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Wittenberge Karat auf Akustiktour in Wittenberge
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00:21 01.05.2019
Karat begeisterte auf ihrer Akustiktour im ausverkauften Wittenberger Musentempel. Quelle: Jens Wegner
Wittenberge

„Der blaue Planet” aus dem gleichnamigen Album war das erste Lied, dass Karat am Sonnabend im Wittenberger Kultur- und Festspielhaus spielte. Und schon dafür wurden sie von den Gästen im ausverkauften Haus mit donnerndem Applaus begrüßt.

Mit ihrer aktuellen Akustiktour machte die Band Halt in der Elbestadt. Auf der Bühnen standen mehrere Stehlampen, ein Sessel und ein Vogelkäfig. Wohnzimmeratmosphäre. Zu hören waren unvergessene Hits wie „Über sieben Brücken” oder „Schwanenkönig”, mit denen die Band in der DDR bekannt wurde, und neue Songs.

Erinnerungen an bis dahin letzten Auftritt in der Elbestadt

„Guten Abend Wittenberge”, rief Sänger Claudius Dreilich den Gästen zu und das Publikum jubelte. „Wir haben überlegt, ob wir hier schon mal gespielt haben. Dann haben wir hinten im Flur unser Plakat von 2009 gesehen. Das war ganz schön”, sagte er mit einem seltsamen Unterton. „Es war damals der Abschluss unserer Tour.

Danach sind wir alle hier in Wittenberge in eine Kneipe gegangen. Klimbim hieß die. Das möchte ich eigentlich gar nicht erzählen. Ich weiß nicht mehr, ob wir überhaupt noch die Rechnung bezahlt haben. Es war klasse. Ein schöner Abend.

Ältere Songs neu entdeckt

Es war ein schöner Abschluss unserer Tour”, sinnierte er und das Publikum bekam eine Ahnung davon, was dort damals geschehen sein muss. Der nächste Song sei viele Jahre nicht gespielt worden, kündigte Dreilich an, weil er ein Duett ist. Doch im Zuge der Akustiktour wurde er neu arrangiert. „Es ist immer wieder eine Überraschung, ob es den Leuten gefällt oder nicht. Die Schuhe waren schon recht groß, die ich mir damit angezogen haben. Es war ein Duett von meinem Vater und Tamara Danz.”

„Glocke 2000” heißt das Stück. Und es hat den Leuten gefallen. Das Publikum applaudierte frenetisch. „Im Zuge der Vorbereitung für unsere Akustiktour haben wir Songs neu entdeckt, die wir sträflich vernachlässigt hatten”, sagte Dreilich und bezeichnete folgenden als Glücksfall. Bei „Blumen aus Eis” klatschten die Leute mit, einige standen auf und tanzten. Der Saal tobte. Die Begeisterung sprudelte förmlich über. „Ihr kanntet das Lied also noch”, schlussfolgerte Dreilich trocken.

Seit 1977 war Herbert Dreilich alleiniger Sänger von Karat

Karat feiere im nächsten Jahr das 45-jährige Bestehen der Band, kündigte der Frontmann an. „Es war viel Spaß dabei. Aber es gab auch ein Tal der Tränen. Das ist besonders schlimm, wenn jemand für immer geht”, sagte er und meinte damit den Tod seines Vaters Herbert Dreilich, der im Jahr 2004 an einem Krebsleiden starb.

Seit 1977 war er alleiniger Leadsänger bei Karat. „Dann hatten die Kollegen eine ganz verwegene Idee”, berichtete Claudius Dreilich. „Es war die schönste, schwerste und mit Abstand richtigste Entscheidung meines Lebens. Dabei habe ich damals was ganz anderes gemacht. Ich habe Möbel verkauft und so was.” So trat der Sohn in die Fußstapfen seines Vaters und wurde Sänger bei Karat, einer Ostrock-Legende.

„Die nächsten drei Minuten sind für meinen Vater”, sagte er und sang den Songs „Mich zwingt keiner auf die Knie.” So erlebten die Gäste im Festspielhaus ein sehr emotionales Konzert mit vielen Geschichten zwischendurch.

Von Jens Wegner

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