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Wittenberge Lehm-Lärmschutzwand aus lokalen Materialien
Lokales Prignitz Wittenberge Lehm-Lärmschutzwand aus lokalen Materialien
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16:16 16.01.2020
Ute Reeh (2.v.l.) erklärte den Gästen am Mittwoch, wie man Nisthilfen baut. Quelle: Jens Wegner
Wittenberge

„Naturschutz hochklappen – innovativer Lärmschutz als vertikale Ausgleichsmaßnahme” heißt ein Projekt, das die Künstlerin Ute Reeh vom Zentrum für Peripherie Nebelin initiiert hat. Gemeint ist damit eine alternative Lärmschutzwand an der geplanten Autobahn 14 in Höhe des Dorfes Nebelin.

Gefühlte fünf Meter neben der Autobahn

„Die Bahnhofssiedlung liegt gefühlte fünf Meter neben der Autobahn. Dort soll eine sieben Meter hohe Lärmschutzwand aus Aluminium und Beton aufgestellt werden”, sagte Ute Reeh. Die solle in einem Grünton gestrichen werden.

In die Natur füge sie sich nicht gut ein. Als Alternative schlug sie vor, eine Lärmschutzwand aus Lehm zu bauen. Ingenieure prüfen am kommenden Wochenende direkt vor Ort, ob das machbar ist. „Auch Leute von der Strabag sind mit dabei, die das Projekt aus Sicht der Wirtschaftlichkeit interessiert. Die Strabag sieht darin ein Produkt, das man vermarkten kann”, sagte Ute Reeh.

„Wir wollen die ganzen Kompetenzen zusammenholen, um das komplexe Thema zu lösen.” Dies könne ein Leuchtturmprojekt für Brandenburg werden, bei dem Prototypen für Europa entwickelt werden könnten. Die Konzeptentwicklung von Lehmlärmschutz als vertikale Ausgleichsmaßnahme wird von der deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.

Lärmschutz entlang der A 14

Projektstart für diesen innovativen Lärmschutz an der A14 ist eine andere Aktion, die diese Woche durchgeführt wurde. Ute Reeh hatte die Idee, Kinder Nisthilfen für Wildbienen aus Ton anfertigen zu lassen, die später in die Lärmschutzwand integriert werden.

Unterstützung fand sie dabei unter anderem beim Dachziegelwerk Braas in Karstädt, das den Ton dafür lieferte, und bei der Ökologin Anika Gathof von der Technischen Universität Berlin, die die Kinder anleitete. „Wir gehen damit in Prignitzer Kindereinrichtungen in der Nähe der geplanten Autobahn nach Wittenberge, Lanz, Karstädt und Nebelin”, sagte Ute Reeh.

„Laut der roten Liste des Jahres 2000 gibt es 385 Arten Wildbienen in Brandenburg, knapp 600 in ganz Deutschland. Sie sind unterschiedlich groß und haben die unterschiedlichsten Bedürfnissen”, erklärte Anika Gathof. Manche nisten in Mauern, andere in Totholz oder im Erdboden.

Nisthilfen in der Nähe der Nahrungsquellen

Manche können ihr Nest selbst im Lehm graben. Einige ziehen in fertige Hohlräume. Wichtig sei es, solche Nisthilfen in der Nähe der Nahrungsquellen der Bienen zu platzieren, denn Wildbienen legten deutlich geringere Flugstrecken zurück als Hausbienen – manchmal nur wenige hundert Meter.

Nisthilfe für Wildbienen. Quelle: Peter Awe

Die Kinder formen die Tonplatten und versehen sie mit zehn bis 15 Zentimeter tiefen Löchern versehen, mit unterschiedlichen Durchmessern für verschiedene Arten, mehr kleinere von rund 5 Millimeter und weniger größere.

Am Dienstag und Mittwoch hatten Kinder der Wittenberger Montessorischule zusammen mit Kindern der Albert-Schweizer-Schule mit dem Projekt begonnen und erste Nisthilfen aus Ton gebaut. Am Mittwochnachmittag waren alle Prignitzer eingeladen, sich in der Montessorischule im Wittenberger Hornig am Bau von Nisthilfen zu beteiligen.

Kinder der Wittenberger Montessori-Schule bauten Nisthilfen aus Ton. Quelle: Peter Awe

Einer der fünf Gästen war der Wittenberger Reinhard Redder. „Die Zeit ist längst reif über mehr Nachhaltigkeit nachzudenken. Die Kinder der Fridays-for-Future-Bewegung habe es uns vorgemacht”, sagte er.

„Total spanend und sehr sinnvoll” findet der Montessori-Schulleiter Peter Awe die Idee der Lärmschutzwand aus Lehm. „Im Abraum, der beim Bau der Trasse entsteht findet man vielleicht Lehm, den man gleich nutzen kann. Das spart eine Menge Transportwege”, sagte er. Er sieht eine hohe Nachhaltigkeit in dem Projekt.

Von Jens Wegner

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