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Wittenberge „Summer of Pioneers“: Wittenberge wird Stadt der Digital-Arbeiter
Lokales Prignitz Wittenberge „Summer of Pioneers“: Wittenberge wird Stadt der Digital-Arbeiter
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01:16 30.05.2019
Zwei, die sich auf den „Summer of Pioneers“ freuen: Organisator Frederik Fischer (l.) und Bürgermeister Oliver Hermann
Zwei, die sich auf den „Summer of Pioneers“ freuen: Organisator Frederik Fischer (l.) und Bürgermeister Oliver Hermann Quelle: MAZ/Jan Sternberg
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Wittenberge

 Wissen Berliner und Hamburger Laptop-Arbeiter, wo Wittenberge liegt? Würde digitale Nomaden aus den Metropolen Interesse zeigen, für ein halbes Jahr in der Elbestadt zu leben und zu arbeiten?

Beide Fragen können jetzt mit Ja beantwortet werden – und Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann ist gleichermaßen erfreut und überrascht. Gut zwei Dutzend Kreativarbeiter aus den Großstädten waren in der vergangenen Woche schon einmal zu Besuch in Wittenberge, um sich ihre künftigen Wohn- und Arbeitsstätten anzuschauen. Ab dem 1. Juli wird es für 20 von ihnen ernst.

Imagegewinn für Wittenberge

Mit dem „Summer of Pioneers“ startet am 1. Juli ein Pilotprojekt in der Elbestadt. Es wird mit 80 000 Euro gefördert. Der größte Teil sind Lottomittel des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums und Gelder der Städtebauförderung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft WGW stellt die Wohnungen zur Verfügung, die Firma Genesis den Raum in der Ölmühle.

„Wir erhoffen uns von dem Projekt einen Imagegewinn für Wittenberge und nicht zuletzt auch neue Ideen für die Elbestadt“ sagte Bürgermeister Hermann bei der Vorstellung. „Es muss aufhören, dass der ländliche Raum schlecht geredet wird. Es geht auch darum, Provinz umzudeuten“, fordert er. Natürlich würde er sich wünschen, wenn sich einige der 20 Probe-Wittenberger nach Ablauf des Projekts für einen Umzug in die Stadt entscheiden. Wichtiger aber sei, die Stadt im Gespräch zu halten.

Sechs Monate in ländlicher Idylle

Für insgesamt sechs Monate können die ausgewählten Projektteilnehmer in Wittenberge günstigen Wohnraum beziehen und kostenfreie Räumlichkeiten zum gemeinsamen Arbeiten, sogenannte Coworking Spaces nutzen. 150 Euro monatlich zahlt jeder für die Wohnungen im Tivoliviertel und den Arbeitsplatz in der Alten Ölmühle. Dort wird gerade eine Etage mit großer Glasfront zur Elbe für die digitalen Pioniere ausgebaut.

60 Bewerbungen gab es, darunter sind Social-Media-Spezialisten, Dokumentarfilmerinnen, eine Märchenerzählerin und eine Psychologin. Alle sollten auch Ideen angeben, was sie in diesem halben Jahr für die Menschen in Wittenberge anbieten wollen.

Pionierlager für Erwachsene

Projektinitiator Frederik Fischer sagte zur Vorstellung: „Es gibt in Berlin und anderswo eine große Sehnsucht, aus der Stadt rauszuziehen. Aber bei den meisten bleibt es bei der Sehnsucht. Sie wollen den Schritt nicht alleine wagen.“

Das Projekt in Wittenberge ist daher bewusst als halbjähriges Pionierlager für Erwachsene konzipiert – und so war auch die Stimmung beim ersten Kennenlernen. Begeistert zog die Gruppe durch die Stadt und bestaunte ihren zukünftigen Arbeitsplatz.

Test für andere Projekte

Ein Testlauf für das Bahnhofsgebäude? Fischer lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Elbestadt – aus Berlin habe er ganz andere und eher leidvolle Erfahrungen.

Der Coworking-Space in der Ölmühle soll nicht nur den Projektteilnehmern, sondern auch den Wittenbergern offen stehen, kündigte Fischer an. Und Hermann sieht ihn als Testlauf für ein ähnliches Projekt an anderer Stelle: die Wiederbelebung des Bahnhofsgebäudes. Dies ging kürzlich in Verantwortung der WGW über. In der Mitropa-Halle und anderswo wäre genug Platz für großstadtmüde Digital-Arbeiter in der Mitte zwischen Hamburg und Berlin.

Von Jan Sternberg