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Teltow-Fläming Bahnhof wird zur „Fläming-Station“
Lokales Teltow-Fläming Bahnhof wird zur „Fläming-Station“
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19:51 28.03.2017
Bahnhofsbesitzer Konrad Ertl meint es ernst. Er hat einen Bauantrag eingereicht und will bis zum Spätsommer im Jüterboger Bahnhof viele öffentliche Räume schaffen. Hier steht der 39-Jährige im Saal der „Mitropa II.Klasse“. Der Raum bekommt einen neuen Eingang in Richtung der Bushaltestelle am Bahnhof und soll ein erstklassiges Café werden.
Bahnhofsbesitzer Konrad Ertl meint es ernst. Er hat einen Bauantrag eingereicht und will bis zum Spätsommer im Jüterboger Bahnhof viele öffentliche Räume schaffen. Hier steht der 39-Jährige im Saal der „Mitropa II.Klasse“. Der Raum bekommt einen neuen Eingang in Richtung der Bushaltestelle am Bahnhof und soll ein erstklassiges Café werden. Quelle: Fotos: Degener (2)
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Jüterbog

Wenn es nach Konrad Ertl geht, wird das Innenleben des Jüterboger Bahnhofs schon im September nicht mehr wiedererkennbar sein. Der Eigentümer hat einen Bauantrag gestellt, um das Haus zur „Fläming-Station“ umzubauen und ganz neue Funktionen darin unterzubringen.

Als erstes sollen ein Café und beheizte Warteräume entstehen

„Ich habe mich an der Bürgerbefragung der Einwohner von Jüterbog II orientiert und die dort geäußerten Wünsche aufgegriffen“, sagt Ertl. Die ambitionierten Pläne sollen den Bahnhof unabhängig von Pendlern zu einem belebten Ort der Bürger und Gäste der Stadt machen.

In einem ersten Bauabschnitt will er die Hallen und Räume im Erdgeschoss umbauen. Ein derzeit ungenutzter Flur soll zum beheizbaren Warteraum mit Stehtischen und Sitzmöglichkeiten werden. Aus dem einstigen Mitropa-Speisesaal der ersten Klasse mit seinen dekorativen, vertäfelten Wänden und der hohen Decke soll ein Veranstaltungssaal werden. Im Saal der zweiten Klasse sollen dagegen ein Café und Regio-Laden sowie barrierefreie Toiletten entstehen.

Der Bahnhof aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist denkmalgeschützt. Quelle: Uwe Klemens

Für Touristen plant er den Verleih von Rädern und Segways

Der Vertrag mit dem jetzigen Kioskbetreiber Rosenthal, den Ertl mit Erwerb des Bahnhofs 2014 übernommen hatte, ist von einer Bahn-Tochtergesellschaft zum November gekündigt worden. Das Kioskangebot in der Wartehalle bleibe aber erhalten – zumindest zu den Stoßzeiten am Morgen sei „die Versorgung auch ab November sichergestellt“, verspricht Ertl.

Am Nachmittag und Abend will er die Bahnhofsnutzer künftig ins Café leiten. Ganz neue Eingänge und Wege durch das große Gebäude sind vorgesehen. Auf dem Vorplatz nach Süden schweben ihm Café-Tische vor.

Ein Tischkärtchen der „Mitropa“ erinnert noch an alte Zeiten der Bahnhofsgastronomie. Quelle: Peter Degener

„Der Bahnhof ist das Tor zur Stadt. Von hier aus soll man künftig aber auch die ganze Region erkunden können“, sagt der 39-jährige Rohrbecker. Mit Segway-Touren und Radverleih will er die „Fläming-Station“ auch als Basis für touristische Angebote nutzen und Gäste über entsprechende Angebote in der Region informieren.

Eigentümer setzt auf Fördermittel, bevor er loslegt

Mit dem Bauantrag hat Ertl gezeigt, dass er es ernst meint. Doch zwei wichtige Dinge fehlen noch: „Ich suche noch einen Betreiber oder eine Betriebsgesellschaft für die vielen Angebote“, sagt Ertl. Außerdem ist er auf Förderung angewiesen.

Über eine Million Euro würde der Innenausbau des ersten Bauabschnitts kosten. Bei der Lokalen Aktionsgruppe „Rund um die Fläming-Skate“ hat Ertl deshalb einen Antrag auf Fördermittel gestellt. Auch vom Bauamt habe er positive Signale bekommen, was Fördermöglichkeiten einzelner Maßnahmen über das Programm „Soziale Stadt“ betrifft.

Konrad Ertl vor dem denkmalgeschützten Bahnhof, der 1861 errichtet worden ist. Quelle: Peter Degener

Langfristig will er eine Herberge und andere Gewerbe anlocken

Bei einer Förderzusage sollen die „pendlerspezifischen Angebote“ wie der Wartesaal und das Café als erstes realisiert werden. „Mein persönliches Ziel ist es, das bis zum Stadtfest ,Tetzel kommt’ Anfang September geschafft zu haben“, sagt er.

Langfristig sollen in weiteren Bauabschnitten auch die Fassade und der Dachstuhl des denkmalgeschützten Gebäudes von 1861 erneuert werden. Für die Räume im Obergeschoss kann Ertl sich Gästezimmer, aber auch medizinische, therapeutische und pädagogische Angebote als Mieter vorstellen.

„Die Stadt überlegt, hier einen Anlaufort der Bürger zur Verwaltung einzurichten“, sagt Ertl. Eine Bestätigung oder Absage zu diesen Überlegungen gab es seitens der Stadt auf Anfrage allerdings nicht.

Dialog: Die Entwicklung von Jüterbog II und des Bahnhofsumfelds sind am Donnerstag um 18 Uhr das Thema einer Bürgerversammlung im Jugendklub in der Bergstraße 3.

Von Peter Degener