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Tour de Prignitz Milliardär besucht seine Prignitzer Stiftungs-Projekte
Lokales Prignitz Tour de Prignitz Milliardär besucht seine Prignitzer Stiftungs-Projekte
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10:30 12.07.2018
Einen malerischen Blick gibt die Elbe jetzt auf den ehemals gefürchteten "Bösen Ort" frei. Quelle: Kerstin Beck
Lenzen

„Schön hier!“ sagt der Besuch ganz leise, mehr für sich, als er am Dienstagnachmittag beim Elbkilometer 477 auf das malerische Flussbett der Elbe schaut.

Der Gast ist Michael Otto aus Hamburg, der erfolgreichste Unternehmer Norddeutschlands (Otto-Versand) und Gründer der Michael-Otto-Stiftung, die sich dem Naturschutz verschrieben hat. Nun endlich hat er Zeit gefunden, „seine“ Projekte zu besichtigen. Unter anderem das Rückdeichungsgebiet in Lenzen an der Elbe.

Meike Kleinwächter, Leiterin des BUND-Auenzentrums, im Fachgespräch mit Landrat Torsten Uhe und Förderer Michael Otto (4., 5. 6. v. l.), mit anwesend: Vertreter der Landkreise, der Biosphärenreservate und Projektbeteiligte. Quelle: Kerstin Beck

Michael Otto gründete vor 25 Jahren die international fördernde Stiftung, die sich das Ziel gesetzt hat, Natur- und Umweltschutz zu fördern. Insbesondere geht es dabei um die Erhaltung von Meeren, Gewässern, Feuchtgebieten und Trinkwasserressourcen.

Förderschwerpunkt Fließgewässer

Derzeit liegt der Förderschwerpunkt im Schutz und Erhalt von Fließgewässern und dem nachhaltigen Umgang mit Flusslandschaften in Deutschland sowie Osteuropa. Die Stiftung fördert ausgewählte innovative Naturschutzprojekte mit dem Ziel, neue beispielgebende Wege nachhaltig zu beschreiten.

Sie unterstützt Großprojekte anerkannter Naturschutzorganisationen, auch Projekte des stiftungseigenen Kinder- und Jugendförderprogramms „Aqua-Projekte“.

Lassen sich nur selten sehen: Wildpferde im Überschwemmungsgebiet. Quelle: Kerstin Beck

Finanziell unterstützt wurden bisher mit einer Gesamtsumme von 300000 Euro drei zukunftsweisende Projekte an der Unteren Mittelelbe, die das Ziel haben, Auwälder zu renaturieren und den ökologischen sowie ökonomischen Wert intakter Flusslandschaften für die Gesellschaft aufzuzeigen.

„Damit unsere Flussauen ihre vielfältigen wertvollen Ökosystemleistungen auch in Zukunft erbringen können, ist es unabdingbar, dass der Dialog mit allen beteiligten Akteuren zur Entwicklung und Erhaltung solcher Lebensräume zukünftig deutlich schneller vollzogen wird“, so Otto.

Honorarprofessor und Naturschützer

Hier sah der Honorarprofessor und verdienstvolle Naturschützer seine besondere Aufgabe: „Deshalb unterstützt meine Stiftung finanziell den Trägerverbund Burg Lenzen, der gemeinsam mit dem BUND in besonderer Weise zeigt, wie mit allen Stakeholdern die Renaturierung und der Schutz von Auenlandschaften vorangetrieben werden kann und somit deutschlandweit beispielgebend ist“, so Otto

Begonnen hatte das Engagement der Stiftung mit dem Elbe-Dialog Mitte der 1990er Jahre. Viele Naturschutzorganisationen sprachen sich damals gegen einen Ausbau der Elbe als Wasserstraße aus, denn durch die innerdeutsche Grenze hatten sich entlang des Flusses einmalige Lebensräume erhalten, die durch einen Ausbau in ihrer Substanz gefährdet gewesen wären.

Stephan Zirpel, Geschäftsführer der Michael-Otto-Stiftung, nutzte die Gunst der Stunde, um interessante Fotos zu machen. Quelle: Kerstin Beck

Michael Otto regte daraufhin über seine Stiftung die sogenannte Elbe-Erklärung an, die 2002 Eingang in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung fand. Und seitdem begleitet diese die Gestaltung der Elbe mit der Förderung konkreter Projekte.

