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Teltow-Fläming "100 Euro machen was aus in der Kasse"
Lokales Teltow-Fläming "100 Euro machen was aus in der Kasse"
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16:31 22.11.2013
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Herr Wendler, was war die Intention Ihrer Studie?
Tilo Wendler: Das Gesetz zum Brandenburgischen Ausbildungsförderungsgesetz wurde 2010 verabschiedet. Damals hat man sich vorgenommen, das Gesetz nach drei Jahren zu evaluieren. Und die Zeit war nun um.

Wieso kam es überhaupt zu diesem Gesetz?
Wendler: Der Auslöser war, dass jene Schüler, die noch Zuhause wohnen, aus dem Bundes-Bafög herausfallen – egal, wie es in der Familienkasse aussieht. Mit dem Brandenburger Modell können sowohl Familien, die Sozialhilfe empfangen, als auch einkommensschwache Familien ohne Leistungsbezug einen Antrag stellen.

Was ist das Besondere am Brandenburger Modell?
Wendler: Brandenburg ist das einzige Bundesland, das das Geld in dieser Weise für die Ausbildung und zur Vorbereitung aufs Abitur zur Verfügung stellt. Und das Gesetz ist so gestrickt, dass die Förderung nicht auf andere Sozialleistungen angerechnet wird. Das ist eine schöne Sache.

Tilo Wendler hatte die Studie zu Brandenburgs Schüler-Bafög an der Technischen Hochschule Wildau betreut. Nun ist er als Dozent an der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Berlin tätig. Quelle: Nadine Pensold

Wie viel Geld erhalten die Empfänger?
Wendler: Es gibt zwei Fördersätze. 100 Euro pro Monat, dies erhalten 97 Prozent der Empfänger. Die restlichen drei Prozent erhalten den verminderten Satz von 50 Euro pro Monat.

Die SPD im Landtag hat kürzlich beschlossen, dass diese Zweiteilung aufgehoben werden soll. Ist das denn Ihrer Meinung nach sinnvoll?
Wendler: Das ist eine politische Entscheidung, da muss ich mich zurückhalten. Aber ich stehe dem Gesetz positiv gegenüber. Fakt ist: Wir reden über 60 Leute, die vergangenes Jahr den verminderten Satz erhalten haben. Das sind aufs Jahr gesehen 36.000 Euro. Warum nicht das Signal setzen, auch ihnen 100 Euro monatlich zu zahlen? Das finde ich von der Sache her sehr unterstützenswert.

Wofür geben die Familien das Geld aus?
Wendler: Die Förderung trifft Familien, bei denen 100 Euro in der Kasse schon etwas ausmachen. Häufige Anschaffungen sind Laptops, Sportsachen und Schulfahrten. Das sind Dinge, die sich in der Familienkasse deutlich bemerkbar machen. Und ohne Computertechnik geht es heute eben nicht. Dass diese Familien sich kein Mobiltelefon für 600 Euro kaufen, ist glaube ich auch klar. Es gab in der Studie jedoch auch keine Anhaltspunkte für eine Zweckentfremdung.

Woher wissen Sie das denn überhaupt?
Wendler: Wir haben auch die Ämter für Ausbildungsförderung befragt, die haben nicht den Eindruck, dass das Geld anderweitig ausgegeben wird. Die haben ständig mit den Leuten zu tun. In der Regel bekommen auch die Eltern das Geld, nicht die Schüler. Die Befragten haben uns auch deutlich bestätigt, dass sie die Förderung für schulische Zwecke erhalten und dass diese Förderung einen Großteil dazu beigetragen hat, dass die Schüler weiter an ihrer Ausbildung arbeiten können.

Wird kontrolliert, wie das Bafög ausgegeben wird?
Wendler: Nein. Im Gesetz steht zwar, dass es für Ausgaben genutzt werden muss, die schulrelevant sind. Die Empfänger müssen aber keinen Verwendungsnachweis erbringen. Das ist auch ein Kritikpunkt der Opposition im Landtag. Wir haben während der Studie aber keinen Anlass gefunden, daran zu zweifeln, dass das Geld entsprechend den Vorgaben eingesetzt wird.

