedeutet

„Denn es kommt nicht darauf an, dass man den Lehrer anschaut, sondern erst einmal in sich selbst hinein“, erklärt der Berliner später. „Der Grundgedanke dabei ist der, dass das Singen bei einem selbst beginnt. Augen zu, und dann einen Raum erspüren, den man dann mit den Tönen erfüllt. Nicht nach außen, sondern nach innen muss es gehen.“

Jetzt geht es auf die Plätze zurück, und die Anwesenden sind nun gebeten, darüber zu sprechen, was das Singen für sie bedeutet. „Wohlgefühl, Zusammengehörigkeitsgefühl, Kraft, Achtsamkeit, Schwingung und Rhythmus, „und dass man sich als Rentner nicht abkapselt, sondern sich in einer Gemeinschaft aufgehoben fühlt“, ist zu hören.

Aufmerksam ist die 82-jährige Christel Aschenkampff (4.v.l.) mit dabei: „Es ist hier eine ganz andere Vorgehensweise, die einfach nur Freude macht.“ Quelle: Kerstin Beck

Und wie ist es hier? Die älteste Mitsängerin, die 82-jährige Christel Aschenkampff, die auch seit Jahren im heimischen Gospelchor aktiv ist, schwärmt: „Hier geht es um den Körper und nicht um die Stimmlage. Es ist eine ganz andere Vorgehensweise, die einfach nur Freude macht.“

Und Lieselotte Holzäpfel, die Kantorin im Ort und Organisatorin dieses Workshops, ist vollauf begeistert: „Es ist einfach toll, was hier passiert und so inspirierend. Der Weg, den Herr Betzner-Brandt uns hier führt, ist etwas, wonach ich schon lange gesucht habe.“

Ein Ton wird sozusagen auf Händen betragen

Nun dürfen sich die Anwesenden ein schönes Erlebnis aus ihrem „Chorleben“ vergegenwärtigen und es ihrem Gegenüber erzählen. Wie nennt man so etwas? Mit Energie auftanken.

Derart „energiegeladen“ geht es nun in den Vorraum, wo etwas mehr Platz ist. In einem großen Kreis aufgestellt, darf nun jeder „nach Gusto“ einen Ton summen. Dieser Ton wird dann auf Händen getragen und an irgendeine andere Person in der Runde „verschenkt“ – und zwar mit regelrechter Freude im Gesicht.

„Wir singen in Bad Wilsnack!“

Aus dem einzelnen Ton wird nun eine Tonfolge, und nun kommt auch der Rhythmus dazu: „Ein Schritt nach vorn, noch einer, und dann wieder zwei zurück“, bestimmt der Chorleiter, ohne ein einziges Mal zu dirigieren.

Nach einem Fantasietext á la sa-wi-ja-li-du-mi-dei und dem passenden Background mit den Worten dei-dei-dum, was sich fast afrikanisch anhört, kommt nun der Clou des Abends: Es wird endlich ein richtiges Lied gesungen, welches lediglich fünf Worte enthält, voller Begeisterung intoniert wird und schier kein Ende findet: „Wir singen in Bad Wilsnack!“

„Das hier war ein Circle-Lied“, erklärt Michael Betzner-Brandt zufrieden, als sich der Abend seinem Ende zuneigt. Mit einem mehr oder weniger hörbaren „mmm“, „und zwar so, wie Sie es machen, wenn das Essen gut schmeckt“, stimmen nun die Gäste darüber ab, wie es morgen weitergehen soll.

Von Kerstin Beck

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