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Prignitz Urteil gegen Einbrecher vertagt
Lokales Prignitz Urteil gegen Einbrecher vertagt
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18:47 16.01.2017
Vor dem Landgericht Neuruppin muss sich ein Einbrecherquartett aus der Prignitz verantworten. Quelle: dpa
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Pritzwalk

Es wurde mucksmäuschenstill im Saal, als die Staatsanwältin am Montag vor der dritten großen Strafkammer des Landgerichts Neuruppin ihre Strafanträge stellte: Wegen schweren Bandendiebstahls sollte Ronny R. für sechs Jahre ins Gefängnis, für die drei mitangeklagten jungen Männer forderte sie zwischen drei und vier Jahre. So unterschiedlich wie die Tatbeteiligung war, so unterschiedlich war auch das beantragte Strafmaß der Anklage.

Urteil wurde auf Antrag der Verteidigung verschoben

Die große Strafkammer machte es sich am Montag mit der Urteilsfindung offenbar nicht leicht. Mehrfach wurde die Verkündung nach hinten verschoben, schließlich ganz vertagt. Nachdem das Gericht statt des erwarteten Urteils einen rechtlichen Hinweis erteilte, wonach auch eine gewerbsmäßige Begehung in Betracht kommen könnte, beantragte ein Verteidiger, die Verhandlung auszusetzen und die Urteilsverkündung zu verschieben. Das hatten die Richter offenbar erwartet und kamen dem Antrag nach.

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In unterschiedlicher Besetzung auf Diebestour

Die Männer im Alter zwischen 36 und 25 Jahren waren in unterschiedlicher Besetzung ab Dezember 2014 bis April 2015 immer wieder nachts unterwegs, um in Büros oder Geschäfte einzubrechen. Treffpunkt war zumeist eine Spielothek in Pritzwalk. Von dort brachen sie zu den Diebestouren quer durch die Prignitz bis hoch nach Mecklenburg auf. Sie zogen ihre Kreise bis Wittstock und Wusterhausen. Ob die Lagerhalle des Ordnungsamtes Meyenburg, die Tierklinik in Wusterhausen, ein Bowlingcenter in Wittenberge, Friseurgeschäfte oder ein Hotel in Pritz­walk, letzteres suchten sie gleich mehrmals auf, auf der Jagd nach Beute waren sie nicht wählerisch.

Unbelehrbarer Angeklagter

Immer dabei war Ronny R. Auf sein Konto gingen insgesamt 52 Taten. Er ist auch derjenige, der immer vorneweg war, Türen oder Fenster aufhebelte und nach Geld oder anderen leicht zu verwertenden Gegenständen suchte.

Er sei unbelehrbar, hielt ihm die Staatsanwältin vor. Immer wieder landete der 36-Jährige wegen ähnlicher Taten vor dem Richter. Die Staatsanwältin sah ihn nicht als den Kopf der Bande, wohl aber als das aktivste Mitglied.

Für alle vier sprach, dass sie durch ihre Geständnisse zur Aufklärung der Taten beigetragen haben. „Geständnisse plus“, nannte es ein Verteidiger. Ohne diese reumütigen Aussagen hätte es keine Verurteilung gegeben. Alle vier beteuerten, dass es ihnen leid tue.

Spielsucht mit Einbrüchen finanziert

Die Staatsanwältin ging davon aus, dass die Angeklagten mit den Einbrüchen ihren Lebensunterhalt finanzierten. Dem widersprach die Verteidigung. „Sie haben das nicht gemacht, um in Saus und Braus zu leben, sondern um ihre Spielsucht zu befriedigen“, sagte ein Verteidiger. Sie spielten, bis das Geld alle war. Dann brachen sie auf, um sich durch die Einbrüche neues zu besorgen. Ronny R. hat sich in stationäre Behandlung begeben, Veit S. seinen Job in einer Spielhalle aufgegeben und arbeitet jetzt in der Baubranche. „Er hat sein Leben in geordnete Bahnen gebracht“, sagte die Staatsanwältin. Für Veit S. sprach außerdem, dass er sich reuig zeigte und sich darum bemüht, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen.

Verteidigung sieht in Gruppe keine Bande

Aus Sicht der Verteidigung handelte es sich bei der Gruppe nicht um eine Bande. Dagegen spräche, dass es eine wechselnde Tatbeteiligung gab, dass nur der, der mitmachte, auch einen Teil der Beute bekam. „Es gab keine generelle Bandenabrede. Also bleibt es beim Einbruchsdiebstahl“, sagte ein Verteidiger. Das hätte Auswirkungen aufs Strafmaß. Und so beantragen die Verteidiger für die beiden bisher nicht vorbestraften Jens K. und Veit S. Strafen, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könnten.

Jens K. sei erst später dazu gekommen, habe frühzeitig die Reißleine gezogen und sei ausgestiegen, so sein Verteidiger. Das hielt ihm auch die Staatsanwältin zugute. Aber: „Er war nicht nur einfacher Mittäter, sondern aktiv. Der Sachschaden geht zum großen Teil auf sein Konto.“

Ein Urteil ist für Freitag geplant.

Von Dagmar Simons