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Teltow-Fläming Armutszeugnis für die Bildungsministerin
Lokales Teltow-Fläming Armutszeugnis für die Bildungsministerin
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00:17 02.02.2014
Bildungsministerin Martina Münch (SPD) steht wegen des anhaltenden Lehrermangels in Brandenburg in der Kritik. Quelle: dpa
Potsdam

Für viele der 268.000 Brandenburger Schüler fangen die Winterferien am Freitag gut an. Anna Lüdcke, Elftklässlerin am Potsdamer Humboldt-Gymnasium etwa, schaut gelassen auf die Zeugnisausgabe. „Ich denke schon, dass ich einen Durchschnitt von 1,8 habe“, sagt die 18-Jährige. Rund hundert Jugendlichen aus Luckenwalde (Teltow-Fläming) geht das anders: Sie haben zumindest in einem Fach gar keine Zensur auf dem Zettel stehen. Der Grund: Der komplette Englischunterricht ist wegen Lehrermangels ausgefallen.

An der Friedrich-Ludwig-Jahn-Oberschule könne in vier Klassen im Fach Englisch keine Halbjahresnote erteilt werden, weil kein Unterricht stattfand. Das schildert die Luckenwalder Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche (CDU) in einem Brief an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Auch am Friedrich-Gymnasium sei der Stundenausfall eklatant. Die 7. Klasse habe seit Oktober 2013 keinen Englisch-Unterricht mehr, weil die Lehrerin krank sei. Ein Armutszeugnis für Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch (SPD), urteilt Reiche. Die wahre Lage an Brandenburger Schulen werde beschönigt.

Ministeriumssprecher Stephan Breiding bestätigte am Donnerstag den Fall: Tatsächlich werden rund 100 Schüler heute ohne Englischnote dastehen. Der Lehrer sei seit Schuljahresbeginn krank, das Schulamt habe zweimal Ersatz organisiert, doch auch der sei wieder abgesprungen. „An einer Lösung für das zweite Halbjahr wird mit Hochdruck gearbeitet“, so Breiding. Natürlich müsse auch dafür gesorgt werden, dass die Schüler den versäumten Stoff nach den Ferien nachholen können, um den Anschluss nicht zu verlieren. „Das ist ein extremer, bedauerlicher Einzelfall“ so Breiding.

Gleichzeitig räumt er ein, dass im zweiten Schulhalbjahr 2013/14 der Unterrichtsausfall insgesamt leicht zugenommen hat. 7,2 Prozent der Stunden hatten nicht mehr regulär erteilt werden können, weil Lehrer krank geworden waren. „Das hängt auch mit der steigenden Alterspyramide zusammen“, sagt Breiding. „Ältere Kollegen sind eben krankheitsanfälliger.“ In Brandenburg sind derzeit von insgesamt 17.773 Lehrern über 450 chronisch krank.

Besonders mit ihrem neuen Instrument des Vertretungspools will die Landesregierung den Unterrichtsausfall eindämmen. Pensionierte Lehrer oder Referendare können sich seit Beginn dieses Jahres bereit erklären, einzuspringen. „Wir haben bereits Meldungen, dass es Interesse gibt“, sagt Breiding. Eine Zahl konnte er nicht nennen. Zudem will das Land 100 Lehrer zusätzlich für Kollegen mit Langzeiterkrankungen einstellen.

Nach Ansicht von Günther Fuchs, Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), zeigt sich das Land nun zumindest lernfähig. Erstmals räume die Ministerin ein, dass Unterrichtsausfall überhaupt ein Problem sei. Noch vor einem Dreivierteljahr habe sie das Gegenteil behauptet. Während Martina Münch den Schülern „schöne und schneereiche Winterferien“ wünscht, muss sie selbst nun nachsitzen: Die Luckenwalder Eltern drängen auf eine Lösung bis zum Ferienende am 9. Februar.

Von Rüdiger Braun und Marion Kaufmann

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