Unternehmer und Stifter Michael Otto

Michael Otto ist Aufsichtsratsvorsitzender und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Otto Group. Der gebürtige Westpreuße wurde 1971 Vorstand im Bereich Einkauf Textil von seinem Vater Werner Otto gegründeten Versandunternehmen.

Inzwischen gilt der vielfache Milliardär vermutlich als reichster Norddeutscher, der sich zudem insbesondere durch sein Engagement für Umwelt und Nachhaltigkeit auszeichnet. Zur Förderung konkreter Umweltprojekte stiftete er 1993 die „Michael Otto Stiftung für Umweltschutz“ (seit diesem Jahr „Umweltstiftung Michael Otto“) und nimmt unter anderem den Ehrenvorsitz des Stiftungsrates der Umweltstiftung WWF Deutschland ein und ist zudem Ehrenratsmitglied des World Future Councils.

Zu den vielen Ehrungen, mit denen der 75-jährige bedacht wurde, gehören die Aufnahme in die GMA Hall of Fame, New York (2001) und in die Hall of Fame der deutschen Wirtschaftszeitung Manager-Magazin (2012), das Große Verdienstkreuz mit Stern (2006), der Deutsche Handelspreis (2007) sowie die Ehrenbürgerwürde der Stadt Hamburg (2013) sowie der Ehrentitel Professor (2018).

Eine ungewöhnliche Auszeichnung erhielt der verdienstvolle Naturschützer vor fünf Jahren: Der WWF ehrte ihn mit dem neuentdeckten, im Spessart heimischen Habichtskraut Pilosella Ottonis.

Das wohl letzte Projekt - der neu angelegte Hartholzauwald im Lenzener Burggarten - stand als erstes auf der Besichtigungstour. Dort hat das Auenzentrum typische Baumarten der Hartholzaue wie Eichen, Ulmen, Eschen und Wildbirne gepflanzt.

Deichrückverlegung als bedeutenstes Projekt

Dann wurde das bedeutendste Konzept besichtigt: die Deichrückverlegung bei Lenzen - das erste deutschlandweit durch den BUND und dem Land Brandenburg umgesetzten Vorhaben dieser Art. Dadurch stehen der Elbe etwa 420 Hektar mehr Überschwemmungsfläche zur Verfügung, was dazu führte, dass der Pegel vor Ort beim Hochwasser 2013 um fast 50 Zentimeter niedriger ausfiel.

Hier zeigte Meike Kleinwächter, Leiterin des BUND-Auenzentrums, dem prominenten Gast, dass durch die neu entstandenen Feuchtwiesen, Flutrinnen und Auwälder sich auch die Vielfalt bei Insekten, Fischen und Vögeln wieder etablieren konnte: „Hier gibt es inzwischen wieder 30 Fischarten, und 60 bis 70 Vogelarten nisten hier.“

RBB-Reporter Christoph Herkt war der Gruppe bis in die Altmark in der Höhe Wanzer auf den Spuren. Quelle: Kerstin Beck

Auch die hier angesiedelten Wildpferde machten brav mit, denn sie konnten im Überschwemmungsgebiet deutlich gesichtet werden. Und der „Böse Ort“ – eine historische Sandbank, die der Schifffahrt in der Vergangenheit viel Verdruss bereitet hatte – fiel angesichts des derzeitigen Niedrigwassers besonders malerisch ins Auge. Die geplante Bootsfahrt jedoch dann buchstäblich ins niedrige Wasser, aber eine Besichtigung des sachsen-anhaltinischen Hochwasserdeiches mit Spaziergang in die „Hohe Garbe“ – einem weiteren Förderprojekt der Umweltstiftung – gab es dann doch noch.

Vielleicht bald ein Treffen mit Barack Obama

Und zuletzt gab der beeindruckte Förderer zu: „Sie werden hier nie den „großen Tourismus“ haben, aber ich würde hier gern einmal Urlaub machen!“

So viel Zeit hat aber der Naturschutzförderer dann doch nicht, denn in der nächsten Woche geht es erst einmal nach Kenia - zu einem weiteren Förderprojekt der Stiftung. Und wenn Michael Otto dort auf Barack Obama trifft, kann es gut sein, dass er dem amerikanischen Ex-Präsidenten von seinem „schönen Blick hier“ über die Elbe bei Lenzen erzählt.

Von Kerstin Beck

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