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Wittenberge Darum eignet sich die Elbestadt für mobiles Arbeiten
Lokales Prignitz Wittenberge Darum eignet sich die Elbestadt für mobiles Arbeiten
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07:05 10.07.2019
Noch ist alles provisorisch - Frederik Fischer zeigt schonmal, wie es sich im Wittenberger Coworking Space arbeiten lässt. Quelle: Bernd Atzenroth
Wittenberge

Noch wird der geplante so genannte „Coworking Space“ in der zweiten Etage im Speicher der „Alten Ölmühle“ erst eingerichtet. Möbel stehen überall halb ausgepackt herum. An der großen Fensterfront kann man aber bereits auf Bänken und Sesseln den gleichzeitig laufenden Aufbau für die Elblandfestspiele beobachten.

Doch diejenigen, die hier für ein halbes Jahr arbeiten werden, haben zum Teil bereits ihre Wohnungen unter anderem im nahen Tivoliblock bezogen. So auch Projektkoordinator Frederik Fischer, der mit Frau und einem wenige Monate alten Kind nun für ein halbes Jahr zum Wittenberger wird.

Frederik Fischer ist zugleich der Initiator des KoDorfs in Wiesenburg/Mark (Potsdam-Mittelmark). Das Projekt richtet sich an Menschen, die raus aufs Land wollen, Wert auf Nachhaltigkeit und einen gewissen Baustandard legen, und die ihre Arbeit am Computer unabhängig von einem Ort erledigen können – sofern die Internetverbindung stimmt.

Wo sie arbeiten, ist eigentlich egal

Gemeinsam mit Martin Hahn, dem städtischen Bauamtsleiter, hatte Frederik Fischer die ersten 15 Teilnehmer Anfang Juli in Wittenberge begrüßt. Weitere folgen Anfang August. Bis zur Fertigstellung des Arbeitsraums nutzen sie einen Tagungsraum des Hotels. Am kommenden Montag, 15. Juli, wird aber alles fertig sein – dann kann sich ab 13 Uhr an einem Tag der offenen Tür auch jeder interessierte Wittenberger ein Bild von dem neuen Vorhaben machen.

„Coworking“ bedeutet so viel wie „zusammenarbeiten“ und bezeichnet eine neue Form der wohnortunabhängigen Arbeit. „Hier geht es um mobiles Arbeiten“, sagt dazu Bürgermeister Oliver Hermann, „sie haben alle ihre Jobs, aber wo sie arbeiten, ist eigentlich egal.“

Fünf „Pioniere“ aus Wittenberge

In Wittenberge sind es 20 Kreativarbeiter, die an der Elbe diese neue Arbeitsform erproben. Sie kommen vorwiegend aus Berlin, aber auch aus Hamburg, Zürich und Dortmund. Hinzu kommen fünf „Pioniere“ aus Wittenberge selbst, wie Fischer erklärte. „Es gibt hier sehr viele Anfragen“, freut er sich.

Im „Coworking Space“ in der Alten Ölmühle werden all diese Leute, die ganz unterschiedliche Berufe haben, zusammenarbeiten. Dafür wird ihnen die Infrastruktur zur Verfügung gestellt.

„Die perfekte Mischung aus Unfertig und Fertig“

Unterstützt wird das Projekt durch die Stadt Wittenberge, die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt und das Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz. Wichtig ist die Unterstützung durch den Verein „CoWorkLand“, der bereits auf Erfahrungen mit Projekten im Bereich wohnortunabhängiger Arbeit zurückblicken kann und den „Summer of Pioneers“ vor Ort koordiniert.

Was aber macht gerade Wittenberge so interessant für dieses Pilotprojekt? „Wittenberge ist die perfekte Mischung aus unfertig und fertig“, versucht dies Fischer zu beschreiben. Es gebe Orte, die seien für ein solches Vorhaben zu verfallen, während umgekehrt in den Großstädten „Investoren überall die Kralle draufhaben“ und es damit immer schwerer wird, passende Räume zu finden.

Wittenberge ist die goldene Mitte – hier kann man sich noch einbringen“, sagt er und wundert sich, warum die Stadt in Berlin noch nicht mehr wahrgenommen wird.

Hermann: „Solche Experimente müssen wir machen“

Das soll sich auch aus Hermanns Sicht ändern: „Solche Experimente müssen wir machen. Wir haben ja als ländlicher Raum ein Image-Problem.“ Dem könnte man mit einem erfolgreichen Verlauf der Aktion etwas entgegensetzen. Um so etwas langfristig zu etablieren, bedarf es aber auch der guten Bedingungen. Oliver Hermann: „Wir weisen darauf hin: Die Voraussetzung ist eine gute Infrastruktur, vom Bahnanschluss bis zur digitalen Infrastruktur.“

Zunächst aber steht die Nagelprobe an. Hermann: „Ob so etwas überhaupt möglich ist im ländlichen Raum, werden wir erst am Ende wissen.“ Lohnen wird sich die Sache auf jeden Fall, ist sich Hermann sicher, „auch wenn wir nur als Standort auf uns aufmerksam machen“.

Doch bei Erfolg könnte es mehr werden. „Es ist durchaus geplant, das zu verstetigen“, betont Fischer.

Tag der offenen Tür im Coworking Space in der Alten Ölmühle am Montag, 15. Juli, ab 13 Uhr.

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Von Bernd Atzenroth

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