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Teltow-Fläming Frühere Rotarmisten treffen sich in ihrer Kaserne in Sperenberg
Lokales Teltow-Fläming Frühere Rotarmisten treffen sich in ihrer Kaserne in Sperenberg
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20:24 08.09.2019
Wiedersehen an der alten Kaserne in Kummersdorf-Gut 25 Jahre nach dem Abzug der Roten Armee Quelle: Jutta Abromeit
Sperenberg/Kummersdorf-Gut

Ein russischer Kamas, ein alter Reo-Tankwagen der US-Army und ein Militär-W50 aus Ludwigsfelde – wer sich am Wochenende in der Region Sperenberg/Kummersdorf-Gut über diese Militär-Oldtimer-Lkws wunderte, der war Zeuge einer nichtoffiziellen Jubiläumsfeier: Ein Vierteljahrhundert nach Schließung des Militär-Flughafens Sperenberg und dem Abzug der GUS-Truppen besuchten Russen und Ukrainer die Stätten, an denen sie zu DDR-Zeiten als Militär-Angehörige der Roten Armee gelebt und gearbeitet hatten.

Sie waren Gäste des Fördervereins Museum Kummersdorf. Von offizieller Seite habe es keinerlei Unterstützung für diese historische Begegnung geben, hieß es.

Menschen und Momente einer knapp 150-jährigen Militär-Epoche, die vor 25 Jahren zu Ende ging: Das Einst und Jetzt wurde am Wochenende in vielen Facetten erzählt.

Die letzte Antonow hatte am 6. September 1994 vom Militär-Flugplatz Sperenberg abgehoben. Der Pilot soll zum Abschied mit den Tragflächen „gewunken“ haben. Dieser Start auf einer der drei heute verfallenen und zu großen Teilen überwucherten Rollbahnen war offiziell der letzte dieses inzwischen legendären Flugplatz-Geländes.

Militär-Historie ohne Ende

Es gehört zum ehemaligen Sperrgebiet Kummersdorf-Gut, wo sich einst die Heeresversuchsanstalt befand. Nach 1945 unter der Roten Armee der Sowjetunion starteten und landeten dort sowohl Transport- und Passagierflugzeuge sowie Aufklärungs- und Verbindungshubschrauber. Von dort startete auch das Ehepaar Margot und Erich Honecker im Morgengrauen des 13.März 1991 nach Moskau.

Weil dieses geschichtsträchtigste Militärgebiet nun aber seit 25 Jahren ohne Militär ist, waren sie alle gekommen. Sergej Worona etwa. Er war von 1974 bis 79 in Sperenberg stationiert. Einer seiner beiden Söhne wurde noch kurz vor der Heimkehr in Beelitz geboren. Der heute 69-jährige Ukrainer hat nur angenehme Erinnerungen und freute sich, die Stätten wiederzusehen, wo er als Kommandant für Kommunikations- und Funktechnik zuständig war. „Außerdem war ich für einen kleinen Zoo verantwortlich, der mindestens bis 1979 bestand“, sagt er.

Dmitriy Rushkovskyy lebt heute in Schwerin

Der frühere Offizier Dmitriy Rushkovskyy lebte von 1984 bis 1990 mit seiner Familie in Sperenberg, in einer Mietwohnung neben der Schule, wo seine Söhne zur Schule gingen. „Es war unser Alltag, es ging uns gut hier. Nur ist es traurig zu sehen, wie diese Häuser verfallen. Aber die Menschen hier zu erleben , das ist wunderbar.“

Der frühere Pilot und Funker erzählt auch, dass er in der DDR ein Schlafzimmer namens „Schwerin 2000“ gekauft hatte. „Deshalb musste ich im Jahr 2000 mit meiner Familie aus der Ukraine nach Schwerin ziehen“, erzählt er und lacht. Jetzt war er mit seiner Frau, den Söhnen, den Schwiegertöchtern, drei Enkeln und seiner 85 Jahre alten Mutter nach Sperenberg gekommen.

„Der Besuch ist überwältigend“

Die 38 Jahre alte Friseuse Irina aus Mariupol am Asowschen Meer (Ukraine) war als Tochter eines hier stationierten Rotarmisten drei Jahre in Sperenberg zur Schule gegangen, seit sie acht war. „Der Besuch ist überwältigend, sehr emotional. Denn ich bin hier aufgewachsen. Das ist ein Stück Kindheit mit Freundscaften“, übersetzt Dolmetscher Rushkovskyy.

Ebenso ist Juri (49 Jahre) aus Erinnerung an seine Jugendzeit noch einmal nach Sperenberg geflogen gekommen. Der Russe wohnt im sibirischen Tjumen. „Ich habe hier sehr gute Gefühle bei den Begegnungen, meine Erwartungen sind übertroffen worden.“ Verwundert habe ihn, dass viele Häuser auf dem Garnisonsgelände noch so da stünden, wie sie verlassen wurden.

Historie mit Soljanka und Kartoffelsuppe

Möglich gemacht hatten die Begegnungen Doreen Schulze und Norbert Wagner vom Fördervereinsvorstand sowie eine Interessengemeinschaft Historie Sperenberg aus Chemnitz um ihren Wortführer Mike Schönsee. Jeder von ihnen war bei diesem Treffen für etwas verantwortlich: Quartier besorgen, Flughafen-Transfer oder Essen kochen. Und immer wieder wird erzählt, werden Bilder gezeigt und Mail-Adressen getauscht.

Kummersdorf-Gut Sperenberg 25 Jahre – diese T-Shirts gab es zum Wiedersehen an der alten Kaserne in Kummersdorf-Gut. Quelle: Jutta Abromeit

Auf die Frage nach den Rotarmisten, die nach dem Ende der Sowjetunion nicht mehr in ihre Heimat wollten und dem Gerücht nach zu tausenden illegal in hiesigen Wälder hausen sollten, schauen sich Dmitriy Rushkovskyy, Doreen Schulze und Norbert Wagner an – „die suchen wir immer noch“, sagen die beiden Deutschen wie aus einem Mund und lachen.

Dann verteilen die Vereinsmitglieder die Reste ihrer Kartoffelsuppe (die Soljanka war am Vorabend restlos aufgegessen); die Chemnitzer hängen die Gulaschkanone an ihre beiden Lkws und fahren in ihren Alltag nach Sachsen zurück. Mit den Erinnerungen im Kopf an ein „emotional sehr bewegendes Wochenende“, wie Mike Schönsee sagt.

Von Jutta Abromeit

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