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Teltow-Fläming Das waren die spektakulärsten Gerichtsfälle in Zossen und Königs Wusterhausen
Lokales Teltow-Fläming Das waren die spektakulärsten Gerichtsfälle in Zossen und Königs Wusterhausen
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19:01 03.02.2020
Ursula Fladee leitet das Amtsgericht in Zossen. Quelle: Franziska Mohr
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Königs Wusterhausen

Die Facetten des Lebens mit all ihren menschlichen Schwächen und Abgründen spiegeln sich Jahr für Jahr auch in den Gerichtssälen der Region wider. Die Straftaten erstrecken sich von Raserei über Betrug bis zu Raubüberfällen und brutalen Angriffen auf Leib und Leben. Die Direktoren der Amtsgerichte Zossen und Königs Wusterhausen, Ursula Fladee und Matthias Deller, geben einen Überblick über die interessantesten Verhandlungen des Jahres 2019.

54-jähriger Analphabet vergewaltigt Radfahrerin

Ein 54-jähriger Mann erhielt im vorigen Jahr mit vier Jahren Haft ohne Bewährung am Amtsgericht Königs Wusterhausen die höchste Strafe, die ein Amtsgericht in Deutschland überhaupt verhängen darf. Nach vier Verhandlungstagen sah es das Schöffengericht als erwiesen an, dass der Mann im Sommer 2018 eine Radfahrerin aus Schönefeld vergewaltigt hat.

Auf dem Weg am Flughafen hatte der Mann mit seinem Motorrad der Schönefelderin den Weg abgeschnitten und sie vom Rad gerissen. Dabei würgte er die Frau so stark, dass sie fast ohnmächtig wurde. Daraufhin gab die Frau mittleren Alters den körperlichen Widerstand auf und versuchte stattdessen, mit Worten auf den Täter einzuwirken.

Als sie ihn fragte, ob er denn keine Familie habe, antwortete er, dass sie jetzt seine Frau sei. Erst als die Frau ihn anschrie, er sei doch kein Tier, ließ er von ihr ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sie aber bereits sexuell missbraucht.

Vor Gericht zeigte sich der Berliner nicht geständig. Er räumte lediglich ein Treffen ein, aber keine Straftat an der ihm bis dato völlig unbekannten Frau.

Für die Justiz war der Mann kein Unbekannter. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten hatte den Mann 2016 aufgrund schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern bereits zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Der Täter kann zwar weder lesen noch schreiben, Gutachter attestierten ihm aber eine volle Schuldfähigkeit.

Die Schönefelderin trägt noch heute an den Folgen der Tat. Sie ist posttraumatisch belastet und leidet unter Albträumen.

Zweifelhafte Immobilienrente

Um Geld für seinen Ruhestand und damit auch seine eigene häusliche Pflege zu bekommen, verkaufte ein 80 Jahre alter Mann im Jahr 2017 sein Einfamilienhaus samt 950-Quadratmeter-Grundstück in Eichwalde für 200.000 Euro.

Der Käufer räumte dem Senior in der ehemaligen Immobilie ein lebenslanges Wohnrecht ein, dafür sollte er eine monatliche Nutzungsentschädigung von 400 Euro sowie alle Nebenkosten zahlen. Zudem enthielt der Vertrag eine Klausel, dass der 80-Jährige sein Wohnrecht sofort verwirkt, wenn er zweimal mit der Zahlung in Verzug gerät. In diesem Fall müsse der alte Herr seine ehemalige Immobilie beräumen und sofort verlassen.

Als der Verzug 2019 tatsächlich eintrat, beauftragte der Eigentümer sofort einen Gerichtsvollzieher. Gegen die Vollstreckung der Räumung reichte der Senior eine Vollstreckungs-Gegenklage ein, die der Richter am Amtsgericht Königs Wusterhausen für begründet hielt.

