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Teltow-Fläming 200 Einsätze in einem Jahr
Lokales Teltow-Fläming 200 Einsätze in einem Jahr
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03:07 17.01.2018
Jüterbogs Feuerwehrchef Lutz Selent ist selbst seit 32 Jahren bei der Truppe, deren Aufgaben heute weit über die Brandbekämpfung hinausgehen.
Jüterbogs Feuerwehrchef Lutz Selent ist selbst seit 32 Jahren bei der Truppe, deren Aufgaben heute weit über die Brandbekämpfung hinausgehen. Quelle: Uwe Klemens
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Jüterbog

Das Szenario, dass jemand wegen eines Großbrandes die 112 wählt, aber keiner kommt, um zu helfen, ist für Jüterbogs Ortswehrführer Lutz Selent nur eine Frage der Zeit. „Das Thema Tagesbereitschaft ist seit Jahren nicht nur in unserer Wehr ein Dauerbrenner und man mag schon gar nicht mehr darüber reden“ sagt der 54-Jährige, der seit 32 Jahren selbst bei der Wehr ist. Exakt 200-mal wurde Jüterbogs Wehr im vergangenen Jahr zur Hilfe gerufen. Mehrmals kam es vor, dass nach der Alarmierung nur zwei oder drei Leute zum Einsatz erschienen. „Zum Glück waren es jeweils nur Bagatelleinsätze, aber wenn es um einen größeren Brand gegangen wäre, hätte das böse Folgen gehabt“, sagt Selent.

Am Tag darf einfach nichts passieren

Vor allem zur Tageszeit ist während der Woche die Personalknappheit zu spüren, weil die wenigsten der derzeit aktiven 33 Einsatzkräfte auch in Jüterbog arbeiten. Nach Feierabend, also in den Nachtstunden, am Wochenende und an den Feiertagen, ist die Einsatzbereitschaft gewährleistet.

Wunschlos glücklich ist Selent selbst dann nicht. Denn für die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger ist nicht jeder Kamerad aufgrund seines Alters, seiner Kondition oder aus zeitlichen Gründen in der Lage. Dabei sind diese Feuerwehrleute die einzigen, die ein brennendes oder verqualmtes Gebäude betreten dürfen, das auch nur für maximal 20 Minuten zu zweit und wenn ein weiteres Duo aus Sicherheitsgründen in Bereitschaft steht.

Mischung aus Hauptamtlern und freiwilligen Kräfte ist kein Ausweg

Auch die Überlegung, die Mindesteinsatzbereitschaft mit hauptamtlichen Kräften abzusichern, sieht Selent nicht als Ausweg. „Dort, wo es so gemacht wird, gibt es meist ein Gerangel zwischen Hauptamtlern und Freiwilligen, was die Arbeit auch nicht leichter macht“, sagt er. Eine komplette Berufsfeuerwehr kann sich Jüterbog nicht leisten.

Die seit zwei Jahren aus dem Stadthaushalt finanzierte Aufwandsentschädigung von zehn Euro je Kamerad und Einsatz sieht Selent als schöne Geste der Wertschätzung. Am Personalproblem etwas ändern kann sie nicht.

Während die Zahl der Brände, vor allem auch wegen des Wetters, im vergangenen Jahr sank, wurde die Wehr so oft wie noch nie zur Notöffnung von Wohnungstüren gerufen. „Auch das liegt wohl am Gesellschaftssystem, bei dem sich jeder selbst der Nächste ist und man nicht darauf achtet, wie es dem Nachbarn geht“, sagt Selent. Wenn erst nach Tagen oder Wochen bemerkt werde, dass sich dort nichts mehr bewegt, sei es manchmal schon zu spät.

Unterstützen kann jeder

„Die Wehr unterstützen kann jeder“, sagt Selent, „etwa auf der Autobahn an eine Rettungsgasse denken oder den Ast und das umgekippte Verkehrsschild von der Straße räumen, anstatt die Feuerwehr zu rufen.“

Dass seit dem vergangenen Jahr zwei Mitglieder der Jugendwehr schon aktiv bei Einsätzen mit dabei sind und in diesem Jahr in die Erwachsenenwehr wechseln, sieht Selent als Zeichen für die gute Arbeit der Jugendwehr. Bei der gibt es inzwischen sogar schon eine Warteliste für Neueinsteiger.

Von Uwe Klemens

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