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Teltow-Fläming Anwohner bauen eigene Straßenbeleuchtung
Lokales Teltow-Fläming Anwohner bauen eigene Straßenbeleuchtung
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05:14 24.01.2018
Die Anwohner der Goethestraße haben eine funktionierende und preiswerte Lösung gefunden. Quelle: Christian Zielke
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Rangsdorf

Mit einer außergewöhnlichen Initiative schaffen die Anwohner der Rangsdorfer Goethestraße Erleuchtung in der anderthalbjährigen Beleuchtungsmisere. Statt darauf zu warten, dass die Gemeinde die seit Sommer 2016 abgeschalteten Laternen in ihrer Straße repariert oder für viel Geld erneuert, haben sie ihre eigenen Laternen in ihren Vorgärten aufgestellt.

Einer, der die Idee dazu hatte, ist Christian Möller. Er wohnt im Weinbergweg, einer Seitenstraße und wehrt sich mit anderen Anwohnern schon länger gegen den von der Gemeinde geplanten Neubau der Beleuchtung. Bei einer Anwohnerversammlung im vergangenen Herbst habe der Bürgermeister irgendwann entnervt gesagt, dass die Gemeinde ohnehin kein Geld dafür habe und den Bürgern geraten, doch selbst für Licht zu sorgen. „Das haben wir uns nicht zwei Mal sagen lassen“, sagt Christian Möller.

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Erst stand eine Laterne, mittlerweile sind es 20

Gemeinsam verabredeten die Anwohner selbst die Initiative zu ergreifen und ihre Straße auf eigene Faust zu beleuchten. Roman Schmidt hat die Aktion koordiniert. Im Internet erkundigte er sich, welche Straßenlaternen es gibt und wie man sie aufstellt. Anfang des Jahres stand die erste Laterne, mittlerweile sind es 20 zwischen Friedensallee und Ahornstraße. Sobald es dunkel wird, schalten sich die Laternen dank eingebautem Dämmerungsschalter ein. Vorbei sind die Zeiten, da sich die Anwohner und ihre Gäste nur mit Taschenlampen vor die Tür wagten. „Vor allem Kinder und Ältere haben sich abends kaum noch auf die Straße getraut“, sagt Roman Schmidt. Viel Überzeugungsarbeit habe er nicht leisten müssen. „Als sich die Nachricht verbreitete, dass wir eigene Laternen aufstellen, waren alle dabei“, sagt er. Wichtiges Argument sind die Kosten. Würde die Gemeinde die Beleuchtung erneuern, käme auf jeden Grundstückseigentümer eine Summe von bis zu 3000 Euro zu. „Für das Geld können wir unsere Laternen auf Jahrzehnte betreiben“, sagt Christian Möller. Die 4,50 Meter hohen Masten kosten 150 Euro pro Stück. Dank LED-Technik mit nur 24 Watt liegen die jährlichen Stromkosten bei etwa 25 Euro pro Laterne.

Nachbarn kennen sich und halten zusammen

Einen besonderen Effekt hat die Aktion außerdem. „Wir kennen uns seitdem alle viel besser“, sagt Sabine Wenzel. Der Ärger und die Abhilfe haben die Nachbarn zusammengeschweißt. Man hilft sich beim Aufstellen der Laternen. Sogar ein Straßenfest ist geplant.

Bürgermeister Klaus Rocher (FDP) begrüßt die Initiative, zumal die Gemeinde derzeit ohnehin kein Geld für neue Laternen hat. Er möchte neue Wege bei der Bürgerbeteiligung gehen und hofft, dass die Gemeindevertretung am Donnerstag den Weg für Bürgerbefragungen frei macht. Dann, so Rocher, „sollen die Anwohner sagen, ob sie einen Neubau in den nächsten fünf Jahren wollen.“ Die Gemeinde werde dieses Votum respektieren.

Von Christian Zielke