Arbeiten auf der Corona-Station: Assistenzarzt Wahid Mario Kabbabe ist einer der Alltagshelden in Corona
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Teltow-Fläming Arbeiten auf der Corona-Station: „Bevor wir Ärzte sind, sind wir immer noch Menschen“
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Arbeiten auf der Corona-Station: Assistenzarzt Wahid Mario Kabbabe ist einer der Alltagshelden in Corona

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17:05 24.01.2021
Alltagsheld: Assistenzarzt Wahid Mario Kabbabe war einer der Hauptakteure in den ersten Wochen der Pandemie-Bewältigung am Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow.
Alltagsheld: Assistenzarzt Wahid Mario Kabbabe war einer der Hauptakteure in den ersten Wochen der Pandemie-Bewältigung am Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow. Quelle: Lisa Neugebauer
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Ludwigsfelde

Es war Zufall, dass Assistenzarzt Wahid Mario Kabbabe zu Beginn der Corona-Pandemie an vorderster Front stand. Der 30-Jährige erinnert sich noch gut, wie er glaubte, einen ganz normalen Dienst in der Notaufnahme anzutreten. Doch an diesem Montag im März war alles anders: „Plötzlich kamen lauter Menschen, die sich auf Corona testen lassen wollten“, sagt Kabbabe. Zwar hatten sich alle Mitarbeiter des Evangelischen Krankenhauses Ludwigsfelde-Teltow zu diesem Zeitpunkt schon ausgiebig mit dem damals neuartigen Virus beschäftigt, aber bei nur einem bestätigten Fall in Brandenburg und zwei in Berlin kam der Ansturm dann doch überraschend.

„Wir hatten damit gerechnet, dass das irgendwann passiert, aber nicht so schnell“, sagt Kabbabe. Zusammen mit den Kollegen habe er versucht, das anfängliche Chaos in den Griff zu bekommen. „In den ersten zwei Tagen habe ich in meiner Schicht bestimmt je 50 Corona-Abstriche gemacht“, sagt der Assistenzarzt. Die Krankenhausleitung habe schnell reagiert und in nur wenigen Tagen das Corona-Testzentrum aufgebaut. Das habe die Situation dann deutlich verbessert.

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Assistenzarzt Wahid Mario Kabbabe arbeitet regulär auf der Station für Innere Medizin. Quelle: Lisa Neugebauer

Assistenzarzt kümmert sich um Corona-Patienten

Kabbabe ist eigentlich seit viereinhalb Jahren Assistenzarzt der Inneren Abteilung, doch als zu Beginn der Pandemie klar wurde, dass Corona viele Kräfte fordert, wurde er zu einem der Hauptakteure der Pandemie-Bewältigung. „Anders als viele andere Kollegen, wohne ich allein und habe keine Familie in der Nähe“, sagt der aus Syrien stammende Assistenzarzt. „Ich dachte: Wenn ich mich anstecke, bin ich wenigstens kein Risiko für andere.“ Also widmete sich Kabbabe dem Aufbau der Covid-Station und engagierte sich beim Diagnostik-Zentrum. „Angst davor hatte ich nicht“, sagt Kabbabe. Viel eher war er sich sicher, dass er sich irgendwann anstecken würde – doch bis heute sei das nicht passiert. Inzwischen ist er auch geimpft.

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Jetzt – gut ein dreiviertel Jahr nach der ersten Welle – arbeitet der 30-Jährige wieder hauptsächlich in der Innere Medizin. Wie viele weitere Kollegen übernimmt er aber weiterhin wöchentliche Schichten auf der Corona-Station. Die Arbeit dort unterscheide sich deutlich von anderen, erzählt Kabbabe. „Die Visite dort dauert gut eine bis eineinhalb Stunden länger“, sagt er. Das liegt vor allem an der Schutzkleidung, die der Assistenzarzt bei so gut wie jedem Zimmer wechseln muss. Neben Schutzanzug, Handschuhen, Kopfbedeckung und Maske gehören auch eine Schutzbrille und ein zusätzliches Visier dazu.

