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Teltow-Fläming Bauern bleiben auf Gülle sitzen
Lokales Teltow-Fläming Bauern bleiben auf Gülle sitzen
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04:16 21.10.2017
Ein Landwirt bringt auf seinem Feld Gülle aus.
Ein Landwirt bringt auf seinem Feld Gülle aus. Quelle: dpa
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Dahmeland-Fläming

Uwe Mertin von der Agrar GmbH Trebbin kann sich sinnvollere Investitionen vorstellen, als die, die sein Betrieb gerade plant. Der Trebbiner Landwirtschaftsbetrieb, dessen Geschäftsführer Mertin ist, wird ab dem kommenden Jahr sein Güllelager erweitern – um 10 000 Kubikmeter Rinderfäkalien mehr aufbewahren zu können als jetzt schon. Die Erweiterung entspricht dem Volumen von etwa vier großen Schwimmbecken.

Bisher hat die Agrargenossenschaft die Gülle aufs Feld gebracht. Flächen dafür hat sie genug, die Genossenschaft gehört zu den größten in der Region, sie bewirtschaftet etwa 4000 Hektar. Seit diesem Herbst dürfen die Landwirte aber nur noch eingeschränkt mit Gülle düngen, ab 1. November ist es ihnen gänzlich untersagt. So steht es in der neuen Gülleverordnung, die Branchenweit für viel Ärger sorgt und auch in der Region Dahmeland-Fläming reichlich Kopfschütteln verursacht.

„Das Gesetz ist fehlerhaft und nicht gut gemacht“, sagt etwa Helmut Dornbusch, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming. Dornbusch moniert unter anderem, dass bei den Vorschriften unterschieden wird zwischen Raps, Gerste und Roggen. Zwischenfrüchte wie Raps oder Wintergerste dürfen mit Gülle gedüngt werden, Roggen dagegen nicht. „Das ergibt keinen Sinn“, sagt Dornbusch.

Wer viel Roggen anbaut – wie zahlreiche Landwirte der Region – und zudem viele Kühe im Stall hat, der hat ein Problem. Hinzu kommt, dass die Sperrfrist für die Ausbringung von Gülle um 15 Tage erweitert wurde. Bisher ließen Bauern ihren Güllewagen erst ab Mitte November stehen, jetzt gilt das Verbot schon ab Ende Oktober. „Theoretisch dürfen wir ab Februar wieder aufs Feld – aber nur, wenn der Boden nicht gefroren oder mit Schnee bedeckt ist, was er wohl sein wird“, sagt Uwe Mertin.

Deshalb schreibt das Gesetz vor, dass jeder Betrieb Lagerkapazitäten für sechs Monate Gülleanfall nachweisen muss. Bei mehreren hundert Milchkühen und einer Tagesproduktion von 70 Kilo je Kuh ist das eine ganze Menge. „Ich kann die Gülle nicht mal an den Nachbarbetrieb verschenken, der hat ja das gleiche Problem“, sagt Mertin. In diesem Jahr hat die Agrargenossenschaft viele Zwischenfrüchte angebaut und Gülle so noch legal auf die Äcker gebracht. Im Oktober wurde der Rest aus den Lagern aufs Grünland gefahren, so dass die vorhandene Lagerkapazität für den Winter reichen dürfte.

Aber für das kommende Jahr müssen größere Lager her. Das gleiche Problem haben Betreiber von Biogasanlagen, die ihren Gärrest ebenfalls länger lagern müssen. „Für neue Lager braucht man aber nicht nur Geld, sondern auch eine Baugenehmigung. Wer die bisher nicht hat, den trifft es noch schwerer“, so Mertin. Denn Übergangsfristen hat der Gesetzgeber nicht vorgesehen.

Ziel der Gülleverordnung ist es, die Nitratbelastung des Bodens zu verringern. Die sei aber nur in den besonders rinderreichen Gegenden im Westen Deutschlands ein Problem, sagt Helmut Dornbusch. Im Weser-Ems-Land etwa oder in Nordrhein-Westfalen, wo bis zu vier Rinder pro Hektar stehen. Brandenburg hingegen sei nach dem Saarland das Bundesland mit den wenigsten Kühen. „Wir als Trebbiner haben eine halbe Kuh pro Hektar. Das ist überhaupt kein Problem, diese Gülle sinnvoll auf der Fläche zu verteilen“, sagt Uwe Mertin. Die Gülleverordnung mache aber keinen Unterschied zwischen Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Mertin: „Das finde ich unfair.“

Von Oliver Fischer