Amtsgericht Zossen verurteilt Maskenverweigerer wegen Körperverletzung zu Geldstrafe
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Teltow-Fläming Maskenverweigerer schlägt nach Streit in Ludwigsfelde zu – Amtsgericht verhängt saftige Geldstrafe
Lokales Teltow-Fläming

Amtsgericht Zossen verurteilt Maskenverweigerer wegen Körperverletzung zu Geldstrafe

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18:02 30.09.2021
Der Fall wurde vor dem Amtsgericht Zossen verhandelt.
Der Fall wurde vor dem Amtsgericht Zossen verhandelt. Quelle: Lisa Neugebauer
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Zossen

Wegen Körperverletzung hat das Amtsgericht Zossen einen 33-Jährigen aus Mahlow am Donnerstag zu einer Geldstrafe von mehreren Tausend Euro verurteilt. Der Mann hatte einen Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming (VTF) geschlagen sowie mehrere Personen beleidigt.

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war, dass ein Busfahrer den Sohn der Partnerin des Angeklagten des Busses verwiesen hatte, weil der Zehnjährige keine Maske trug.

33-Jähriger schlägt VTF-Mitarbeiter in Ludwigsfelde

Der Angeklagte fuhr nach Ludwigsfelde in die VTF-Stelle, wo er ohne Maske eintrat. Als er vom Betriebsführer auf die Maskenpflicht hingewiesen wurde, verweigerte der 33-Jährige das Aufsetzen einer Maske. Er habe ein Attest, das ihn von der Pflicht befreie.

Als der VTF-Mitarbeiter das Attest sehen wollte, zeigte der Angeklagte dies jedoch nicht. Nach Aussage des Betriebsführers sei er dann an dem Mann vorbei nach draußen gegangen, um ihn zu einem Gespräch außerhalb der Räume zu bewegen. „Vieles von dem, was dann passierte, weiß ich nur noch aus dem Video, was vorliegt“, sagt der VTF-Mitarbeiter im Gerichtssaal.

Zossener Richter verhängt Geldstrafe

„Unvermittelt und ohne jeden Ansatz“, so Richter Böhm in der Urteilsbegründung, habe der Angeklagte dem Betriebsführer dann „eine geklatscht“. Dieser erlitt ein Loch im Trommelfell und hatte daraufhin mehrere Wochen ein eingeschränktes Hörvermögen.

„Dass Sie ihn so schwer verletzten wollten, wie Sie ihn verletzt haben, glaube ich nicht“, so der Richter. Dennoch sei es zu einer nicht unerheblichen Verletzung gekommen, die das Gericht mit 90 Tagessätzen à 35 Euro, also mehr als 3000 Euro, ahndete. Zusätzlich muss der Mahlower 500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

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Moralisch besonders verwerflich fand der Richter, dass der Angeklagte dem VTF-Mitarbeiter „Jetzt hast du keine große Fresse mehr“ hinterhergerufen habe, als dieser im Krankenwagen versorgt wurde. „Das ist unterste Schublade“, so Böhm. Davor hatte der 33-Jährige auch eine anwesende VTF-Mitarbeiterin beleidigt und verbal bedroht.

Zur Beleidigung kam es außerdem im Februar 2021, als der 33-Jährige von der Polizei vernommen wurde, weil er in einem Mahlower Baumarkt keine Maske aufsetzen und sein Personalausweis nicht zeigen wollte. Er bezeichnete die Beamten unter anderem als „Hampelmänner“. Auch dieser Vorfall floss in das Urteil mit ein.

Angeklagter: Justiz gehört zur „Deutschland GmbH“

Vor Gericht präsentierte sich der Angeklagte hitzig und größtenteils uneinsichtig. Zwar sagte er, es sei „nicht normal, dass es eine Backpfeife gibt, das sehe ich ein“, aber er äußerte auch mehrmals, dass jemand damit rechnen müsse, der „so mit Schutzbedürftigen umgeht“.

In seinen Augen habe der Busfahrer seinen Ziehsohn zu Unrecht aus dem Bus verwiesen. Das Attest, das der Zehnjährige haben soll, müsse dieser – ebenso wie der 33-Jährige – niemandem vorzeigen, so der Angeklagte. Der Aufklärung von Richter Böhm, dass das eben doch so sei, widersprach er vehement.

Zudem stellte der Richter fest, dass das Attest des Angeklagten keine Gültigkeit besitzt, weil nach Corona-Verordnung eine Diagnose darauf stehen muss, die dort fehlt. Auch dem widersprach der Mahlower, bezeichnete die Polizei und das Gericht zudem als Angestellte der „Deutschland GmbH“.

Nach dem Prozess wurde der Angeklagte wegen des ungültigen Attests aufgefordert, eine Maske aufzusetzen, was dieser verweigerte. Der Staatsanwalt bot ihm eine medizinische Maske an, was der 33-Jährige als Nötigung bezeichnete. Er verließ den Raum ohne Maske.

Von Lisa Neugebauer