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Wittenberge Als Kunigunde den Ritter betrog – Rathausführung in Wittenberge
Lokales Prignitz Wittenberge Als Kunigunde den Ritter betrog – Rathausführung in Wittenberge
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12:31 22.04.2019
Von der Aussichtsplattform des Wittenberger Rathausturms aus bot sich den Gästen ein fantastischer Blick auf die Stadt und ihrer Umgebung. Quelle: Jens Wegner
Wittenberge

Maskottchen Ackerbürgerin Mathilde lud Ostersamstag zu einer Führung durch das Rathaus von Wittenberge ein.

„Das Rathaus wurde von 1912 bis 1914 erbaut”, erklärte die Gästeführerin Marika Weise den 14 erschienenen Gästen zu Beginn des zweistündigen Streifzugs durch repräsentative Räume des Rathauses. „Erbaut ist das Gebäude im Stil des Historismus, der viele Stile vereint. So ist der kleine Fachwerkgiebel eine Rückbesinnung auf die Tradition der mittelalterlichen Holzbauweise. Ein Epitaph wurde als Schmuckelement an einer Ecke eingelassen. Auf den einzigen Balkon des Hauses kommt man nur vom Zimmer des Bürgermeisters aus”, erklärte sie.

Die Schrift über dem Eingang des Ratskellers sei Jugendstil. Das Haus ist gemauert und außen mit Tuffstein versehen. Im Eingangsbereich zeigte sie den Gästen interessante Element des Jugendstils wie einen Bienenstock, eine Eule und Früchte.

„Im Jahr 1914 konnten die Maurer schon Formen aus Beton gießen”, so die Gästeführerin. Angekommen in der dunklen, erhaben wirkenden Eingangshalle betrachteten die Gäste die dorischen Säulen, die die Decke tragen. Auch hier wurden auf dem Mauerwerk Verschalungen aus Sandstein angebracht.

Im großen Sitzungssaal erklärte Ackerbürgerin Mathilde des Gästen viele Details und zeigte ihnen die Wittenberger Flagge. Quelle: Jens Wegner

„Entworfen wurde das Gebäude von Stadtbaurat Friede Everhard Bruns. Leider gibt es vom Rathaus keine Bauunterlagen mehr”, bedauerte Marika Weise und verwies auf die im Treppenhaus hängende Vita von Friede Everhard Bruns.

„Damals schon wurde eine Zentralheizung ins Rathaus eingebaut. Die Heizkörper wurden verkleidet. Im Jahr 1912 wurde Wittenberge mit elektrischer Energie versorgt. 1914 leuchtete im Rathaus schon elektrisches Licht”, erklärte sie.

Mundgeblasenes Fensterglas mit Wappen

Das Glas der Fenster im Treppenaufgang ist mundgeblasen und mit den Wappen von Wittenberge, Havelberg als Wiege der Prignitz, Perleberg und Kyritz versehen. Danach führte sie die Gäste ins Magistratssitzungszimmer. Die reich verzierte Tür aus Eichenholz stiftet seinerzeit die Wittenberger Schützengilde.

Auf dem Weg zum Turm warfen die Gäste einen Blick ein altes Zifferblatt. Quelle: Jens Wegner

„Es soll einst auch eine Burg bei Wittenberge gegeben haben”, berichtete sie von einer Sage. Die Besitzerin war das adlige Fräulein Kunigunde. Ein Ritter wollte sie heiraten, doch er hatte nicht die nötigen Mittel dazu. Also unternahm er einen Kreuzzug, vom dem er erst nach drei Jahren zurückkehrte. Kunigunde lernte inzwischen einen anderen Ritter kennen, den sie heiratete. Gerade am Hochzeitstag kehrte ihr ehemals Verlobter heim.

Kein Keulenschlag konnte ihn verwundbarer treffen als die Untreue seiner Geliebten. So nahm er die Burg ein, steckte die Festung in Brand, tötete mit seinen Knappen Mann und Weib und macht die stolze Elbfeste dem Erdboden gleich.

Weit glücklicher verlief das Leben von Annette und Erhard Rehbein aus Wittenberge. „Vor zwölf Jahren haben wir hier im kleinen Trauzimmer geheiratet. Jetzt wollten wir das schöne Wetter nutzen und uns das Rathaus mal genauer ansehen. Wir waren noch nie bis ganz oben”, sagte Annette Rehbein.

Besonders farbenprächtig ist das Fenster mit den eingeätzten Bildern im kleinen Trauzimmer. Quelle: Jens Wegner

Im kleinen Trauzimmer bestaunten die Gäste das bleiverglaste Fenster mit den bunten Bildern, die ins Glas geätzt wurden. „Das Paar, das darauf zu sehen ist, konnte es so nie gegeben haben. Die Zeit ihrer Gewänder liegt etwa 400 Jahre auseinander”, erzählte Ackerbürgerin Mathilde. Außerdem sieht man im Fenster einen Ausschnitt mit einem Rosenkorb, der von der übrigen Farbgebung abweicht. „Es ist mündlich überliefertet, dass an dieser Stelle der Spruch „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden” gestanden haben soll, berichtete die Stadtführerin.

Sitzungssaal mit Schutzgott Hermes

Ein Höhepunkt der Führung war der Besuch des größten und repräsentativsten Raum des Rathauses, der großen Sitzungssaal, in dem unter anderem die Stadtverordnetenversammlung tagt. Marika Weise erläuterte den Besuchern die Bedeutung der Fensterbilder, auf denen unter anderem Hermes als Schutzgott für Handel und Gewerbe, sowie ein Elbefischer und ein Jäger als Wittenberger Bürger zu sehen sind und zeigte ihnen die Wittenberger Flagge.

Anschließend ging es die 115 Stufen hinauf zum Turm, von wo aus die Gäste einen herrlichen Blick auf die Stadt und ihrer Umgebung genossen. Auf dem Weg dahin warfen die Gäste einen Blick auf das alte Uhrwerk und ein altes Zifferblatt. Der 51 Meter hohe Rathausturm verfügt in 37,5 Metern Höhe über eine Aussichtsplattform.

Von Jens Wegner

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