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Teltow-Fläming Apassionata-Stuntreiter trainiert in Woltersdorf
Lokales Teltow-Fläming Apassionata-Stuntreiter trainiert in Woltersdorf
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00:19 24.11.2013
Apollo ist Viktor Kirkas Lieblingspferd. Er hängt förmlich an ihm. Quelle: Lisa Gruber
Woltersdorf

Im Pferdestall ist es kalt. Ein Herbststurm fegt um den Reiterhof, Teile der Koppel stehen bereits unter Wasser. Viktor Kirka ist trotzdem in der Pferdebox zugange. Er sattelt Kalif, einen 1,80 Meter großen Vollblut-Wallach. Das dunkle Pferd schnaubt, stampft mit den Hufen. Die Pferdehalterin hält sich einige Meter im Hintergrund. In Sicherheit. Seitdem Kalif mehrfach gebockt hat und mit den Vorderhufen aufgestiegen ist, traut sie dem Zehnjährigen nicht mehr über den Weg.

Früher sei er ein vorbildliches Verlasspferd gewesen, erzählt sie, aber nachdem sie ihr erstes Kind zur Welt gebracht habe, sei ihr fortan kaum mehr Zeit fürs Reiten geblieben. So stand der Wallach (ein männliches, kastriertes Pferd) fast drei Jahre lang unbewegt auf der Koppel. Sie vermutet nun, dass er ihr die Vernachlässigung übel genommen hat. Als er wieder geritten werde sollte, widersetzte er sich allen Kommandos seiner Reiterin. Eine Bekannte war es schließlich, die ihr von Viktor Kirkas Pferdeschule in der Gemeinde Nuthe-Urstromtal erzählte.

Viktor Kirka, geboren in der Ukraine und aufgewachsen in Moldawien, kam 2010 durch ein vierjähriges Engagement als Trickreiter bei der PferdeshowApassionata“ nach Deutschland. Die Logistik-Einheit der Show hat ihren Sitz in Luckenwalde. Die Geschäftspartner führen einen Pferdehof in Woltersdorf. So kam auch Viktor Kirka mit seiner Lebensgefährtin in das Urstromtal. Seine außergewöhnlichen Reitkünste sprachen sich schnell herum, sodass ihn immer wieder Bekannte baten, unerwünschte Verhaltensweisen bei ihren Vierbeinern zu korrigieren. So wurde Kirkas Idee einer eigenen Pferdeschule geboren.

Im Umgang mit sogenannten Problempferden ist dabei wohl kaum jemand derart unerschrocken wie der 1,69 Meter kleine Trickreiter. Als junger Mann war er Artist im ukrainischen Nationalzirkus. Dort lernte er sowohl das Reiten – in den Variationen Sitzen, Stehen, Hängen und Liegen – als auch das (verletzungsfreie) Fallen. Gerade die Akrobatik am Pferd gefiel ihm so gut, dass er sich bald schon als Stuntreiter der legendären Trickreiter-Equipe „Ukrainian Cossacks“ anschloss. Gemeinsam tourte man auf Pferdeshows durch ganz Europa. Auf diese Weise lernte Viktor Kirka die unterschiedlichsten Pferderassen und ihre Gemüter kennen und einschätzen.

Pferdeland Brandenburg

In Brandenburg werden rund 30.000 Großpferde gehalten.
Rund 2200 Zuchtpferde werden über Mitglieder des Pferdezuchtverbands Brandenburg-Anhalt betreut. Ihr Schwerpunkt ist die Rasse Deutsches Sportpferd.
Der Landesverband Pferdesport Berlin-Brandenburg zählt 16.000 Mitglieder in 475 Reitsportvereinen. Außerdem betreut der Verband 196 Pferdebetriebe.
Die „Apassionata“ ist nach eigenen Angaben Europas erfolgreichste Pferdeshow mit mehr als fünf Millionen Zuschauern. Sie ist Silvester in Leipzig und Mitte Januar in Berlin zu erleben.

Seine langjährige Erfahrung und sein Wagemut, den er selbst den wildesten Pferden gegenüber an den Tag legt, machen den 37-jährigen Ukrainer zu einem begehrten Pferdetrainer auch über die Grenzen Brandenburgs hinaus. Zu Kirkas Klienten gehören neben Freizeitreitern auch Pferdehändler und Showprofis, für die er unter anderem Trickreiterpferde ausbildet.

„Problempferde an sich gibt es selten“, erklärt Kirka, während er Kalif die Trense anlegt, „meistens liegt die Problematik in der fehlerhaften Kommunikation zwischen Reiter und Pferd.“ Verhaltensauffällige Pferde seien oft eher das genaue Spiegelbild des Fehlverhaltens ihrer Reiter, so Kirka. Gerade Freizeitreiter würden häufig zu schnell aufgeben, wenn das Pferd ihren Kommandos nicht sofort gehorche. Aufgrund dieser Inkonsequenz lernt das Tier, mittels Ungehorsam seinen Willen durchzusetzen. Und diese falsche Dominanz ende für den Reiter „früher oder später im Krankenhaus“, warnt Kirka. Man ahnt, er spricht aus eigener Erfahrung.

Kalif ist gesattelt und wird ins Freie geführt. Es windet sich noch immer. Viktor Kirka knöpft seine Regenjacke zu. Konsequenz in der Pferdeausbildung bedeute eben auch, bei jedem Wetter zu reiten. Auf einer nahegelegenen großen Wiese beginnt er mit dem Training. Nach kurzer Zeit prescht der Wallach im Jagdgalopp mit ihm davon, schlägt Haken und buckelt. Kirka bleibt im Sattel. Kalif habe sich erst einmal nur austoben müssen, das sei normal bei „unausgelasteten Freizeitpferden“, erklärt Kirka später. Als der Wallach allmählich ruhiger wird, tätschelt Viktor Kirka seinen mächtigen Hals. Dann erst beginnt er mit dem eigentlichen Training.

Dass er bei seiner gefährlichen Arbeit auch das ein oder andere Mal von einem Pferd abgeworfen wird, tut Viktor Kirka mit einem Schulterzucken ab. „Dass ich vom Pferd falle, gehört zu meinem Berufsethos als Trickreiter – also ausschließlich gegen Bezahlung“, scherzt er. Den Job hat er neben seiner Tätigkeit als Pferde-Trainer nicht aufgegeben. Nach „Apassionata“ hat er eine neue Equipe gegründet. Mit „Nabat“, was auf Russisch Angriff oder Sturmglocke heißt, hat er Auftritte in ganz Deutschland. Drei weitere Trickreiter, darunter auch eine Frau, sind im Stuntteam dabei. Ihre Spezialpferde haben sie selbst trainiert.

Noch zwei oder drei Wochen wird er den Vollblutwallach Kalif ausbilden. Dann ist aber nicht Schluss, sondern seine Besitzerin muss sich ebenso einer Schulung unterziehen. Gemeinsam mit ihr wird Kirka trainieren, sich mit den richtigen Kommandos bei ihrem Pferd in Zukunft wieder durchzusetzen. Anschließend sollte das Pferd auch keine Probleme mehr mit einem Menschen haben.

Weitere Informationen über Viktor Kirka gibt es auf www.viktor-kirka.com.

Von Lisa Gruber