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Teltow-Fläming Am Mellensee hat mit Argwohn und Investitionsstau zu kämpfen
Lokales Teltow-Fläming Am Mellensee hat mit Argwohn und Investitionsstau zu kämpfen
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06:12 14.05.2019
Die Ortsmitte von Sperenberg im Frühling. Quelle: Jutta Abromeit
Klausdorf

Die Kommunalpolitik rund um den Mellensee leidet wie kaum in einer anderen Gemeinde des Kreises unter dem Streit der Gemeindevertreter. Nicht nur, dass die acht Orte der Gemeinde Am Mellensee gemeinsam viele Jahre Investitionsstau aufholen müssten, weil der Flughafen-Konsensbeschluss zwischen Bund, Berlin und Brandenburg ab Mai 1996 die Region als Flughafen-Vorhaltebereich lange praktisch lahm gelegt hatte. In der zurückliegenden Legislaturperiode behinderten sich die Gemeindevertreter mit Argwohn bei kleinsten Anlässen vor allem gegenseitig, so dass es nur selten zu einhelligen Beschlüssen kam.

Gemeinde Am Mellensee

Am Mellensee ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming.

Einwohner: 6747 (Stand 31.12.2017)

Fläche: 104,72 Quadratkilometer.

Die Gemeinde Am Mellensee hat acht Ortsteile, die sich bei der Ämterbildung 1992 zum Amt Am Mellensee zusammengeschlossen hatten. 2003 entstand daraus die amtsfreie Gemeinde. Bekannt ist vor allem der Ortsteil Sperenberg wegen seines einst tiefsten Bohrlochs der Welt und des Flugplatzes der sowjetischen Streitkräfte, die dort nach dem Zweiten Weltkrieg stationiert waren und der ein möglicher BER-Standort war.

Tiefpunkt war der Abwahlantrag gegen den Bürgermeister

Der Tiefpunkt dieser Streitereien war Ende vergangenen Jahres erreicht, als Marcus Gottlob (CDU), der Gemeinderatsvorsitzende, nach zehn Jahren das Handtuch warf. Anlass war der gescheiterte Versuch, ein Abwahlverfahren gegen Bürgermeister Frank Broshog (parteilos) einzuleiten. Dieser war lange Krankheit und vermeintlich nicht korrekt ins Amt zurückgekehrt. Wortführer dieser Auseinandersetzung war der stellvertretende UWG-Fraktionschef Thomas Kosicki. Nach dem Scheitern des Abwahlverfahrens kündigte der 41-Jährige Gemeindevertretungsvorsitzende Gottlob an, sein Amt niederzulegen. Seither ist Maik Tscherwinka von der Unabhängigen Wählergemeinschaft Gemeinderatsvorsitzender. Doch im Raum stehen weiterhin Drohbriefe, Anzeigen, Gerichts- und Disziplinarverfahren zwischen Gemeinderatsmitgliedern und Verwaltung.

Ein Ortsvorsteher schlägt Fusion mit Nachbargemeinde vor

Solcher Streit bringt Ideen wie die vom Gadsdorfer Ortsvorsteher Uwe Hürdler auf den Plan: Das beste für die finanzschwache Kommune, die kaum Geld für ihre Pflichtaufgaben hat wie den Kita- und Hort-Neubau oder die Instandhaltung von Geh- und Radwegen, wäre die Fusion mit einer benachbarten Kommune. In Frage kämen dafür Zossen oder Baruth, die Nachbarn im Norden oder Süden.

Der UWG, der mitgliederstärksten Fraktion im Gemeinderat, war das permanente Sparen zuviel, sie hatte „Schluss damit“ gefordert und Geld aus der Rücklage dafür aktivieren wollen, ohne Rücksicht auf die drohende Haushaltssicherung. Auch das gab Streit.

Wer regiert?

Bürgermeister: Frank Broshog (parteilos)

Gemeindevertreter (18 Sitze):

CDU/FW 5 Sitze

Die Linke 4 Sitze

SPD 3 Sitze

UWG 6 Sitze

Um die wie bisher wieder 18 Sitze im künftigen Gemeinderat bewerben sich 48 Kandidaten, allein 18 auf der UWG-Liste. Auffällig dabei: Darunter findet sich der Name von lediglich einer einzigen Frau. Und wer die komplette Kandidatenliste mit den Namen der gegenwärtigen Gemeindevertreter vergleicht, der sieht, dass langjährige Kommunalpolitiker wie Klaus Wendt, Christa Thiemes (beide Die Linke) oder Bernd Kosensky und Erhard Bichert (beide UWG) nicht mehr antreten; Thiemes und Kosensky kandidieren noch für ihre Ortsbeiräte Mellensee und Klausdorf.

Neue Kandidaten wollen zur Sacharbeit zurück

Gleichzeitig finden sich neue Kandidatennamen von Bürgern, die erklärtermaßen antreten, um vom Streit weg zu Sachfragen zu kommen. Wieder auf der Kandidatenliste steht übrigens SPD-Mann Kay Brückner. Er hatte am selben Abend und aus demselben Grund wie Marcus Gottlob im Dezember die Segel gestrichen.

Wer tritt an?

SPD:

Annemarie Vogel, Ingo Koch, Sigrid Müller, Kay Brückner, Bert Daske, Michael Wegner, Michael Kavalirek, Axel Klein, Bernd Setny

Die Linke: Doreen Schulze, Siegbert Weigt, Judith Krappa, Tobias Janke, Manuela Klaus

CDU:

Lutz Lehmann, Heiko Winterstein, Jeannette Hüdepohl, Udo Wildenhein, Andreas Thiele, Frank Richter, Torsten Rarrasch, Dargo Porath

AfD: Dieter Elsner

UWG:

Theo Boss, Thomas Kosicki, Maik Tscherwinka, Wilfried Borkowski, Dirk Pehnert, Antje Schuster, Volker Eilenberger, Christian Glienick, Dr. Gerd Buchsteiner, Mathias Spieth, Michael Fried, Bert Borchert, Wolfgang Harnisch, Paul Schlesing, Udo Keiler, Michael Kölker-Sparfeld, Stefan Rother, Henrik Habel

Freie Wähler Am Mellensee (FW): Milan Hänsel, Petra Mayn, Thomas Schulz, Gerd Mayn, Ina Hänsel

Bündnis ’90/Die Grünen:

Michael Röske

Eine Gemeinsamkeit gibt es inzwischen: Alle Fraktionen laden Bürger ein, am Donnerstag ab 19 Uhr in den Bahnhof Rehagen zu kommen. In einem Livestream werden dann die Kandidaten für die Gemeinde Am Mellensee vorgestellt werden. Diese Veranstaltung wird auf in den sozialen Medien wie Facebook, Youtube oder Vimeo übertragen. Wer nicht direkt dabei sein kann, hat die Chance, zum Beispiel über die Facebook-Einladung Fragen zu stellen.

Letzte Gemeindevertretersitzung am Mittwoch

Am Mittwoch tagt dann der Gemeinderat zum letzten Mal. Vor allem, so der Vorsitzende Tscherwinka, um sich ordentlich zu verabschieden und nach vorn zu schauen. Denn mit der Ausschreibung des Kita- und Hort-Neubaus in Mellensee, um den es so viel Hin und Her gegeben hatte, sowie mit der Überarbeitung von etlichen Satzungen und dem permanenten Personalmangel in der Verwaltung gebe es für den neuen Gemeinderat genug wichtige Entscheidungen zu treffen, so Tscherwinka.

Von Jutta Abromeit

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