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Teltow-Fläming Begehrte Millionen aus Brüssel
Lokales Teltow-Fläming Begehrte Millionen aus Brüssel
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18:02 08.05.2015
Sie profitieren vom europäischen Geld. Ulrich und Susanne Theilemann betreiben in Niedergörsdorf ein Schlafwagenhotel. Quelle: privat
Dahmeland-Fläming


Die Beteiligung bei der Europawahl im vergangenen Jahr in Deutschland verleitete den ein oder anderen Politiker schon zu leichten Jubelarien. 48,1 Prozent der Wahlberechtigten gingen zur Wahlurne und gaben ihre Stimmen für die Kandidaten, die in das Europäische Parlament in Straßburg einziehen sollen. 48,1 Prozent, das waren gerade mal vier Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren.

Doch ein wahrer Grund zur Freude war auch das Ergebnis nicht. Viel eher zeigte es noch einmal die Probleme auf, die die Deutschen mit der Europäischen Union haben. Zu groß, zu teuer, zu undurchsichtig, so die vorherrschende Meinung.

Doch stelle man sich einmal vor, die Europäische Union würde nicht existieren, jedes Land sein eigenes Süppchen kochen, was wäre dann?

Familie Theilemann in Niedergörsdorf hätte dann mehr Eigenkapital aufwenden müssen, um das kostenintensive Schlafwagenhotel in der Nähe der Fläming-Skate zu verwirklichen. „Mit dem Geld, das wir durch die Subventionen eingespart haben, konnten wir andere Dinge realisieren, die sonst nicht drin gewesen wären“, sagt Ulrich Theilemann, der gemeinsam mit seiner Frau das Hotel betreibt.

Wie hoch die Förderungssumme ist, die die beiden bei der Lokalen Aktions-Gruppe „Rund um die Fläming Skate“ in Teltow-Fläming beantragt und schließlich vom Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Luckau bewilligt bekamen, sagt Theilemann nicht. „Es waren rund 45 Prozent des Nettopreises“, erklärt der Betreiber des Hotels mit dem europäischen Touch. Denn die Mittel, die sie beantragt hatten, stammen aus einem der vielen verschiedenen Förderfonds aus Brüssel.

Nicht nur wegen der Subventionsmöglichkeiten ist Theilemann ein Europa-Fan und Befürworter des weltweit einmaligen Staatenverbundes. Er möchte auch auf die Freiheiten innerhalb des Kontinents nicht mehr verzichten. „Ich reise gerne und viel und profitiere von den Freiheiten innerhalb Europas“, sagt er. 2008 muss es gewesen sein, erinnert er sich vage, als er das erste Mal von den Fördermöglichkeiten hörte. „Die Bewilligung hat nicht so lange gedauert“, erklärt er.

Die Verteilung der Fördergelder erfolgt in der Regel über das Bundesland Brandenburg. In nahezu jedem Landkreis gibt’s eine Lokale Aktions-Gruppe, die vor Ort die Anträge begutachtet, bewertet und schließlich dem Landesamt in Luckau vorschlägt. Lutz Habermann tut dies in der LAG-Spreewald-Plus, die auch für Mittenwalde, Bestensee und Heidesee zuständig ist. Die Förderungsmöglichkeiten seien ein gutes Instrument, um die Region zu stärken, sagt Habermann im Gespräch mit der MAZ.

In der vergangenen Förderperiode von 2007 bis 2013 wurden rund 46 Millionen Euro durch das sogenannte Leader-Verfahren in den Spreewald investiert. „Leader“ ist das Förderprogramm zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und wurde 1991 europaweit eingeführt. In der neuen Förderperiode von 2014 bis 2020 stehen Habermann und der LAG-Spreewald rund drei Millionen Euro zur Verfügung, die Hälfte weniger als in der vergangenen Periode. Dennoch kann mit der jährlichen Summe so einiges umgesetzt werden. „Wir unterstützen Privatpersonen, Vereine, Verbände und Kommunen bei Vorhaben“, sagt Habermann. Grundlage der Projektförderung ist die Regionale Entwicklungsstrategie des Landes Brandenburg.

Habermann identifiziert sich mit der EU, der Union und den Vorhaben zur Stärkung der regionalen Standorte und ärgert sich, wenn Menschen Europa als Ungetüm verstehen. „Viele verbinden mit Europa immer nur Grexit und die Finanzkrise und reduzieren es auf einige Dinge“, sagt der Europaexperte. Er findet es schade, dass nicht die geförderten Projekte hier zu Lande im Vordergrund stehen und für eine positive Grundstimmung sorgen. Zum Beispiel, wenn eine Kita mit Fördermitteln aus einem europäischen Geldtopf finanziert wird.

