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15:06 02.02.2020
Veronika Krause (l.) und Anna Staginnus wussten vieles über ihre kindlichen Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs zu berichten. Quelle: Jens Wegner
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Wittenberge

Zu einem weiteren Erzählsalon im Stadtsalon Safari am Bismarckplatz in Wittenberge fanden sich am Sonnabend zwölf Teilnehmer ein.

Die Initiatorin Juliette Cellier lädt einmal monatlich Menschen ein, ihre Geschichten zu erzählen – in gemütlicher, kleiner Runde bei Kaffee und Kuchen. Die Teilnehmer waren diesmal mal im Alter zwischen 15 und 93 Jahren, überwiegend jedoch Rentnerinnen.

Bomben am Bahnhof

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es gleich in medias res. Bei den Älteren war der zweite Weltkrieg ein großes Thema. „In Wittenberge gab es früher viele kleinere Lager. Ich war einmal in so einem Lager, und ich war entsetzt über den Hunger und das Elend, das dort herrschte“, berichtete Veronika Krause. „Der Bahnhof war der Knotenpunkt und voller Menschen. Im März 1945 fielen die Bomben”, erinnert sie sich.

Stele für die KZ-Zwangsarbeiter „würdelos“

Hunderte Juden aus dem KZ Neuengamme seien im Zellwolle-Werk in Wittenberge eingesetzt worden. Sie mussten sprichwörtlich arbeiten bis zum Umfallen. Waren sie umgekommen, wurden neue angefordert. „An der Scheunen-Schule wurde zu ihren Gedenken eine Stehle aufgestellt. Ich finde diese Stehle würdelos. Ich wünsche mir was Würdevolles”, sagte sie.

In gemütlicher Runde bei Kaffee und Kuchen wurde im Erzählsalon über die Kindheit gesprochen. Quelle: Jens Wegner

Beim Thema Spielzeug erinnerten sich viele an ihre Spielzeuge wie Puppen, Gummihopse und Brummkreisel. „Viel Spielzeug konnten wir uns damals nicht leisten. Hauptsächlich bin ich zum Delfin-Bad gegangen. Der Eintritt hat damals fünf Pfennig gekostet”, erinnerte sich Reinhard Redder. Im Wald habe er viel gespielt, sei im Winter Schlitten gefahren, habe aber auch viel Flaschen gesammelt, die damals zum Altstoff-Handel gebracht wurden.

An Schlitterbahnen, Budenbauen und auf Stelzen Laufen erinnerten sich andere. Mit Muckefuck und Schmalzstullen im Gepäck ging’s ins Freibad. „Ich habe über zehn Jahre lang mit einer Nähmaschine genäht und wusste nicht, dass die aus Wittenberge stammt. Dass es Wittenberge überhaupt gibt, wusste ich lange nicht. Ich kannte nur Wittenberg”, sagte Anna Staginnus.

In der Kirche wurde noch geprügelt

„Wir hatten eine ruhige Kindheit zu Hause. Im Unterricht in der Kirche wurde allerdings noch geprügelt.” Was die damalige Erziehung betrifft, stellte die 15 Jahre alte Leni Vietze kaum Unterschiede zu heute fest. Gut, geschlagen werde zum Glück nicht mehr.

Allgemein rückte man früher näher zusammen. Essen wurde nicht weggeworfen, waren sich alle einig. „Die Liebe spielte die größte Rolle und nicht das Materielle. Man muss nicht drei Handys haben. Seid lieb zu den Kindern!”, forderte Bärbel Thiedemann.

Sie war 40 Jahre lang Krippenerzieherin in Wittenberge. Nach der Wende ging es bergab, erinnerte sie sich schmerzhaft. Irgendwann hatte man ausgedient.

Die Wochenschauen zeigten nur die Siege

„Als Kinder mussten wir uns im Kino die Wochenschauen ansehen. Sie haben uns nur die Siege gezeigt. Das haben wir geglaubt. Wir waren ganz entsetzt, als es dann anders kam”, sagte Anna Staginnus. Auch was sie damals singen mussten, hätten sie als Kinder inhaltlich gar nicht verstanden.

„Ich habe mich schon gefragt, wie man überhaupt Faschist wird”, sagte Veronika Krause nachdenklich. „Liebe in erster Linie den Menschen und behandle jeden wie du selbst behandelt werden willst”, empfahl die ehemalige Krippenerzieherin.

Den nächsten Erzählsalon gibt es am 7. März um 14 Uhr.

Von Jens Wegner

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