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Prignitz Mit dem Theater „Ton und Kirschen“ von Lenzen und Putlitz bis nach Falun
Lokales Prignitz Mit dem Theater „Ton und Kirschen“ von Lenzen und Putlitz bis nach Falun
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17:32 11.08.2019
Bald soll die Hochzeit mit Ulla, der Tochter des Bergwerkbesitzers, sein, und dazu werden auch die Zuschauer eingebunden: Die überglückliche Braut bewundert sich im Spiegel. Quelle: Kerstin Beck
Lenzen/Putlitz

Am Anfang gibt es einen gläsernen Sarg – mit einem längst Verstorbenen darin. Und das war es dann schon – fast.

So begann am Freitagabend im Lenzener Burggarten sowie am Samstagnachmittag auf dem Putlitzer Wall eine in beiden Fällen grandiose Aufführung des Wandertheaters „Ton und Kirschen“, zu welcher jeweils an die 200 Zuschauer gekommen waren. Größtenteils fanden sich Dauergäste darunter. „Die sind so großartig, weil sie einfach aus Wenigem ganz viel machen können“, formulierte es ein Perleberger, der bereits seit dem ersten Auftritt dabei ist.

Das Theater „Ton und Kirschen“ lockte bei zwei Gastspielen in der Prignitz jeweils 200 Zuschauer zur Aufführung von „Die Bergwerke zu Falun“.

Und so war es dann auch: Vorhangtücher, die gleichzeitig den Ozean und die Tiefe der Erde darstellten. Schiffsmasten, die gleichzeitig tief in ein Gestein hineinragten. Räder, die ein Geschehen symbolisieren.

Aber was ist nun mit der Leiche? Die hat es wirklich gegeben, und zwar im Bergwerk des schwedischen Falun. 1677 verschwand der Kumpel Fet Mats Israelsson kurz vor seiner Hochzeit, um 42 Jahre später vom Kupfervitriol völlig konserviert aufgefunden und nur von seiner damaligen Braut identifiziert zu werden.

Eine der Theatergruppe wie auf den Leib geschneiderte Geschichte

E. T. A. Hoffmann, der diesen Stoff vor 200 Jahren in seiner tragisch-romantischen Erzählung „Die Bergwerke von Falun“ verarbeitete, hat der Glindower Theatergruppe vermutlich die Geschichte auf den Leib geschneidert. Denn bis auf den Schluss blieb man der Vorlage des Schriftstellers treu.

Der Seemann Elis Fröbom kommt zuversichtlich von seiner Ostindienfahrt nach Hause nach Göthaborg. „Mutter, bald werden wir uns wiedersehn’“, ruft der junge Mann von der obersten Rah des Seglers fröhlich. Doch diese lebt nicht mehr, und Elis verfällt in Trauer und Depressionen: „Ich fühle mich schuldig, ach, wär’ ich doch im tiefsten Meeresgrund begraben!“

Merkwürdige Träume

Doch da gesellt sich immer wieder ein merkwürdiger Gesell – der Geist des vor 100 Jahren umgekommenen Torben – zu ihm. Er überredet ihn dazu, nach Falun zu gehen: „Die Bergwerke dort sind deine Heimat.“ Zudem erscheint dem jungen Burschen in folgender Nacht ein ebenso merkwürdiger Traum, in dem sich die See in geheimnisvolles Gestein verwandelt. Hier sieht er sich selbst, seine Vergangenheit und seine Zukunft – in Gestalt seiner Mutter und seiner baldigen Geliebten Ulla.

Nun wird aus dem See- ein Bergmann, und zwar der beste, den sein Chef, der Bergwerksbesitzer Pehrson Dahlsjö, je hatte. Und da ist dessen Tochter Ulla, die Elis grenzenlos liebt. Endlich wird die Hochzeit der beiden anberaumt, die am nächsten Johannistag als einem für Bergarbeiter freien Tag stattfinden soll.

Bis die Hochzeitsglocken läuten

Nun hat Elis wieder einen Traum, in dem ihm die Königin des Berges erscheint. „Ich bin der Welt abhanden gekommen“, singt dazu die unvergessene Katleen Ferrier Rückerts Gedicht. Rot-schwarz ist die Dame gewandet, was tiefenpsychologisch auf Blut, Leidenschaft und Gefahr sowie auf das Böse, Finsternis, Tod und letztlich Trauer hindeutet. Elis verfällt den Verlockungen des Geistwesens derart, dass er am Hochzeitstag hinuntersteigen und kostbaren Almandin finden will. „Tue das nicht, ich habe kein gutes Gefühl!“ warnt ihn Ulla vergebens.

Nun läuten die Hochzeitsglocken. Dazu mischt sich ein anderer, grollender Ton: Laut berstend fallen die Stollen in sich zusammen.

Umweltzerstörendes Bergwerk 1992 geschlossen

Jahre später wird ein fast unversehrter Leichnam gefunden, der dem Publikum auf einem Karren präsentiert wird. Eine gramgebeugte, ältere Dame in Witwentracht nähert sich langsam der Totenkiste. „50 Jahre ist es her, dass ich ihn verlor“, klagt die unvermählt gebliebene Ulla. „Der alte Torben tröstete mich, dass ich ihn noch wiedersehen sollte. Schlafe wohl, bald folge ich dir nach!“

„Und die Moral von der Geschicht’: Heirat’ einen Bergmann nicht,“ folgerte zum Schluss eine Putlitzerin aus dem mit kaum enden wollenden Beifall bedachten Theaterstück. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn wie heißt es ähnlich bei den Hopis: „Eines Tages werdet ihr merken, dass man Mutter Erde nicht unbeschadet ausbeuten könnt!“

Und eine gute Nachricht gibt es doch noch: 1992 ist das umweltzerstörende Bergwerk geschlossen worden.

Von Kerstin Beck

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