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Teltow-Fläming Rotkreuz-Plakate aus dem Ersten Weltkrieg
Lokales Teltow-Fläming Rotkreuz-Plakate aus dem Ersten Weltkrieg
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20:50 13.11.2018
Das Rote Kreuz sammelte im Ersten Weltkrieg ausgekämmtes langes Frauenhaar als kriegswichtigen Rohstoff. Dazu rief dieses Plakat auf. Quelle: Hartmut F. Reck
Luckenwalde

Wer in diesen Tagen das Haus des Ehrenamts, die zentrale Verwaltung des DRK-Kreisverbands Fläming-Spreewald in Luckenwalde betritt, läuft fast schnurstracks auf ein Plakat zu, das einen stutzen lässt. Dort ist ein Kamm mit darin verwickeltem langem Haar zu sehen. Darüber steht in altertümlichen Buchstaben: „Ausgekämmtes Frauenhaar“ und in der Zeile darunter: „ein wichtiger Kriegsrohstoff!“ Dominiert wird das Plakat von einem roten Kreuz zwischen der Schrift und dem Haarkamm. Ganz unten auf dem vergilbten Plakat ist zu lesen: „Deutsche Frauenhaar-Sammlung vom Roten Kreuz, Sitz Magdeburg“.

Schulterschluss mit der jeweiligen Staatsführung

Daneben wird auf anderen Plakaten der Rotkreuzgesellschaften des damaligen Deutschen Reichs zu Geld- und Sachspenden für die eigenen Soldaten auf den Schlachtfeldern Europas aufgerufen. Betrachtet man die weiteren Plakate, die im Foyer des Luckenwalder DRK-Gebäudes hängen, so erkennt man, dass dies alle Rotkreuzgesellschaften der kriegsführenden Nationen taten.

Solidarität mit den Opfern des Krieges und Kriegspropaganda gegen den Fein liegen nah beieinander, wie dieses französische Plakat zeigt. Quelle: Hartmut F. Reck

Alle sammelten für ihre Soldaten. Und alle nationalen Rotkreuzorganisationen nahmen deutlich Partei für ihre jeweilige Staatsführung und deren Kriegsziele. Entsprechend nationalistisch und vor allem propagandistisch sind die Plakate gestaltet. Sie werben nicht nur für mildtätige Gaben „für unsere Helden im Felde“, sondern rufen auch zur Sammlung von kriegswichtigen Rohstoffen aus, wie zum Beispiel ausgekämmtes Frauenhaar.

Sammlungen auch für Kriegsrohstoffe

Dieses wurde nicht etwa für Verbandsmaterial benötigt, sondern für Dichtungsringe und Treibriemen, erläutert Rainer Schlösser. Der Leiter des Luckenwalder Rotkreuzmuseums hat im Laufe mehrerer Jahre eine ganze Reihe internationaler Rotkreuzplakate gesammelt und die aus der Zeit des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) nun ausgestellt. „Die Frauen sollten sich nicht ihre langen Haare abschneiden“, so Schlösser, „aber wenigstens die ausgekämmten Haare der Kriegswirtschaft zur Verfügung stellen.“

Bücher und Bekleidung

Aber es wurde natürlich auch unmittelbar für die Soldaten auf dem Felde und in den Schützengräben gesammelt, sowie für die deutschen Kriegsgefangenen im Osten wie im Westen. Gefragt waren Winterkleidung und Kaninchenfelle zum Wärmen, wetterfeste Umhänge gegen Regen und Nässe, Bücher für die Lazarett- und Feldbibliotheken.

Agitation und Propaganda

Insgesamt 32 Bild- und Text-Plakate sind in der Ausstellung „Rotkreuzplakate aus der Zeit des Ersten Weltkriegs“ zu sehen. Sie stammen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Italien und den USA. Sie alle appellieren an den Patriotismus ihrer jeweiligen Landsleute und agitieren gegen den Feind, dem sie Eroberungs- und Vernichtungswillen vorwerfen. Kurz: gegenseitige Kriegspropaganda unter dem eigentlich einenden Symbol des Roten Kreuzes.

Der DRK-Kreisvorsitzende Harald-Albert Swik (l.) und der DRK-Vizepräsident Volkmar Schön (2.v.l.) eröffneten die Ausstellung im Foyer des Hauses des Ehrenamts. Quelle: Hartmut F. Reck

„So etwas kommt heute im Roten Kreuz nicht mehr vor“, betonte der eigens zur Ausstellungseröffnung angereiste Vizepräsident des DRK, Volkmar Schön. Er erinnerte an den Grundsatz der Neutralität, der inzwischen für alle nationalen Rotkreuzgesellschaften bindend ist. „Aber damals war das Rote Kreuz ein Teil der Nationalität“, sagte Schön, „es ging immer um das Wir und um die Anderen.“

Erinnerung vom Zweiten Weltkrieg überlagert

Der DRK-Vizepräsident würdigte die Ausstellung und das Engagement von Rainer Schlösser, weil die deutsche Erinnerungskultur vom Zweiten Weltkrieg überlagert sei und nur noch selten der Erste Weltkrieg thematisiert werde. „Umso wichtiger ist es“, so Volkmar Schön, „jetzt noch mal daran zu erinnern.“

Erste Bewährungsprobe für das Rote Kreuz

Der Erste Weltkrieg, so meinte der DRK-Kreisvorsitzende Harald-Albert Swik, sei die erste richtige Bewährungsprobe für das Rote Kreuz gewesen. Doch mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands am 11. November 1918 habe noch lange nicht das Leid geendet. Hier habe das Rote Kreuz noch viel Gutes für die notleidenden Kriegsgefangenen vor allem in Russland leisten können.

Museumsleiter Rainer Schlösser (l.) und Volkmar Schön, Vizepräsident des Deutschen Roten Kreuzes, im Ausstellungsbereich. Quelle: Hartmut F. Reck

Am Rande der Ausstellungseröffnung stellte Rainer Schlösser sein neues Buch vor. Der emeritierte Romanistikprofessor hat die etwa hundertseitige Denkschrift des Rotkreuz-Pioniers Louis Appia übersetzt. Appia hatte als Gesandter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg die Schlacht an den Düppeler Schanzen beobachtet und den Entwurf der Genfer Konvention auf ihre Praktikabilität überprüft. Dieses Heft ist der erste Band einer neuen Schriftenreihe zur Rotkreuz-historischen Forschung. Herausgeber sind unter anderen Volkmar Schön und Harald-Albert Swik.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Januar zu sehen.

Von Hartmut F. Reck

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