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Teltow-Fläming A10-Center: Kleine und große Baustellen
Lokales Teltow-Fläming A10-Center: Kleine und große Baustellen
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00:16 01.08.2017
60 000 Quadratmeter Verkaufsfläche und mehr als 200 Millionen Euro Jahresumsatz: Das A10-Center.
60 000 Quadratmeter Verkaufsfläche und mehr als 200 Millionen Euro Jahresumsatz: Das A10-Center. Quelle: Fischer
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Wildau

Als Manager des A10-Centers kann man sich sicherlich angenehmere Wochen vorstellen als die, die gerade zu Ende geht. Für Sven Schulze begann sie am Montag mit der Vollsperrung der Chausseestraße – der zentralen Zufahrt für die Kunden, die aus Richtung Wildau, Zeuthen und Eichwalde kommen.

Drei Monate wird die Straße saniert, das Vorhaben war lange geplant, Vertreter der Kreisverwaltung hätten dem Centermanager auch ausführlich erklärt, weshalb die Straße aus ihrer Sicht nicht halbseitig gesperrt werden kann, sondern komplett dicht gemacht erden muss. Und ja, sagt Sven Schulze, die Umfahrung ist gut ausgeschildert, der Umweg beträgt nur wenige Minuten. „So gesehen sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Aber eine solche Sperrung schlägt sich trotzdem immer in Zahlen nieder und am stärksten leiden wird der Lebensmittelhandel.“

Was bei einer gesperrten Zufahrt aber noch alles passieren kann, hat Sven Schulze dann gleich am Dienstag sehen dürfen. Da ließ lang anhaltender Regen das Rückhaltebecken des Centers überlaufen. Bereits um fünf Uhr morgens musste deshalb auch die zweite Zufahrt gesperrt werden. Die Straße war überflutet, für Autos war kein Durchkommen mehr und die Wassermassen bedrohten Unternehmen im tiefer gelegenen Bereich des Gewerbegebiets. Die Folge: Der Verkehr staute sich Kilometer weit, weil niemand mehr aufs Gelände kam, im Center warteten derweil irritierte Händler in leeren Geschäften auf Kundschaft, und ein paar hundert Meter weiter fluchten Unternehmer auf das Regenwassermanagement des A10-Centers.

Das Wasser-Problem habe der heutige Eigentümer Euroshop noch von seinem Vorgänger geerbt, sagt Sven Schulze. Das in den Neunzigerjahren genehmigte Regenwasserkonzept sehe vor, dass das Wasser vom Parkplatz und vom Gebäudedach in Gullys versickert wird. Von dort fließt es in das Rückhaltebecken – das freilich nicht für Wassermengen ausgelegt ist, wie sie in den vergangenen Wochen vom Himmel regneten.

Fakten zum Center

Das A10-Center in Wildau ist mit rund 60 000 Quadratmetern Verkaufsfläche die größte Shopping-Mall Brandenburgs. Als solche war es ursprünglich aber gar nicht angelegt.

Ursprung des heutigen Verkaufsareals waren ein Baumarkt, ein Lebensmittelmarkt und ein Möbelhaus, die alle Anfang der Neunzigerjahre auf der grünen Wiese in Wildau angesiedelt und später durch einen Quergang miteinander verbunden wurden.

Heutiger Eigentümer ist die Deutsche Euroshop AG, die das Center 2010 aus der Insolvenzmasse des Vorbesitzers erwarb. Der gegenwärtige Eigentümer beendete auch den seinerzeit begonnenen Umbau zur der heutigen Mall mit knapp 170 Geschäften.

Zum Center gehören neben der Mall auch noch ein Autocenter mit Tankstelle und Schnellrestaurant sowie eine Erlebniswelt mit Kino und Restaurants. Insgesamt beherbergt das A10-Center deshalb mehr als 200 Geschäfte mit 1300 Arbeitsplätzen.

Der Jahresumsatz, den die Betreiberfirma ECE-Projektmanagement allerdings nicht kommentiert, soll bei mehr als 200 Millionen Euro im Jahr liegen.

Laut Centermanager Sven Schulze stagniert der Umsatz seit Jahren, was angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch Discounter und den Internethandel als positiv gewertet wird.

Der Einzugsbereich erstreckt sich nach Unternehmensangaben über das ganze Land Brandenburg. Der Großteil der Kunden strömt aus dem direkten Umland nach Wildau.

Das Center hat großen Anteil daran, dass das Mittelzentrum Schönefeld-Wildau das mit Abstand handelsstärkste Mittelzentrum Brandenburgs ist. Laut einer Studie der IHK wird in Wildau das Vierfache der Kaufkraft gebündelt, die im Ort selbst vorhanden ist.

An dem Problem sei man dran, sagt Sven Schulze. Kurzfristig wurden bereits Pumpen bestellt, die das Wasser künftig aus dem Rückhaltebecken wieder zurück auf den Parkplatz pumpen sollen. Für eine dauerhaftere Lösung habe es bereits Gespräche mit der Stadt Wildau gegeben. „Möglicherweise kann man die Gullys auf den Parkplatz verkleinern, so dass das Wasser länger auf unseren Flächen steht, wo es niemandem weh tut.“

Eine weit größere Baustelle, die das A10-Center beseitigen muss, ist aber eine politische, sagt Sven Schulze. Es geht um die Beschränkungen, die dem Haus auferlegt sind, und die vor allem den Branchenmix innerhalb des Centers betreffen. Der Centermanager würde gerne mehr Bekleidungsmarken im Center ansiedeln. Die Nachfrage wäre da, es gebe auch Marken, die gerne ins Center gehen würden. Berliner Mitbewerber wie die Gropiuspassagen, die ohne Beschränkungen erweitern können, haben bereits einen deutlich größeren Bekleidungsanteil als das A10-Center.

Wenn ab 2019 zudem neue Mietverträge verhandelt werden, dann brauche man diese Modeketten umso dringender. Schulze nennt als Beispiel den Real-Markt. „Das ist mit 20 000 Quadratmetern der größte Real in Ostdeutschland. Ein solcher Markt würde heute nicht mehr gebaut, und es ist unwahrscheinlich, dass der Mietvertrag in dieser Form verlängert wird.“ Wahrscheinlich müssten deshalb zumindest für eine größere Teilfläche neue Mieter gefunden werden. Möbelhändler und Restaurants scheiden aber aus, weil das weder der Markt noch die Lage hergeben, sagt Schulze. „Modeketten wie Zara würden dagegen zu uns passen und sie würden auch keine Konkurrenz zu innerstädtischen Angeboten in der Umgebung darstellen. Aber der Bebauungsplan erlaubt keinen weiteren Textilanbieter.“

Auflösen kann den Konflikt nur die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg – und die steht solchen Handelskonzentrationen in Brandenburg skeptisch gegenüber. In den nächsten Monaten werde es Gespräche gegeben, man müsse einen Kompromiss finden, sagt Schulze. Sollte das nicht gelingen, dann gehe es um weit mehr als einige tausend Quadratmeter. „Das ist dann eine grundsätzliche Entscheidung darüber, wo es mit dem A10-Center hin geht.“

Von Oliver Fischer