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Teltow-Fläming Baruth: Alarmstufe Rot für medizinische Versorgung im Urstromtal
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Baruth: Alarmstufe Rot für medizinische Versorgung im Urstromtal 

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06:42 08.09.2021
Die Zeit drängt: Rührt sich jetzt niemand in der Landesregierung und bei der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB), dann hat die Stadt ab 1. Oktober nicht nur kein landesweites Premieren-Modell. (Symbolbild)
Die Zeit drängt: Rührt sich jetzt niemand in der Landesregierung und bei der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB), dann hat die Stadt ab 1. Oktober nicht nur kein landesweites Premieren-Modell. (Symbolbild) Quelle: Bernd Weissbrod
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Baruth

Die Zeit drängt: Rührt sich jetzt niemand in der Landesregierung und bei der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB) zum Bürgschaftsproblem Gesundheitshaus Baruth, dann hat die Stadt ab 1. Oktober nicht nur kein landesweites Premieren-Modell. Dann verliert sie auch ihren so langjährigen Allgemeinmediziner Dr. Peter Bischof und im gesamten Urstromtal stehen tausende Menschen vor sehr weiten Anfahrtswegen zu Ärzten.

Schlimmstenfalls laufen drei neue Ärzte weg

„Und außerdem rennen uns die bisher mühselig gefundenen und bereits gebundenen drei neuen Ärzte weg“, sagt Bürgermeister Peter Ilk (parteilos). Er ist stinksauer: „Alles ist vorbereitet, wir haben für unser Gesundheitszentrum als Kommune 100.000 Euro Bürgschaft hinterlegt, damit wir starten können. Und unser 83 Jahre alter Dr. Bischof hat seine Zulassung zum 1. Oktober an uns übertragen, damit das Problem endlich irgendwie gelöst wird“, so der Rathauschef.

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Das Problem ist folgendes: Für die Idee Gesundheitshaus mit Hotel, Gesundheitsprävention, Physiotherapie, Naturheilkunde und vielem mehr im Schloss Baruth braucht das Städtchen für seine eigens gegründete MVZ Gesundheitszentrum Baruth/Mark gGmbH eine Bürgschaft in unbegrenzter Höhe. Doch starten kann die gemeinnützige GmbH nur mit der Zustimmung vom Zulassungsausschuss der KVBB.

Gesetzlicher Teufelskreis fiel bisher nicht auf

Diese Zustimmung gibt es nur mit dem Okay der Kommunalaufsicht. Die gibt das Ja der gemeindeeigenen gGmbH nur mit unbegrenzter Bürgschaft. Eine solche Bürgschaft darf die Kommunalaufsicht Gemeinden aber nur für Investitionen, nicht jedoch für den Betrieb von Einrichtungen genehmigen. Ein Teufelskreis, der niemandem bisher auffiel, weil er in der Praxis noch nicht vorkam.

Modellkommune sollte Ausnahme bekommen

Diesen in Gesetzen verankerten Widerspruch versteht Ilk nicht und er weiß nicht, wie er ihn bis zum 22. September, der nächsten Sitzung des KVBB-Zulassungsausschusses, lösen soll. Noch einmal habe er jetzt an die Landesregierung geschrieben, „sowohl an die Gesundheitsministerin als auch an den Innenminister. Die beiden müssen sich jetzt an einen Tisch setzen und eine Entscheidung treffen“, erklärt er. Sein Vorschlag: Als Modellkommune, die so ein Gesundheitshaus als allererste im Land probiert, bekommt Baruth eine Ausnahmegenehmigung für zwei Jahre.

Aktionstag für ein Gesundheitshaus Baruth am 4. September am Alten Schloss. Quelle: privat

„Na klar wäre das eine Lex Baruth, aber andere Kommunen und Ämter warten auf eine solche Entscheidung, damit es weiter gehen kann“, sagt der Mann an der Rathausspitze. Und er weiß: „Gibt es keine Lösung, dann kündigen die neuen Ärzte, die warten nicht ewig auf uns.“ Und Dr. Bischof finge auch nicht wieder an. „Geht das jetzt noch schief, dann braucht mir kein Politiker mehr mit Verbesserung medizinischer Versorgung im ländlichen Raum zu kommen“, sagt Ilk.

„Jetzt ist wirklich schnelles Handeln geboten, um den ländlichen Raum nicht weiter von der gesundheitlichen Versorgung abzuhängen.“ Das sagt auch der Zossener Carsten Preuß (Linke) nicht nur als Bundestagskandidat, sondern auch als jemand, der sich seit Jahrzehnten für die gesamte Region einsetzt, unter anderem für einen Naturpark Baruther Urstromtal. Er hatte am vergangenen Samstag den Aktionstag für dieses Gesundheitshaus besucht, den das Frauennetzwerk Baruth initiiert hatte. Damit sollten Besucher schon mal einen Eindruck bekommen, wie das Modell Gesundheitshaus im Schloss aussehen könnte. Dort hatten sich auch die drei neuen Ärzte vorgestellt: Judith Berger, Fabian Bornkessel und Reinhild Nass.

Von Jutta Abromeit