Auch der Landwirtschaft in der Region Dahmeland-Fläming wird durch die EU ein regelmäßiger Geldsegen beschert. Allein im vergangenen Jahr erhielt Teltow-Fläming 23 Millionen Euro an Agrarsubventionen aus Brüssel. Der Landkreis Dahme-Spreewald bekam sogar rund 110 Millionen Euro an europäischen Subventionen für den Agrarsektor.

„Fast alle infrastrukturellen Maßnahmen wurden durch die Förderprogramme der EU finanziert“, sagt Wolfgang Starke (SPD), der EU-Dezernent des Landkreises Dahme-Spreewald. Dies sei an den Plaketten zu erkennen, die an jedem Förderobjekt angebracht sind. Auch er unterstreicht die Bedeutung der Fördersummen. „Wichtig ist, die Leistungen der Europäischen Union nicht nur auf Beton zu reduzieren“, sagt Starke und verweist auf die zahlreichen Förderungen von Unternehmen, Existenzgründern und Vereinen. Ohne das europäische Geld wäre der Landkreis bei weitem nicht so gut aufgestellt, ist sich Starke sicher. Schließlich seien die Summen im dreistelligen Millionenbereich. Wären diese nicht vorhanden, würde es mancherorts anders aussehen.

In Königs Wusterhausen zum Beispiel. Da ist sich Bürgermeister Lutz Franzke (SPD) sicher. Die mit EU-Geldern gebaute Brücke über den Nottekanal gäbe es nicht. Der Bahnhof mit seinen neuen Eingangsportalen wäre „in dieser Form nicht zu realisieren gewesen“, sagt das Stadtoberhaupt. Durch die zwei Millionen Euro aus Brüssel konnten die Eingangsportale anders geplant werden. Schlimm hätte das fehlende Geld aus Brüssel den neu gebauten Bürgertreff am Fontaneplatz getroffen. „Der wäre gestorben“, sagt Franzke und ist froh, dass dieser Fall doch nicht eingetreten ist.

So könnte man weiterspinnen, in fast jeder Stadt, jedem Dorf, jeder Kommune in Dahmeland-Fläming ist mindestens ein EU-Projekt zu finden. Und dann stelle man sich vor, was wäre wenn? Der Fläming ohne die Fläming-Skate? Der Spreewald ohne die zahlreichen touristischen Hotspots, die auch allesamt europäische Fördermittel erhielten? Unvorstellbar.

Von der Förderung strukturschwacher Regionen hätten vor allen Dingen die neuen Bundesländer profitiert, sagt Kornelia Wehlan (Linke), die Landrätin von Teltow-Fläming. Sie sieht aber auch etwas Positives an den rückläufigen Fördermitteln aus Brüssel. „Dass die Mittel in der neuen Förderperiode geringer ausfallen, ist ein Zeichen dafür, dass es uns jetzt viel besser geht als früher.“

Auch die Tatsache, dass Teltow-Fläming nahezu flächendeckend mit schnellem Internet versorgt ist, ist Wehlan zufolge ein Verdienst der EU. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt seien die Gelder gut verwendet worden, sagt sie. So wurden in den vergangenen Jahren dank der EU-Gelder mehr als 4000 Menschen in Arbeitsförderprogrammen betreut und begleitet.

Den heutigen Europatag solle man zum Anlass nehmen, einmal über die Freiheiten nachzudenken, die der Staatenverbund und der Kontinent zu bieten haben, sagt Landkreis-Dezernent Starke aus Dahme-Spreewald. „Viele Dinge sind einfach selbstverständlich geworden“, sagt er und spielt auf die Reisefreiheit, die einheitliche Währung und das Anerkennen von Studiengängen in anderen Ländern an. „Das wäre ohne Europa nicht möglich.“

Dem schließt sich Bernd Rüdiger (FDP) an. Der ehemalige Bürgermeister von Jüterbog wurde gestern mit dem Europapreis des Landes ausgezeichnet. Die Vorteile der EU liegen für den Preisträger auf der Hand, dennoch hat Rüdiger Zweifel an dem Selbstverständnis der Europäer. „Für den Rest der Welt ist Europa das Nonplus-Ultra. Nur wissen das viele Europäer einfach nicht zu schätzen“, sagt er.

Von Marcel Jarjour

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