In der Notaufnahme gibt es zwei Behandlungszimmer, in denen ausschließlich Corona-Verdachtsfälle untersucht werden. Bevor Assistenzarzt Wahid Mario Kabbabe einen der Räume betritt, muss er umfangreiche Schutzkleidung anziehen. Quelle: Lisa Neugebauer

In der Notaufnahme gibt es zwei Behandlungszimmer, in denen ausschließlich Corona-Verdachtsfälle untersucht werden. Bevor Assistenzarzt Wahid Mario Kabbabe einen der Räume betritt, muss er umfangreiche Schutzkleidung anziehen. Quelle: Lisa Neugebauer

In der Notaufnahme gibt es zwei Behandlungszimmer, in denen ausschließlich Corona-Verdachtsfälle untersucht werden. Bevor Assistenzarzt Wahid Mario Kabbabe einen der Räume betritt, muss er umfangreiche Schutzkleidung anziehen. Quelle: Lisa Neugebauer

„Das Arbeiten unter diesen Bedingungen ist sehr kompliziert“, sagt Kabbabe. Ihm werde schnell warm, er könne schlecht atmen und sehe schlecht. „Da muss man sich schon sehr konzentrieren, wenn man am Patienten arbeitet – damit man auch richtig pikst.“

Restrisiko bei Krankenhausbesuchen bleibt

Besonders die Situationen in denen es darum geht, Angehörige zu informieren, dass es einem Patienten schlechter geht, seien „sehr emotional und schwierig“, sagt Kabbabe. „Dann geht es darum, ob sie das Risiko in Kauf nehmen wollen, um Abschied zu nehmen.“ Zwar werden auch die Besucher mit Schutzkleidung ausgerüstet, doch ein Restrisiko bleibe, sagt der Assistenzarzt. Verbieten wolle er das aber keinem. „Bevor wir Ärzte sind, sind wir immer noch Menschen“, sagt er.

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Inzwischen kann Kabbabe ganz gut einschätzen, welche Symptome zum Coronavirus gehören und welche nicht, wenn er in der Notaufnahme Dienst hat. „Jetzt haben wir da Erfahrungswerte“, sagt er. Umso mehr wundert er sich, dass immer noch viele Patienten unbedarft in die Rettungsstelle kommen, um sich wegen ihrer Kopf- oder Halsschmerzen untersuchen zu lassen. Nicht nur einmal hat der Assistenzarzt erlebt, dass sich die Symptome der Patienten beim genaueren Erfragen als Corona-Verdacht herausstellten. „Ich habe manchmal das Gefühl, die Leute nehmen das nicht ernst“, sagt er. „Die Menschen, die mit Hals- oder Kopfschmerzen in die Notaufnahme kommen, riskieren dort andere mit Covid-19 anzustecken.“ Er beschwört daher eindringlich, bei solchen Symptomen immer erst zu Hause zu bleiben und gegebenenfalls den Rettungsdienst zu rufen.

Kabbabe: „Alle hier sind sehr engagiert“

Das Krankenhauspersonal komme in der derzeitigen Welle teilweise an seine Grenzen, sagt Kabbabe. In der Inneren Medizin laufe neben der Behandlung von Covid-Patienten auch der normale Betrieb weiter. Umso mehr ärgert er sich, wenn er im Zug zur Arbeit Menschen ohne Maske sieht. Am liebsten würde er dann sagen: „Ich bin Arzt und sehe jeden Tag wie die Menschen leiden.“ Aber meistens verzichtet er darauf – zu oft habe er schon aggressive Reaktionen erlebt.

Trotz der schwierigen Lage im Krankenhaus betont Kabbabe, dass es ja nicht nur ihnen so geht, sondern allen. „Ein Jahr lang Homeoffice ist auch kein Spaß“, sagt er. Er sieht sich auch nicht als besonderen Helden im Krankenhaus. „Alle hier sind sehr engagiert“, sagt er. Dennoch ist der 30-Jährige stolz, dass ihm die wichtige Aufgabe zu Beginn der Pandemie zugetraut wurde. Trotz aller Herausforderungen würde er es wohl immer wieder machen.

Von Lisa Neugebauer