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Prignitz Mut und Hoffnung zur Zukunft haben
Lokales Prignitz Mut und Hoffnung zur Zukunft haben
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14:54 21.11.2018
Drei Generationen einer Familie, die schon seit mehr als 400 Jahren in der Region Wustrow lebt: Richard (84), Siegmund (59), Michel (30) und Paul (20) Mackel mit ihrer Labradorhündin Lotte (v. r.) vor ihrem seit 260 Jahren in Familienbesitz befindlichem Anwesen.
Drei Generationen einer Familie, die schon seit mehr als 400 Jahren in der Region Wustrow lebt: Richard (84), Siegmund (59), Michel (30) und Paul (20) Mackel mit ihrer Labradorhündin Lotte (v. r.) vor ihrem seit 260 Jahren in Familienbesitz befindlichem Anwesen. Quelle: Kerstin Beck
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Wustrow

Als 1652 der Landreiter Samuel Rose durch die Prignitz reiste, um – so würden wir es heute formulieren -eine Volkszählung durchzuführen, gelangte er auch nach Lanz. Der dortige Pfarrer Johannes Cober versicherte dem Polizeibeamten über seinen zur linken Seite wohnenden Nachbarn, dem 48 Jahre alten „allhie bürtigen“ Jochim Mackel: „keine Söhne, keine Knechte“.

Mund halten um zu überleben

Mitnichten war das die Wahrheit. Aber man wusste schließlich nicht: Ist der Krieg wirklich schon vorbei? Will der Kurfürst etwa wieder junge Leute einziehen? Mund halten und abwarten hieß die Devise.

Einer dieser angeblich nicht vorhandenen Söhne heiratete dann nach Boberow, wo vorgeblich nur zehn Personen den Krieg überlebt hatte – was ebenfalls nicht stimmte. Aber das nur nebenbei.

Mitten im siebenjährigen Krieg

„Und von dort ging 1758 ein Friedrich Wilhelm Mackel nach Wustrow“, berichtet Siegmund Mackel, Nachkomme in mindestens achter Generation. Das war mitten im siebenjährigen Krieg. Dieser Vorfahre musste dem Vorbesitzer dessen Hof abkaufen, damit der seine Töchter auszahlen konnte. Friedrich Wilhelm Mackel baute obendrein 1771 ein neues Haus aus den Ziegeln des abgerissenen Wustrower Gutshauses.

„Das bedeutet, dass unsere Familie es nicht einfach hatte, aber auch, dass sie immer wieder Schwierigkeiten überlebt hat“, erklärt der 59-jährige.

Gefallen im Ersten Weltkrieg

Natürlich mussten die Wustrower Mackels auch im Ersten Weltkrieg Gefallene beklagen. „Das waren meine Großonkel Wilhelm und Wichard, die 1914 in Frankreich und 1915 in Serbien fielen“.

Doch mit der Familie ging es trotz großer Belastungen immer weiter. Schwer hatte es vor allem der 1854 geborene Ururgroßvater, der das bäuerliche Anwesen fast verloren hätte, weil seine Kriegsanleihen eines Tages nichts mehr wert waren – und das Anwesen hoch verschuldet.

Das Wustrower Kriegerdenkmal erinnert auch an den 1915 in Serbien gefallenen Wichard Mackel. Quelle: Kerstin Beck

„Die Familie war kurz davor, alles aufgeben zu müssen, doch da war mein Großvater Paul Mackel, der dann wieder Glück hatte. Seine Frau brachte nicht nur Geld mit. Ihr Vater, der sich als Lehrer auch mit moderner bäuerlicher Wirtschaftsweise auskannte, konnte auch mit seinen landwirtschaftlichen Kenntnissen helfen.

Und mein Großvater brauchte dann auch nicht in den Ersten Weltkrieg zu ziehen.“ 1927 konnte sogar die Familie sogar ein neues Wirtschaftsgebäude bauen, und zum Ende des 2. Weltkrieges - in dem „nur“ zwei Onkel starben - waren alle Schulden abbezahlt.

Der Großvater starb vor Gram

„Doch dann gingen die Schwierigkeiten in der DDR-Zeit los, und 1966 wurden wir gezwungen, in die LPG einzutreten. Und wie Opa zusehen musste, als man ihm fast sein gesamtes Vieh vom Hof trieb – den Blick haben wir nie vergessen. Nie hat er es verwinden können. 1977 ist er dann aus Gram gestorben.“ Nun versagt dem Bauer, der dies als Kind miterlebt musste, die Stimme.

Nach der Wende alles zurückgefordert

Doch nach dem Ab kam langsam wieder ein Auf. „Dann sollten wir sogar vom Hof weg, aber der damalige Bürgermeister stand auf unserer Seite und konnte das verhindern. Mein Vater, Richard Mackel, führte dann seit den 1950er Jahren in der Umgebung Hausschlachtungen durch. Und nachdem 1989 die Wende gekommen war, haben wir alles zurückgefordert.“

Inzwischen ist eine weitere Generation der Mackel-Familie herangewachsen: Die beiden Söhne Michel (30) und Paul (20) bewirtschaften den Hof, dessen Größe auf 100 Hektar gewachsen ist, mit.

Ein Findling verrät schon vor dem Anwesen: Hier wohnt die Familie Mackel. Quelle: Kersin Beck

An Vieh wird eine beträchtliche Anzahl Mutterkühe gehalten. Es gibt Schafe, Schweine, Hühner, Enten, Gänse – und 16 Pferde, die zur Landschaftspflege eingesetzt werden. Es sind diejenigen Wildpferde, die im Gebiet der Deichrückverlegung weiden. „Das ist viel Verantwortung für uns, denn man muss rund um die Uhr einsatzbereit sein“, ist von den beiden Brüdern zu erfahren.

Siegmund Mackel hat gerade etwas ganz Wertvolles geholt – den Hof betreffende alte Papiere aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die er liebevoll in der Hand und ansonsten streng unter Verschluss hält.

„Es war für uns niemals leicht, aber man muss immer Mut haben und auf die Zukunft hoffen. Wir sind stolz auf unsere Vorfahren, denn wir können auf das aufbauen, was sie geschaffen haben. Und so wird es hoffentlich immer weitergehen. Aber das Wichtigste ist, dass uns der Friede erhalten bleibt“, sagt der Wustrower Bauer.

Von Kerstin Beck