Hat sich das Modell also in Ihren Augen bewährt?
Wendler: Mathematisch kann man nicht nachweisen, ob die Förderung etwas bewirkt hat. Denn: Wie schlecht müsste es in der Familienkasse aussehen, dass 100 Euro einen statistisch nachweisbaren Effekt bringen? Wir müssen uns deshalb an weichen Fakten orientieren – in diesem Fall der Beeinflussung der Bildungsbiografie.

Was lässt sich daran denn genau ablesen?
Wendler: Wir haben in der anonymen Befragung die Frage gestellt, ob die Förderung die Schüler veranlasst hat, eine weitere Ausbildung zu machen – 75 Prozent haben mit Ja geantwortet. Wir reden über fast 500 Schüler, die das gesagt haben. 50 Prozent haben zudem angegeben, dass ihnen aufgrund der Förderung eine weitere Ausbildung ermöglicht wurde. Die Leute sind sich also im Klaren darüber, dass sie die Förderung für die Ausbildung erhalten und sie sind der Meinung, dass es ihnen in der Schule hilft. Ich würde aber nie so weit gehen, zu sagen, dass jemand sein Kind ohne Förderung nicht zum Abitur gehen lässt. Das wird hoffentlich nur in wenigen Fällen der Fall sein.

Welche Rückschlüsse konnten Sie anhand der Befragung auf die Empfänger ziehen?
Wendler: Etwa 50 Prozent der Empfänger sind auf dem Gymnasium, die anderen 50 Prozent teilen sich hälftig auf Gesamtschule und Fachoberschule auf. Das spricht dafür, dass unser Bildungssystem in Brandenburg so undurchlässig nicht sein kann. Wenn 50 Prozent derer, die das Schüler-Bafög kriegen, also zu den ärmeren gehören, aufs Gymnasium gehen, dann ist das gar nicht schlecht.

Gibt es auch Kritikpunkte?
Wendler: Viele haben bei der Befragung angegeben, dass sie durch Bekannte oder die Schule etwas über das Gesetz erfahren haben. Es gibt noch Optimierungspotenzial, was die Aufklärung über das Gesetz angeht. Dies wäre auch ein wichtiger Effekt, mehr Werbung für so ein Gesetz zu machen. Eine Idee wäre, in den Sommermonaten oder zum Schuljahresbeginn intensiver darauf hinzuweisen. Dann bekämen hoffentlich noch mehr Familien die Förderung.

Interview: Nadine Pensold

200 Schüler in der Region profitieren von der Förderung

Das Brandenburgische Schüler-Bafög ermöglicht seit drei Jahren eine finanzielle Unterstützung für einkommensschwache Familien. Gefördert werden Schüler ab der 11.Klasse, die das Abitur oder Fachabitur anstreben. Auch in der Region Dahmeland-Fläming erhalten einige Familien diese Unterstützung aus der Landeskasse – insgesamt sind es mehr als 200.

Allein in Teltow-Fläming trudelten in diesem Jahr 133 Anträge im Amt für Ausbildungsförderung in Luckenwalde ein. Fünf wurden abgelehnt, 24 werden noch geprüft. 150 Familien haben in Dahme-Spreewald einen Antrag für den Zuschuss gestellt. 118Fälle wurden bewilligt, sagt Pressesprecherin Heidrun Schaaf. Damit werden 12,3 Prozent der Schüler im Landkreis, die auf dem Weg zum Abitur oder Fachabitur sind, unterstützt.

Laut der Studie der TH Wildau zum Schüler-Bafög ist der Prozentsatz an geförderten Schülern in der Prignitz, Frankfurt (Oder) und Ostprignitz am höchsten. Dahmeland-Fläming bewegt sich im unteren Drittel der Statistik. Der Wirtschaftswissenschaftler Tilo Wendler, der die Studie betreute, erläutert, dass Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald von der Nähe zu Berlin profitieren und es bei ihnen weniger bedürftige Familien gibt.

Der Anspruch auf das Schüler-Bafög hängt vom Einkommen der Familien ab. Als Faustregel gilt, dass ein man dann Förderung erhält, wenn in einem Haushalt mit einem Kind unter 18 Jahren das monatliche Nettoeinkommen nicht höher als 2000 Euro liegt. Bei einer Familie mit zwei Kindern unter 18 Jahren liegt die Grenze bei 2500 Euro.

Weitere Informationen unter www.mbjs.brandenburg.de oder bei den Ämtern für Ausbildungsförderung in Lübben und Luckenwalde.

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