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Teltow-Fläming Home24 bietet vielen Flüchtlingen Jobs
Lokales Teltow-Fläming Home24 bietet vielen Flüchtlingen Jobs
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00:20 12.01.2018
Allrounder und Staplerfahrer Thierry aus Kamerun mit dem Leiter der Ludwigsfelder Niederlassung Frank Fritzsche im Lager von Home24. Quelle: Marina Ujlaki (2)
Ludwigsfelde

Die Wohnung neu einrichten, ohne auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen: Auch das machen Online-Shops möglich. Deutschlands größtes Online-Möbelhaus Home24 hat über zwei Millionen Kunden und in Ludwigsfelde ein großes Logistikzentrum. Seit über drei Jahren gehen von hier aus Tische und Stühle, Lampen, Accessoires und andere Einrichtungsartikel per Paketdienst deutschlandweit auf die Reise. Ein 35 000 Quadratmeter großes Lager zwischen Autobahn und B101, moderne Hochregale, computergesteuerte Logistik, vor allem aber 180 Mitarbeiter sorgen dafür, dass das funktioniert – und von denen sind ein großer Teil Flüchtlinge.

110. Flüchtling gerade eingestellt

„Wir stellen heute unseren 110. Flüchtling ein“, sagte Standortleiter Frank Fritzsche in einem MAZ-Gespräch vergangene Woche. Und wirklich, in der Ludwigsfelder Niederlassung begegnet einem neben Deutsch auch Arabisch, Dari, Urdu, Somali, Französisch, Englisch.

Farid aus Afghanistan ist einer von vier Flüchtlingen, die bei Home24 eine Berufsausbildung machen Quelle: Marina Ujlaki

Home24 ist ein internationales Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern weltweit, in dem Menschen aus 65 Nationen beschäftigt sind. Im Ludwigsfelder Logistikzentrum arbeiten Mitarbeiter, die in der Stadt beziehungsweise in der Region leben oder jeden Tag aus Cottbus, Berlin, Lauchhammer, Oranienburg, Brück und anderen Orten dorthin pendeln. Deutsche und Zugewanderte, viele Flüchtlinge.

Seit drei Jahren Flüchtlinge beschäftigt

Wie bekommt man bei so einem bunten Sprachgewirr den Arbeitsalltag organisiert? „Schon kurz nach dem Start vor drei Jahren haben wir die ersten sieben Flüchtlinge eingestellt“, erinnert sich Niederlassungsleiter Fritzsche. „Der Kontakt zum Heim kam eigentlich zustande, weil wir damals für die Ausstattung spenden wollten, aber sie brauchten nur Matratzen. Seitdem gibt es einen direkten Kontakt zwischen uns und den Sozialarbeitern des Heimes, das erleichtert vieles.“

Logistiker suchen händeringend Mitarbeiter

Auch Dirk Krause, Koordinator für die Flüchtlingshilfe des Ludwigsfelder Vereins Solbra, weiß: „Die Jobs sind bei den Geflüchteten begehrt, heute genauso wie vor drei Jahren. Damals war Home24 einer der ersten Arbeitgeber, der auch Flüchtlingen ohne schulische Vorkenntnisse aus Afghanistan, Somalia, Eritrea, Pakistan oder Kamerun eine Chance gegeben hat.“ Allein im Jahr 2017 hat Home24 in Ludwigsfelde 70 Geflüchtete und Asylbewerber eingestellt. Es hat sich herumgesprochen, täglich gibt es fünf neue Anfragen fürs Probearbeiten. Trotzdem sind in den nächsten zwei Monaten weitere 40 Stellen im Wareneingang, im Regallager und beim Verpacken offen. „In der Region gibt es ein massives Rekrutierungsproblem. Auch die anderen Logistiker suchen händeringend Mitarbeiter“, sagt Frank Fritzsche. „Flüchtlinge einzustellen, verlangt erst einmal mehr administrativen Aufwand, wir mussten uns in der Firma mit Aufenthaltsrecht und Arbeitserlaubnissen beschäftigen“, so der Standortleiter. Auch die Anlernphase dauere wegen der Sprachhürden etwas länger. „Aber schließlich profitieren wir als Unternehmen davon. Bewerber sind rar, die körperlich fit und bereit sind, die oft schwere Arbeit zu machen. Gleichzeitig helfen wir den Flüchtlingen. Sie haben einen Vollzeitjob und wenn alles passt, finden sie hier auch eine berufliche Perspektive“, sagt Fritzsche.

Allrounder, Übersetzer, Mentor

Seit 2016 ist der 30-jährige Kameruner Thierry bei Home24. „Am Anfang war es Stress. Ich wollte sofort losarbeiten, musste aber Wochen auf die Genehmigung von den Behörden warten. Inzwischen habe ich bei Home24 viel gelernt, kann mit dem Computer arbeiten und kenne alle Arbeitsschritte“. Von Beruf eigentlich Mechaniker, ist Thierry heute ein gefragter Mann im Betrieb: als Staplerfahrer, Übersetzer, Mentor für die Neulinge, Allrounder. Wie er erhalten auch andere Bewohner der Flüchtlingsheime Unterstützung von den Sozialarbeitern. Die Ludwigsfelder helfen vor allem bei den Formalitäten, wie Arbeitserlaubnis, Sozialversicherungsausweis, Führungszeugnis. „Die Arbeit trägt auch zur Entlastung für das Leben im Heim bei“, sagt Christopher Schewe, Leiter der Unterkunft im Birkengrund in Ludwigsfelde. „Keiner will hier den ganzen Tag frustriert rumsitzen und vom Sozialamt leben. Im Gegenteil. Wer einen Job hat, fühlt Anerkennung und ist ganz anders motiviert, zu lernen und sich zu integrieren.“

Zukunft durch Ausbildung

Auch der 18-jährige Farid aus Afghanistan hat diese Erfahrung gemacht. Er kam mit 15 Jahren ohne Eltern nach Deutschland, ging zunächst zur Schule und lebt in einer betreuten WG in Luckenwalde. Er spricht inzwischen hervorragend Deutsch und ist einer von vier Flüchtlingen, die bei Home24 eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik machen. „Man kann mit einer Ausbildung eine Zukunft haben“, bringt Farid es auf den Punkt.

Von Marina Ujlaki

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