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Prignitz Zoltan Toth ist Azubi des Monats
Lokales Prignitz Zoltan Toth ist Azubi des Monats
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00:18 22.07.2017
Zoltan Toth (M.) ist Azubi des Monats, sein Chef Jens Calmon (l.) und Ralph Bührig gratulierten.
Zoltan Toth (M.) ist Azubi des Monats, sein Chef Jens Calmon (l.) und Ralph Bührig gratulierten.  Quelle: Bernd Atzenroth
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Pritzwalk

 Eigentlich ist er ausgebildeter Chemiker für Lebensmitteltechnik, und in seiner Heimat Ungarn hat Zoltan Toth auch in diesem Beruf gearbeitet. Dennoch hat es der 33-Jährige keine Sekunde lang bereut, das Metier zu wechseln, als er im Juli 2014 nach Deutschland gekommen ist. Seit September desselben Jahres absolviert er bei der Firma Calmon Haustechnik in Pritzwalk eine Ausbildung als Anlagenmechaniker Sanitär Heizung Klempner Klima (SHK) mit dem Schwerpunkt Wärmetechnik. Für seinen Chef und Ausbilder Jens Calmon ist er mittlerweile unverzichtbar, und das ist wohl auch ein Hauptgrund dafür, dass Zoltan Toth am Mittwoch von der Handwerkskammer Potsdam als Azubi des Monats ausgezeichnet wurde. Deren Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig überreichte ihm in Pritzwalk die Auszeichnung. Mit dabei waren unter anderem auch Petra Hansen von der Gesellschaft für innovative Beschäftigung (GIB) in Ludwigslust, die auch für den Landkreis Prignitz EU-Auszubildende nach dem Mobipro-Programm vermittelt und betreut sowie Geschäftsführerin Kirsten Gmirek von der Kreishandwerkerschaft Prignitz.

Dass es so gut läuft in der Berufsausbildung, sieht Toth aber auch darin begründet, dass ihm seine beruflichen Vorkenntnisse, etwa bei der Wärmeberechnung, geholfen haben. „Für mich ist es da ein bisschen einfacher als für die jungen Leute“, sagt er mit einem Anflug von Bescheidenheit. „Ich hatte nur einen deutschen Lehrling, der besser war“, betonte hingegen Jens Calmon, der insbesondere von der ruhigen Art Zoltan Toths sehr angetan ist. Zudem spricht er mittlerweile sehr gut deutsch, versteht in der fremden Sprache auch komplizierte Zusammenhänge. In der Berufsschule, die er zusammen mit deutschen Schülern absolviert, kann er mittlerweile nach eigenem Bekunden alles verstehen.

Mit Stahlstange und Schweißgerät: Die Arbeit in der Werkstatt ist in der Firma Calmon nicht eben typisch – meist sind die Mitarbeiter auf Baustellen. Quelle: Bernd Atzenroth

An der neuen Aufgabe fasziniert ihn, dass er am Abend ein Ergebnis seines Tagwerks sehen kann und dass man in dem Job auch mitdenken muss: „Ich kann auf jeder Baustelle noch etwas lernen“, sagte Toth. Denn die Firma Calmon arbeitet weniger in einer Werkstatt, sondern vorwiegend beim Kunden.

Dabei war der Anfang für Zoltan Toth alles andere als einfach. Doch weil er so motiviert an die Sache herangegangen ist, unterstützte ihn Jens Calmon, wo er nur konnte, etwa bei notwendigen Fahrten zur ungarischen Botschaft. Über das EU-Programm Mobipro war Zoltan Toth wie viele seiner Landsleute nach Deutschland gekommen. Nach intensiven Deutschlernens schon in seiner Heimat vertiefte er zunächst seine Sprachkenntnisse weiter. Seine Familie holte er nach, als der Ausbildungsvertrag unterschrieben war. Das zweite Kind wurde bereits in Deutschland geboren.

Noch 31 Lehrstellen in der Prignitz zu haben

Sehr angetan ist der Ungar Zoltan Toth vom dualen System in der Handwerksausbildung in Deutschland. „In Ungarn hätte ich das so nicht machen können“, erklärte er am Mittwoch bei seiner Auszeichnung zum Azubi des Monats.

Dennoch ist es nicht selbstverständlich, dass junge Leute einen Handwerksberuf ergreifen wollen. 31 Lehrstellen sind in der Prignitz noch nicht besetzt – sie sind allesamt in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Potsdam zu finden. Immerhin: 33 Ausbildungsverträge konnten geschlossen werden, sieben mehr als im Vorjahr. „Ein engagierter Bewerber hat im Handwerk immer eine Chance“, betont Jens Calmon, Ausbilder von Zoltan Toth.

Die Prignitz mag er sehr gerne, die Landschaft, ihre Weite, auch die netten Menschen. Für Hobbys wie das Schrauben an Motorrädern bleibt im Moment aber wenig Zeit. Nach der Ausbildung, die am 28. Februar 2018 beendet ist, hat er auch eine Perspektive hierzubleiben, denn Jens Calmon will ihn unbedingt in ein festes Arbeitsverhältnis übernehmen. Große Zukunftspläne macht Zoltan Toth dennoch noch nicht, dies sei nicht seine Art, erklärte er: „In Ungarn sagt man: Man plant, und Gott entscheidet.“ Er denkt Schritt für Schritt und will erst einmal den Abschnitt Ausbildung beenden. Für eine mittelfristige Perspektive in Deutschland spricht aber auch, dass seine Frau nun intensiv Deutsch lernt und vor einer Prüfung am Freitag steht. Sie hat für sich zunächst beim Deutschen Roten Kreuz einmal die Woche eine Aufgabe in Pritzwalk gefunden.

Von Bernd Atzenroth

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