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Prignitz Spritzig in die Zwanzig
Lokales Prignitz Spritzig in die Zwanzig
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00:24 14.11.2018
Gekommen war auch aus Perleberg die Wasserwacht mit besonders badebegeisterten Kindern.
Gekommen war auch aus Perleberg die Wasserwacht mit besonders badebegeisterten Kindern. Quelle: Kerstin Beck
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Cumlosen

Am Samstagnachmittag stimmte am Cumlosener Badebrack einfach alles: Die Sonne schien, Wasser und Luft zeigten läppische neun und zehn Grad Celsius. Die auf 80 Grad beheizte mobile Sauna dampfte und gekommen waren nicht nur 13 badefreudige Vereine, sondern auch jede Menge Zuschauer aus den umliegenden Orten, die sich das diesjährige Brackspektakel bei Kuchen und Bratwurst sowie Kaffee und Glühwein einfach nicht entgehen lassen wollten.

Dazu gab es auch noch etwas nie Dagewesenes: „Wir haben keine Kosten und Mühe gescheut, hier einen Badestrand wie in Barbados zu schaffen“, erklärte Brackratten-Chef Jörg Molz den vielen Gästen. Die meiste Arbeit aber hatte Mutter Natur dafür getan: Durch den monatelangen Regenmangel hatte das ohnehin nicht sehr große Gewässer geschätzte anderthalb Meter Tiefe verloren und war zu einem winzigen See zusammengeschrumpft.

Doch wer das Brack kennt, wusste Bescheid: „Man geht erst einige Meter hinein, und dann kommt auch jetzt noch ein plötzlicher Abgrund, da ist es noch immer mindestens drei Meter tief. Da kann man nur schwimmen, wenn man nicht untergehen will“, sagte ein brackkundiger Eisbader.

Erst aufwärmen am Südseestrand

Und da der Südseestrand nun einmal da war, wurde er auch gleich von der gesamten angereisten Badezunft zum Aufwärmen genutzt. „Einmal jetzt um den See herum“, dirigierte der Brackratten-Vorsitzende, und die lustige Gesellschaft leistete dem trötend, knatternd und trompetend mit dem Schlachtruf „Eis frei!“ Folge.

Mit viel Trara und dem Schlachtruf "Eis frei!" ging es um den Cumlosener "Strand von Barbados". Quelle: Kerstin Beck

Wie denn nun das erste Spektakel ausgesehen hatte, erzählte Bürgermeister Harald Pohle: „Das war 1999, da wurde ich angesprochen, ob ich nicht mitmachen möchte: na klar! Da sind wir dann einfach nur für uns, also ohne Publikum, ins Wasser gestiegen und fanden es prima. Und dann wollte ich auch nicht derjenige sein, der aufhört, sondern ich war dann in den nächsten Jahren auch mit dabei. So sind dann die Jahre vergangen, und in dieser ganzen Zeit habe ich durch das Eisbaden im Winter keine Erkältungen mehr bekommen“.

Huskies, Pinguine und Delphine

„Der Verein wurde dann einige Wochen später, das war am 29.12.1999, gegründet“, erzählte dazu Jörg Molz, der den Cumlosener Brackratten seit mehr als zehn Jahren vorsteht. „Und seitdem besuchen wir auch andere badelustige Vereine, wenn diese ihre eigenen Spektakel aufführen“.

Mit großem Trara und einem flotten Tempo ging es dann für alles mögliche Getier wie die „Berliner Seehunde“, die „Brandenburger Eisbären“ so wie die dortigen „Huskies“, die „Leipziger Pinguine“ und die „Wittenberger Delphine“, aber auch die menschlichen Wasserratten aus Hamburg, die Gardelegener Eisspringer, die Samsbader aus Samswegen und die Saunis vom Arendsee in die ruhigen Fluten.

Der älteste Bader ist 93 Jahre

Als treu-begeisterte Mitbader erwiesen sich die Helfer der Perleberger Wasserwacht. „Das ist für unsere Kinder immer etwas ganz Besonderes, die sowieso schon Freude am Sport haben“, erzählte dazu Betreuerin Ina Brandt. Besonders begeistert, und das sah man den beiden Mädchen an, wie sie tapfer ins Wasser liefen, waren die beiden aus Afghanistan stammenden Schwestern Khorshid und Mahtab Ahmadi.

Nach einer Badezeit von einer halben Stunde gab es dann noch ein schnelles Gruppenbild und anschließend einen noch schnelleren Besuch in der mobilen Sauna. Der 70-jährige Eckard Hager aus Motrich, der schon im Wasser gut gelaunt geplanscht hatte, meinte dazu fröhlich: „Wenn die Temperaturen im zweistelligen Bereich sind, geht es noch, wenns darunter liegt, wird es schon etwas unangenehm“. Für den Lenzener Ulli Förster sind die Temperaturen nebensächlich. Der 79-jährige steigt seit über 30 Jahren in den Rudower See, egal, ob mit oder ohne Algenblüte.

Fröhlich war auch der 29-jährige Wittenberger „Delphin“ Carsten Degner dabei. „Ich mache erst seit einem Monat mit, aber es ist einfach schön, jeden Sonntag ins kalte Wasser zu gehen“.

Älteste Zuschauerin war die Cumlosenerin Gundela Sandmann. Die 93-jährige findet jedes Jahr ihren Spaß am lustigen Treiben. „Das ist einfach schön, mit dabeisein und zugucken zu können!“

Von Kerstin Beck