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Prignitz Der einzige Bibliothekar in der Prignitz
Lokales Prignitz Der einzige Bibliothekar in der Prignitz
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13:11 07.01.2020
Stephan Paul aus Pritzwalk ist nicht nur Leiter der Bibliothek in Bad Wilsnack, sondern auch der einzige Bibliothekar im Kreis Prignitz. Quelle: Julia Redepenning
Bad Wilsnack

Er ist einer von vielen und vor allem – einer unter vielen Frauen. Der Pritzwalker Stephan Paul hat im Jahr 2006 seine Freude und Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er ist Bibliothekar und aktuell sogar der Leiter der Bibliothek in Bad Wilsnack. Doch es ist nicht etwa die Tätigkeit, die in der Region einzigartig macht, sondern die Tatsache, dass er ein Mann ist.

Einziger Mann in der Region

„Mir ist es nicht bekannt, dass es noch einen wie mich in der Prignitz gibt“, sagt der Prignitzer. Zwar gibt es hin und wieder Mitstreiter, die er auf Weiterbildungen oder anderen Veranstaltungen trifft, aber sonst sieht es rar aus mit dem männlichen Geschlecht in der Welt der Romane und Geschichten. Doch das stört Paul wenig: „Ich arbeite gerne als Bibliothekar und komme gut mit meinen weiblichen Kollegen aus.“

Von der Bundeswehr zum Bücherregal

Sein Weg war anfangs jedoch ein anderer. „Ich habe vorher zwar nicht viel gemacht, aber eben nichts mit Literatur“, sagt er. Nach seinem Schulabschluss zog es den Pritz­walker zur Bundeswehr. Das dies nicht seine Bestimmung ist, merkt er schnell. Nach 13 Monaten war Schluss. Danach absolviert er einen Bundesfreiwilligendienst.

Schon als Kind ein Bücherfan

Am Ende folgt Paul seiner Bestimmung. „Ich wollte etwas mit Büchern machen“ so der Bibliothekar. Schon als Kind ist er eine kleine Leseratte. Ob die klassischen Indianergeschichten wie Winnetou oder ähnliche Literatur – ein Leben ohne Lesestoff, undenkbar.

Daher der Entschluss: Er schreibt Bewerbungen, an jede Stelle in der Prignitz. „Leider gab es keine freie Stelle“, erzählt er. Entweder durfte die Institution nicht ausbilden oder der Platz war schon besetzt. Ein bitterer Schlag, doch das Blatt wendete sich zu seinen Gunsten.

Ausbildung in Meyenburg

Isolde Pickel, Leiterin der Bibliothek in Meyenburg, ist fasziniert von dem jungen Mann und will helfen. Im Eilverfahren macht sie es ihm möglich, seinen Traum in die Tat umzusetzen. „Sie hat extra noch den Ausbilderschein gemacht, damit ich meine Lehre bei ihr machen kann“, erzählt Stephan Paul.

Gesagt getan – Paul startet und ist somit Azubi in Meyenburg als Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste, kurz Fami. Während seiner Zeit als Lehrling besucht der Pritzwalker alle Bibliotheken im Landkreis Prignitz in Form von Praktika. „So habe ich alle kennengelernt“, sagt er. Fest dabei im Blick – eine künftige Anstellung in der Region. „Das wollte ich gerne“, so Paul.

Leiter der Bibliothek in Bad Wilsnack

Das Glück ist auf seiner Seite: Leiterin Heidrun Graf der Bad Wilsnacker Bibliothek steht kurz vor ihrem Ruhestand und sucht einen Nachfolger. Während seines Praktikums kommen beide ins Gespräch und die Chemie stimmt. Kurz darauf erhält Stephan Paul das Angebot: Er könne für Graf neuer Chef über die Schätze in Bad Wilsnacker werden.

Er nimmt das Angebot an: „Ich habe alles eins zu eins übernommen“ sagt er. Die ersten Monate ist Graf noch an seiner Seite und arbeitet ihren Schützling ein. Seit August 2014 ist Stephan Paul nun Leiter und Hüter der über 4000 Medien – auch ohne Studium. „Natürlich könnte man das noch machen, aber es geht auch ohne“, sagt er.

Nun auch Veranstaltungen für Erwachsene

In den vergangenen Jahren hat sich in der Bibliothek auch einiges getan, denn Stephan Paul hat mit Beginn seiner neuen Arbeit auch Vorstellungen, die er umsetzen will. So gibt es jetzt in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen für Erwachsene. Kinder, zum Beispiel Kitas, sind ebenfalls regelmäßig zu Gast – ob bei Lesungen oder um den sogenannten Bibliotheksführerschein zu machen.

Der Bibliothekar hat ein offenes Ohr für Probleme

„Ich bin aber nicht nur der Bibliothekar hier in Bad Wilsnack“, sagt Paul. Neben seiner Anstellung ist er zeitweise auch in der Stadtinformation anzutreffen. Hier gibt er Auskunft über den Kurort und die nähere Umgebung. Und eines ist Paul immer – für jeden seiner Kunden da. „Mein Job besitzt auch eine soziale Komponente“, so der Pritzwalker.

Ob Probleme der Kinder und Jugendlichen oder die Sorgen der Rentnerin von nebenan – Stephan Paul hört zu und versucht zu helfen, wo er nur kann. Er kämpft auch dafür, dass die Nutzung der Bücher und Medien auch in der Zukunft für alle kostenlos bleibt.

Vorschulkinder lernen die Bibliothek kennen

Zum Jahresbeginn ist sein Terminkalender wieder gut gefüllt. Am 15. Januar startet der Prignitzer Bibliothekar mit den ersten Vorschülern den Bib Fuchs – die Einführung in die Bibliothek. Alle 14 Tage bekommt er jetzt Besuch von den zukünftigen Nutzern seiner Einrichtung. Eines ist klar: Auch wenn Paul als Mann beruflich einzigartig in einer eher von Frauen regierten Domaine ist, bereut er seine Entscheidung nicht. Nur etwas mehr Zeit für seine eigentliche Arbeit – die hätte er gerne. Doch drumherum gibt es so viel zu tun, dass immer etwas auf der Strecke bleibt.

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Von Julia Redepenning

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