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Wittenberge Wittenberge als Zukunftsort – Realität oder Utopie
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16:34 18.10.2019
Frederik Fischer, Anna Terschüren, Oliver Hermann und Thomas Kralinski (v. l.) diskutierten mit den Gästen über die Chancen von Wittenberge als Zukunftsort und was vielleicht noch fehlt, um einer zu sein. Quelle: Jens Wegner
Wittenberge

„Das ist eine klassische Team-Leistung”, lobt Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann das Projekt Coworking Space. „Seit 2008 bin ich Bürgermeister in Wittenberge. In dieser Zeit gab es wenig Projekte die so eingeschlagen sind wie dieses.”

Die Halbzeit liegt hinter den Digital-Pionieren beim „Summer of Pioneers” in der Elbestadt. In dieser Woche waren alle Interessierten zu einer Podiumsdiskussion eingeladen – Titel: „Wittenberge als Zukunftsort – Realität oder Utopie?” Ort: der gemeinsamen Arbeitsbereich der Digitalarbeiter in der Alten Ölmühle Wittenberge.

Gesprächsgäste waren der Staatssekretär Thomas Kralinski, Bevollmächtigter des Landes Brandenburg beim Bund für Medien und Internationale Beziehungen, Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann und einige Digital-Pioniere.

Bürgermeister ist überrascht und begeistert

„Leute aus Zürich, Dortmund oder Göttingen arbeiten seit gut drei Monaten in Wittenberge zusammen im Coworking Space. Wir wussten am Anfang auch nicht, was auf uns zukommt. Ich war selbst überrascht, wie reibungslos alles in der Gruppe geklappt hat”, resümierte Projektinitiator Frederik Fischer.

Ein wichtiges Ziel für die Stadt war es, den Standort Wittenberge bekannter zu machen. „Wir haben uns stabilisiert, was Kultur und Arbeitsplätze angeht, sind aber noch nicht über den Berg“, sagt Oliver Hermann. Mit so was wie dem freien Eintritt zum Jubiläumskonzert 60 Jahre Kulturhaus Wittenberge würden für den Stadtort Impulse gesetzt, sagte er.

Gutes Zusammenspiel mit den Coworkern

Ein zweites Ziel war es, auszuloten, ob das Projekt ein realistisches Ziel habe. „Bei bestimmten Rahmenbedingungen hat es durchaus eine realistische Chance”, schlussfolgert Hermann. „Wird sind überzeugt davon, dass sich was entwickeln kann.” Die Coworker hätten sich mit eingebracht.

Sie waren auf Wochenmärkten der Region präsent. „Unter unseren Erwartungen liegt allerdings die Nutzung des Angebots von Leuten aus der Region. So viel sind dann doch nicht gekommen. Das muss vielleicht noch ein bisschen wachsen”, räumt der Bürgermeister ein.

Gesünderes Leben, guter Arbeitsplatz

„Es ist eine starke Idee, bei aller Vorsicht und Vorbehalten, die der Brandenburger so hat“, schätzt Staatssekretär Thomas Kralinski ein. „Man muss einfach eine Offenheit dafür haben, was man noch verbessern kann. Berlin liegt in der Mitte. Aber Brandenburg liegt drum herum. Daraus können wir was machen.“

Die Metropolen seien dicht und teuer. Dazu käme der Strukturwandel hin zu einem gesünderen Leben auf dem Lande. „Viele brauchen zur Arbeit nur einen Computer und einen schnellen Internetanschluss. Daraus lässt sich was machen. Diese Chancen müssen wir nutzen”, sagte er.

Es fehlt allerdings der Austausch

Das sei die einzige Chance für eine Stadt wie Wittenberge, so sieht es die Pionierin Anna Terschüren. „Es zieht super gute Leute an. Man kann hier toll arbeiten. Das ist eine arschlochfreie Zone”, sagt sie. Auf Dauer in Wittenberge zu wohnen fände sie allerdings schwierig, weil ihr der Austausch mit anderen Unternehmern fehlt.

„Die Gastronomie ist auf dem Stand von 1990. Um auf Dauer hier zu bleiben müsste noch viel passieren”, beschrieb sie die Situation aus ihrer Sicht.

Wittenberge sollte nicht tiefstapeln

Anders sieht es Martha Friedrich, ebenfalls Pionierin. Sie empfindet alles sehr positiv, da man nicht nur zusammen arbeite, sondern auch die Freizeit gemeinsam verbringen kann. Ihr Wunsch wäre eine bessere Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel.

Mandy Köppen, eine Rückkehrerin nach 16 Jahren, zeigte sich sprachlos über die Entwicklung ihrer Heimatstadt. Sie finde es furchtbar, dass über Wittenberge immer so tiefgestapelt werde. „Hier gibt es Dinge, die gibt es in Potsdam gar nicht mehr. In Wittenberge habe sie einen besseren Cappuccino getrunken als in Italien. Und wunderbar vegetarisch Essen gehen kann man in der Prignitz auch. Man muss sich nur umgucken”, sagte sie. „Wittenberge ist ein toller Ort!”

Von Jens Wegner

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