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Spree-Neiße Ehemalige Bewohner erheben schwere Vorwürfe gegen Kinderheim in Jänschwalde
Lokales Spree-Neiße Ehemalige Bewohner erheben schwere Vorwürfe gegen Kinderheim in Jänschwalde
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16:45 24.09.2019
Ehemalige Bewohner werfen dem Heim fragwürdige Erziehungsmethoden vor. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Jänschwalde

Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg prüft Vorwürfe, nach denen Kinder und Jugendliche in einem Heim schikaniert und fragwürdigen Erziehungsmethoden ausgesetzt worden sein sollen. Erste Hinweise auf die Vorwürfe gegen das Heim „Neustart“ in Jänschwalde (Spree-Neiße) seien dem Ministerium vor rund einem Monat durch eine Anfrage der Zeitung „taz“ bekannt geworden, so eine Sprecherin des Ministeriums. Man nehme die Vorwürfe sehr ernst. Die Polizeidirektion Süd bestätigte am Dienstag auf Nachfrage, dass ein ehemaliger Heimbewohner Anzeige gegen Heimerzieher erstattet hat.

Strafrechtlich relevante Handlungen wurden beschrieben

Mehrere Jugendliche, ehemalige Bewohner des Heims, hatten sich an die Zeitung gewandt und von Isolation, abgeklebten Fenstern und Frageritualen berichtet. So erzählte ein junger Mann davon, dass die Bewohner im „Haus 1“ jedes Mal, wenn sie zur Toilette gehen wollten, an die Zimmertür klopfen und warten mussten, bis ein Erzieher kommt. Diesen hätten sie dann für jeden einzelnen Abschnitt des Gangs zur Toilette um Erlaubnis fragen müssen - darf man raus auf den Flur? Rein ins Bad? Raus aus dem Bad?. Es hätte „Chips“ für gutes Benehmen gegeben. Außerdem berichtete der junge Mann von gewaltsamen Fixierungen, weil er seine Mütze nicht habe abnehmen wollen. Im ersten Monat habe man keinen sehen dürfen, sagte er weiter.

Das Ministerium hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Staatsanwaltschaft Cottbus informiert, da teils Handlungen beschrieben worden seien, die strafrechtlich relevant sein könnten. „Da es sich um eine offene Einrichtung handelt, sind jegliche freiheitsentziehenden Maßnahmen unzulässig“, so das Ministerium.

Vorwürfen wird nachgegangen

Die Staatsanwaltschaft legte daraufhin einen Prüfvorgang an. Für weitere Ermittlungen brauche man jedoch mehr Informationen, sagte ein Sprecher. Die Anzeige des ehemaligen Bewohners habe Dienstag noch nicht vorgelegen. Auch warte man auf Prüfungen des Ministeriums. Zeugen könnten sich bei Polizei oder Staatsanwaltschaft melden.

Der Träger des Heims, der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Kreisverband Lübben, erklärte gegenüber dem Ministerium am Montag, dass er „bis zum Abschluss der Prüfungen das bisherige Aufnahmeverfahren nicht mehr praktizieren wird“. Man gehe den Vorwürfen nach und prüfe ganz genau, was dort passiert ist, sagte der Geschäftsführer, Sven Meier, der Deutschen Presse-Agentur. Mitarbeitergespräche habe es bereits gegeben. Auch mit den Jugendlichen wolle man sprechen. Zu den einzelnen Vorwürfen wollte er zunächst nicht Stellung nehmen.

In dem Intensivpädagogischen Projekt „Neustart“ werden Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren untergebracht. Nach Angaben des Ministeriums dürfen dort Kinder und Jugendliche aufgenommen werden, die besonders schwierige und herausfordernde Verhaltensweisen zeigten.

Von RND/dpa/bb

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