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Prignitz Auch auf dem Lande immer mehr Obdachlose
Lokales Prignitz Auch auf dem Lande immer mehr Obdachlose
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16:51 27.06.2019
Menschen, die auf der Straße campieren, sind auf dem Lande die Ausnahme. Doch Obdachlosigkeit gibt es trotzdem. Quelle: Paul Zinken/dpa
Groß Pankow

 Der Supersommer zieht die Menschen ins Freie. Manche haben aber auch gar keine andere Wahl – weil sie keine Wohnung haben. „Uns wurden bis Ende Juni 23 Zwangsräumungen angezeigt“, berichtet die Leiterin der Obdachlosenbetreuung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Prignitz Dietra Schwarz. Im ganzen vergangenen Jahr seien es 43 Fälle gewesen.

„Es ist nach wie vor so, dass die Problematik der Obdachlosigkeit nur bei extremer Kälte oder durch Frank Zander in der Weihnachtszeit präsent ist“, sagt Dietra Schwarz. „Aber da gibt es kein Sommerloch. In den letzten vier Wochen hatten wir fünf Zwangsräumungen und in der Folge zwei Neuaufnahmen in der Obdachlosenunterkunft in Groß Pankow.“

Sozialarbeit im Auftrag der Kommunen

Im Auftrag von mittlerweile neun Kommunen zwischen Pritzwalk, Wittenberge und Kyritz leistet die Awo seit 20 Jahren Sozialarbeit, um Obdachlosigkeit zu verhindern oder ihre Folgen zu mindern. 2003 – weiter reicht die Statistik nicht zurück – hatte das Notquartier in Groß Pankow fünf zeitweilige Bewohner. Aktuell sind es elf.

Die Zahl der jährlichen Klienten der Awo-Sozialarbeiter hat sich sogar mehr als vervierfacht, obwohl der Bereich des Trägerverbundes nur auf knapp das Doppelte wuchs: Seit 2007 ist Kyritz dabei; vor zwei Jahren schlossen sich Wittenberge und Perleberg an. Die meisten Betroffenen, nämlich 78, kamen 2018 aus Pritzwalk. Auf Platz 2 folgt mit 52 Klienten die Gemeinde Gumtow, obwohl ihre Einwohnerzahl nur ein Drittel beträgt.

Über die wirkliche Zahl der Wohnungslosen kann Dietra Schwarz nur spekulieren. Beileibe nicht alle fänden den Kontakt zur Awo. Viele der Betroffenen kämen bei Bekannten unter, wohnten in Lauben oder Nebengebäuden. Direkt auf der Straße landeten nur einzelne.

Auch Krankheit kann in die Armut führen

Meist seien Mietschulden der Anlass für den Verlust der Wohnung, erklärt die Sozialarbeiterin. Schon die Trennung vom Lebenspartner oder eine längere Krankheit führten schnell dazu, dass es nicht mehr für Miete, Strom und Wasser reicht. „Ein sozialer Abstieg durch Krankheit ist für viele unvorstellbar“, betont Dietra Schwarz. Aber: „Der zeitliche Rahmen zwischen einem ,normalen Leben’ und dem Bezug von Arbeitslosengeld II beträgt zweieinhalb bis maximal drei Jahre.“

Oft reagierten die Betroffen zu spät, so die Erfahrung. „Viele Menschen haben Hemmungen, um Hilfe zu bitten. Wer steht schon gern als Looser da?“ Die Bürokratie errichte zusätzliche Hürden. „Das Ausfüllen eines Antrages beziehungsweise das Zusammentragen von Unterlagen bereitet vielen Menschen enorme Schwierigkeiten. Der Bildungsstand spielt hier keine Rolle.“

Oft können die Berater noch helfen

Ein Teil der Betroffenen findet auf der Suche nach Beratung von allein zur Arbeiterwohlfahrt. „Wenn wir rechtzeitig von Mietschulden erfahren, können wir in vielen Fällen Wohnungslosigkeit verhindern.“ Im Laufe der Jahre sei da ein Netzwerk entstanden, das beispielsweise den sozialpsychiatrischen Dienst und das Jobcenter einbezieht.

Im Falle von gerichtlich angeordneten Zwangsräumungen bekommen die Sozialarbeiter über die Ordnungsämter Bescheid und nehmen von sich aus den Kontakt auf. Verhindern können sie die Räumung in der Regel nicht, aber sie versuchen, neue Vermieter zu vermitteln, und können zumindest Tipps geben, wie sich die Kosten der Räumung niedrig halten lassen.

Von Alexander Beckmann

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