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Tour de Prignitz Narrenfreiheit vor Burg Lenzen
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06:02 24.03.2019
Am Ende der Parade ist der Admiral selbst mit Vatermörder und Rüstung zu sehen - in seinem Sarg sitzend im Kampf gegen das Hochwasser 1888 in Mödlich. Quelle: Kerstin Beck
Lenzen

Auf dem Platz vor der Lenzener Burg schaut sich der Besucher erst mal um. Denn er steht inmitten der „Narrenfreiheit“. Die vor dem Burgaufgang aufgestellte Figurengruppe zeigt die Menschen mit ihrem Schwächen.

Auf dem Weg zur Burg Lenzen versperren dem Besucher seltsame Gestalten den Weg. Es ist die Lenzener Narrenfreiheit, die ein Abbild des Menschen mit allen seinen Schwächen sein soll.

Den Beginn macht eine Figur, die auf einem kleinen Podest steht. Darin ist das Rad des Lebens abgebildet – genau gegenüber einer Liebesszene gemahnen menschliche Knochen an das Ende.

Es ist Till Eulenspiegel, der zudem mit vier beweglichen Schellen auf sich aufmerksam macht. Keck grinsend hält der Schalk jedem Betrachter den Spiegel vor.

Abgründiges aus Lenzen

„In den Spiegel der Wahrheit schauet ohne Betrübnis, denn die Erkenntnis der eigenen Qualitäten bedarf manchmal eines Vermittlers wie mich, dem Eulenspiegel. Lachend offenbare ich Euch, wer Ihr seid“, heißt es dazu auf einer Bronzetafel.

Und wer das nun ist – es sind alle diejenigen, über die sich der legendäre Admiral Aernoult Gijsels van Lier, der von 1651 bis 1676 in Lenzen als Amtmann wirkte, beim Kurfürsten bitter beklagte.

Kennen Sie den? Quelle: Kerstin Beck

Da ist zum ersten die Angewohnheit der biederen Bürger, sämtlichen Unrat einfach auf die Straße zu kippen. „Zum Spott der fremdem Leute und zum eigenen Nachteil lieget der Mist ellenhoch auf den Gassen, ja so hoch, dass kein Mensch zum anderen kommen kann“, beschwerte sich der Amtmann.

Dargestellt ist dies durch einen niederknienden Arthur Schopenhauer, der mit heruntergelassenen Hosen sein Geschäft macht. Der Philosoph war nie in Lenzen gewesen, „aber ich mag den einfach nicht“, erzählte der Künstler Bernd Streiter, der die Figurengruppe schuf, zu dem Mann seiner Wahl, der „immer auf denselben Haufen“ sitzend, diesen zu vergrößern, im Begriff ist.

Beschwerden über dumme Bürger und unfähige Beamte

„Es befindet sich, dass niemand der Amtsuntertanen, sei er Schulze oder Richter, weder lesen noch schreiben kann“, schimpfte einst der ehemalige Admiral, um hinzuzusetzen: „Deshalb möchte ich untertänigst bitten, neben dem Amtsschreiber ein paar qualifizierte Personen benennen zu können.“

Dem dazu dargestellten „unfähigen Beamten“ sieht man seine beruflichen Grenzen an: Mit untertänig-leerem Blick hat der schmalbrüstige schmerbäuchige Bürokrat seine Hände hinter seinem Rücken geöffnet – des heimlich erwarteten Schmiergeldes wegen.

Ein gut genährter Zimmermann

Die mittlere Plastik zeigt einen gut genährten Zimmermann, der allein mit seinem stattlichen Gewicht ein dreistöckiges Haus vor dem Einstürzen hindert. Das Gebäude wird zudem von einer Narrenkappe geziert, die von „Lenzen o ja!“ und dem Kürzel LCC umgeben ist. Denn van Lier waren auch hier Unregelmäßigkeiten aufgefallen.

Ein ganz besonders großer Dorn im Auge des gebürtigen Holländers war die Trunksucht im Ort. „Selbst der Sonntag, da er sollte gefeyert und geheiliget werden, zum überflüssigen Saufen und Schwelgen - insbesondere unter der Predigt - von vielen gebrauchet und geschendet wird, und oft große Ungelegenheiten und Schlegerey entstehet“, wurde dem Kurfürsten gemeldet.

Zwei Säufer aus der Jetztzeit

Dazu stehen sich zwei „Säufer“ gegenüber, zwei Personen aus der „Jetztzeit“ übrigens, zu deren Füßen zerbrochene Flaschen liegen.

Heil dagegen sind die „Pullen“, die den Boden unter einem Stuhl zieren, auf dem ein „Richter“ sitzt. Aber es ist kein Mensch, der hier fröhlich residiert, sondern ein Schwein mit all seinen Attributen bis hin zum Ringelschwänzchen. Dazu hängen in den Streben des Gestühls allerlei Würste, die sicherlich als „Entscheidungshilfen“ gedeutet werden können.

Zuletzt zeigt sich der Admiral selbst

Zuletzt zeigt sich der Admiral selbst. In seinem eigenen Sarg sitzend paddelt er durch die Fluten des Elbhochwassers 1888, bei welchem sein Totenschrein vor der Mödlicher Kirche „in Wirklichkeit“ vom Wasser überflutet gewesen war.

Die „Narrenfreiheit“ entstand bei der Neugestaltung des Burgvorplatzes vor zehn Jahren. Der Künstler Bernd Streiter selbst sagt dazu? „Der gute Mensch, ehrbar und makellos, bleibt einfach ein Ideal.“

Somit ist der Betrachter eingeladen, mit Humor und eigenen Gedanken auf die allzu menschlichen Unzulänglichkeiten einzugehen. Und immerhin hat die Gruppe auch eine Liebhaberin gefunden. Einer unbekannten Dame sind die Figuren derart ans Herz gewachsen, dass sie die Menschlein im Winter mit passenden dicken Schals und Pudels versorgt.

Von Kerstin Beck

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