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Prignitz So bereitet sich Nord-Brandenburg auf die Afrikanische Schweinepest vor
Lokales Prignitz So bereitet sich Nord-Brandenburg auf die Afrikanische Schweinepest vor
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13:30 27.11.2019
Polnische Veterinärbehörden trainieren bei einer Notfallübung für das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Auch in Brandenburg trainieren Experten, wie sie mit der Krankheit umgehen können. Quelle: Marcin Bielecki/dpa
Perleberg/Pritzwalk

Die Schweinepest beschäftigt Sabine Kramer nach wie vor sehr. „Es ist aktuell ein schwieriges Thema“, sagt die Prignitzer Amtstierärztin.

Die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP, ist eine Viruserkrankung, die wie ihr Name es verrät, ihren Ursprung auf dem gleichnamigen Kontinent hat. „2014 trat sie erstmals in östlichen Mitgliedsländern der EU auf“, so die Tierärztin.

Virusinfektion endet tödlich bei Schweinen

Seitdem sind die Prignitzer Behörden hellhörig. Vorbereitungen und Aufklärung sind im vollen Gange. Regelmäßig werden Gespräche mit Jägern und Verbänden geführt. Die Bevölkerung soll für die Problematik sensibilisiert werden.

Bei einer Übertragung auf Hausschweine verenden die Tiere. Quelle: Peter Geisler

Eines ist klar: Die Krankheit ist für Menschen und andere Lebewesen kein Risiko. Für Schweine – ob Haus oder wild lebende Exemplare – ist der Erreger tödlich.

Behörden in der Prignitz sind alarmiert

Sie kommt näher: die Afrikanische Schweinepest. Kurz nach dem ersten Fund nahe der polnischen Grenze, wurde ein zweiter Fall bestätigt. Auf der Landstraße zwischen den Ortschaften Nowa Sol und Slawa im Kreis Wschowski (Polen) ist eines der Tiere bei einem Verkehrsunfall verendet. Der anschließende Test fiel positiv aus.

Der Fundort liegt nur etwa 80 Kilometer von der brandenburgischen Grenze entfernt – Prignitzer Behörden und Halter sind alarmiert. Was bedeutet das für Schweine in der Region?

Fallwild muss dringend gemeldet werden

Von einer Entwarnung möchte Sabine Kramer nicht sprechen. „In der Prignitz gibt es keinen bekannten Fall“, aber die Lage bleibt angespannt. „Es kann jederzeit auch hier passieren“, sagt Kramer. Aus diesem Grund sind nicht nur Jäger gefragt: Helfen kann jeder. „Schweine müssen gemeldet werden“, so Sabine Kramer.

Das sogenannte Fallwild spielt dabei eine entscheidende Rolle. Tiere, die nicht durch Einwirkung eines Jägers ums Leben kamen, werden so bezeichnet. Beispiele sind Unfälle, Krankheiten oder Exemplare, die einfach so verendet sind. Werden diese angezeigt, kann eine frühzeitige Untersuchung vorgenommen werden.

„Schweinepest-Hotline“ wurde eingerichtet

Damit sich ein Finder nicht durch verschiedene Instanzen durchtelefonieren muss, wurde eine eigene „Schweinepest-Hotline“ eingerichtet. „Diese ist rund um die Uhr erreichbar“, sagt die Tierärztin. Jeder, ob Jäger oder nicht, ist aufgerufen, im Ernstfall unter der Telefonnummer 03876 71 31 10 aufgefundene Tiere zu melden.

Nicht nur die Amtstierärztin ist beunruhigt. Werner Sperling ist Vorsitzender des Jagdverbandes Pritz­walk. „Wir befürchten es schon seit einigen Jahren“, erzählt er besorgt. „Auch wir müssen jeden Tag damit rechnen und Polen ist wirklich nicht weit weg“, fügt er hinzu. Erfreut ist er über die gute Zusammenarbeit mit dem Kreis Prignitz. „Wir bekommen wirklich viel Hilfe und nehmen diese auch dankend an.“

Jäger erhalten Aufwandsentschädigung für Probenentnahmen

Vorbereitungen auf eine mögliche Epidemiewurde schon getroffen. Vermehrt werden Sauen geschossen, um den aktuell hohen Bestand einzudämmen. Ebenfalls sind Jäger angehalten, Fallwild zu beproben. „Bislang mussten wir das in unserem Gebiet noch nicht tun“, so Sperling. Laut Kramer wurden jedoch an anderen Orten in der Prignitz Tests durchgeführt – mit negativem Ergebnis. Für den Ernstfall sind alle bestens vorbereitet und Sperling versichert: Der Verband kommt dann der Bitte nach.

Für die Waidmänner gibt es dazu noch freudige Nachrichten: Ab Dezember erhalten sie mehr Entschädigung, wenn sie Proben von verdächtigen Tieren nehmen und einschicken. „Es ist ein kleiner Anreiz.“, sagt Amtstierärztin Kramer. Das Land zahlt pro Tier aktuell 30 Euro. Nächsten Monat wird die Summe auf 50 Euro erhöht.

Schon ein Wurstbrot kann ein Überträger sein

Als möglicher Überträger und zugleich größter Risikofaktor in Sachen Schweinepest gilt der Mensch. Schon eine Unachtsamkeit wie ein weggeworfenes Wurstbrot, das vom Wild gefressen wird, kann die Krankheit wohl auslösen. Eine direkte Ansteckung, also von Tier zu Tier, ist ebenfalls möglich. Besonders konzentriert ist das Virus im Blut, sodass kontaminierte Gegenstände eine sehr hohe Gefahr darstellen.

Lesen Sie auch den Kommentar: Der Kampf gegen die Schweinepest wird zu halbherzig geführt

Ein weiteres Problem: Der Erreger ist äußerst stabil. In Rohwurstprodukten oder im Kadaver verendeter Tiere kann sich dieser wochen- bis monatelang halten. Im Umkehrschluss: Wurst- und Fleischprodukte sollten nie unachtsam entsorgt werden. Ungefähr vier Tagen nach der Infektion bekommen betroffene Schweine hohes Fieber, fressen nicht mehr und sterben. Problem: Das Virus verhält sich wie andere Krankheiten und daher nur im Labor nachgewiesen werden.

Bei einigen Exemplaren kommt es zu Blutungen aus Nase, Enddarm, an Hautstellen und Ohren. Durch diese können weitere Tiere angesteckt werden. Ein Kreislauf entsteht, dessen Ausmaß kaum vorstellbar ist. „Wir versuchen, uns vorzubereiten, damit wir im Ernstfall richtig handeln können“, versichert Sabine Kramer.

Ein Mittel gegen die Schweinepest gibt es nicht – Vorsichtsmaßnahmen könnten das Problem jedoch eindämmen. „Es ist enorm wichtig, dass die Bevölkerung mithilft“, und daher bittet Kramer, jeden Verdacht oder gefundenes Tier umgehend zu melden.

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Von Julia Redepenning

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