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Wittenberge Spediteur liefert Stoff gegen stinkende Abwasserkanäle
Lokales Prignitz Wittenberge Spediteur liefert Stoff gegen stinkende Abwasserkanäle
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17:00 11.07.2019
In diesen 1000-Liter-Kanistern wird auf dem Betriebsgelände von Debe Transporte in Wittenberge Calciumnitrat gelagert. Quelle: Bernd Atzenroth
Wittenberge

Wassersparen ist ein Gebot der Stunde. Viele Menschen tun es, indem sie zum Beispiel weniger Wasser beim Duschen verbrauchen. „Dadurch hat sich die Durchflussmenge in den Rohren mehr als halbiert“, weiß Detlef Benecke. Und das zeitigt eine Folge, die dem Großspediteur aus Wittenberge ein neues Geschäftsfeld beschert hat. Kleine Wassermengen können nämlich in den Abflussrohren eher mal länger stehen mit einem unangenehmen Nebeneffekt: „Sie unterliegen der Fäulnis und stinken“, sagt Detlef Benecke.

Es riecht dann schnell nach Kloake. Dafür verantwortlich ist Schwefelwasserstoff. Und der sorgt nicht nur einfach für Gestank. „In höheren Konzentrationen ist er sogar schädlich“, weiß Benecke. Der Stoff könne die Lunge schädigen, „deshalb sind die Kommunen verpflichtet, dagegen etwas zu tun.“ Es gibt verschiedene Arten, dem Gestank Herr zu werden. Etwa durch Beigabe eines Stoffes, der den Schwefelwasserstoff zersetzt. Diesen Stoff anzuliefern, ist mittlerweile für den Spediteur in Wittenberge ein Hauptaufgabengebiet geworden.

Das Produkt wird per Schiff in Hamburg angeliefert

Calciumnitrat heißt die Substanz, die benötigt wird zum Abbau von Schwefelwasserstoff. 12 000 bis 15 000 Tonnen davon transportiert das Wittenberger Unternehmen pro Jahr – so viel wie niemand sonst in ganz Europa. „Das Produkt kommt aus Norwegen und wird per Schiff in Hamburg angeliefert“, erklärt Detlef Benecke.

Täglich fahren im Schnitt zwei Tanklastzüge von Debe Transporte das Calciumnitrat von Hamburg entweder zum Gelände der Firma in Wittenberge, wo es dann in 1000-Liter-Kanistern zwischengelagert wird, oder aber wie meist direkt zum Kunden beziehungsweise zum Einfüllpunkt. Ab und zu müssen die Tanklastzüge den Stoff auch in Rotterdam oder Antwerpen abholen.

Detlef Benecke Quelle: Bernd Atzenroth

Debe Transporte hat fünf solcher Tanklastzüge, und das Unternehmen hat sie von einer Spezialfirma eigens für diesen Zweck anfertigen lassen. „Wir haben uns einen speziellen Tankauflieger anfertigen lassen“, erklärt er dies. Hintergrund ist, dass die üblichen 30-Kubikmeter-Auflieger zu groß wären. Die Spezialanfertigungen fassen 19 Kubikmeter, was einem Gewicht von 27 Tonnen entspricht. Die Laster sind fast jeden Tag unterwegs. „Mal sind es drei, ab und zu auch mal keiner, je nach Bedarf“, so Benecke.

Deutschlandweit, aber auch in Polen unterwegs

Auftraggeber sind Abwasserzweckverbände und Kommunen – deutschlandweit. Die Tanklastzüge sind aber auch schon nach Wroclaw und Posen in Polen unterwegs gewesen. Natürlich beliefert Debe Transporte auch die Heimatregion mit dem Stoff, der Abwasserkanäle nicht mehr stinken lässt. So bringt er das Calciumnitrat direkt nach Wittenberge Nord, Bentwisch, Perleberg, Quitzow oder auch an den Rudower See bei Lenzen.

Soll auch heißen: Die Firmenmitarbeiter bringen das Calciumnitrat selbst in die Kanalisation ein. Mittlerweile gibt es darüber hinaus ein so gutes Erfassungssystem zur Kontrolle der Füllstände, dass die Firma eigenständig handeln kann, wenn die Substanz wieder nachgefüllt werden muss.

Entscheidung über Lieferung am Computer

Die Kontrolle übernimmt Debe Transporte somit selbst. „Das machen meine Mädels als erstes, wenn sie den Computer hochgefahren haben.“ Mit „meine Mädels“ meint er Frau und Tochter, die in der Firma genauso arbeiten wie er selbst.

Danach werde dann die Entscheidung getroffen, wohin die Tanklastzüge fahren müssten und welches Fahrzeug in Frage komme. So können die Einsätze auch zeitnah gesteuert werden.

Pritzwalk setzt die Substanz nicht ein

Nicht überall wird den Abwasserkanälen Calciumsulfat zugesetzt. In Pritzwalk zum Beispiel will man den Gestank durch Schwefelwasserstoff erst gar nicht aufkommen lassen: „Wir sind eher bemüht, die Kanäle so zu spülen, dass es möglichst erst gar nicht zu stinken beginnt“, sagt dazu Michael Puls vom Wasser- und Abwasserzweckverband Pritzwalk (WAZV). Mit Benecke haben die Pritzwalker im Gegensatz zu ihren Perleberger Kollegen daher bislang auch noch nicht zusammengearbeitet.

Das Einbringen einer Substanz wie Calciumnitrat sei auch nicht ganz ohne Aufwand. Der WAZV hat schon einmal Geruchsfilter benutzt und setzt auch in manchen Fällen auf Eisendreichloridsulfat. noch einen Hinweis hat Puls: „Gestank ist nicht gleich Gestank.“ So hätte die Geruchsbelästigung in der Schönhagener Kläranlageim vergangenen Jahr mit Calciumnitrat gar nicht bekämpft werden können – der Gestank wurde nicht durch Schwefelwasserstoff, sondern durch industrielle Einleitungen verursacht.

Von Bernd Atzenroth

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