Das Gericht überprüfte das mit dem Mann geschlossene vertragliche Konstrukt und kam zu dem Schluss, dass es sich im Grunde um einen normalen Mietvertrag handelt, bei dem das soziale Mietrecht anwendbar ist. Die Verwirkungsklausel sei daher unwirksam, sodass der alte Herr weiterhin in seinem ehemaligen Haus wohnen darf. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, weil der jetzige Eigentümer Berufung eingelegt hat.

Unklare Vaterschaft

Eine Mutter wollte auf die Versorgungsansprüche für ihr Kind nicht verzichten und reichte deshalb beim Amtsgericht Zossen einen Antrag auf Vaterschaftsfeststellung ein. Sie erklärte bei der gerichtlichen Anhörung, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt mit zwei Männern sexuell verkehrte. Mit dem einen habe sie ausschließlich mit Kondom, mit dem zweiten Mann ohne Kondom geschlafen.

Im ersten Verfahren hatte sie den zweiten Mann als Vater angegeben. Dieser scheidet allerdings nach Angaben eines Gutachters definitiv als Vater aus. Daher reichte die Mutter jetzt einen Antrag auf Feststellung der Vaterschaft des anderen Mannes ein.

Tankstellenüberfall nach Vereinbarung

Um Schulden zu begleichen und feiern zu können, beschlossen zwei junge Männer im Winter 2018, eine Tankstelle in Ludwigsfelde auszurauben. Einer der Täter arbeitete in der Tankstelle, sodass der Überfall problemlos fingiert werden konnte. So erschien im Februar 2018 wie vereinbart der zweite Täter maskiert in der Tankstelle, während der erste dort allein seinen Dienst verrichtete.

Der erste hielt seinem Kumpel eine Schreckschusspistole vor und forderte: „Geld her!“ Sein Kumpel folgte der Aufforderung und steckte das Geld in die mitgebrachten Tüten, der maskierte Täter verließ unbehelligt die Tankstelle.

Der Mittäter wartete dann noch fünf Minuten bis er den Alarmknopf drückte, um Wachschutz und Polizei zu verständigen. Anschließend fahndete die Polizei mit einem Großaufgebot nach dem anderen Mann, der unter dem Verdacht der räuberischen Erpressung stand. In der Tatnacht blieb die Suche aber erfolglos.

Später allerdings gelang es der Polizei, über Bekannte der Täter, die im Vorfeld Gespräche über den geplanten Überfall gehört hatten und nun Anteile von der Beute forderten, die beiden Täter zu ermitteln und den Tathergang zu rekonstruieren. Zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden 18 und 19 Jahre alten Männer die erbeuteten 1300 Euro allerdings längst ausgegeben.

Das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Zossen verurteilte die beiden Angeklagten wegen gemeinschaftlicher Unterschlagung zu jeweils 60 Sozialstunden sowie zur Rückzahlung der Beute.

Mit 25 Jahren schon zehnmal vor Gericht

Ein 25-jähriger Schulzendorfer saß im vorigen Jahr nur sechs Monate nach seiner letzten Haftentlassung schon zum elften Mal auf der Anklagebank im Amtsgericht Königs Wusterhausen. Waren ihm zuvor schon zahlreiche Diebstähle mit und ohne Waffen sowie Brandstiftungen zur Last gelegt worden, so musste er sich diesmal für das Abfackeln eines Autos verantworten.

Nach einer Feier, bei der reichlichem Alkohol geflossen war, hatte er aus purer Zerstörungslust die Seitenscheibe des Autos eingeschlagen, Brandbeschleuniger hinein gegossen und das Fahrzeug angezündet. Dabei verursachte er eine Schaden von 8000 Euro. Das Königs Wusterhausener Schöffengericht verurteilte den Mann aufgrund der hohen Rückfallgeschwindigkeit zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis ohne Bewährung.

Brandstiftung in JVA Heidering

Ein Insasse der Justizvollzugsanstalt Heidering setzte während des nächtlichen Einschlusses seine Matratze sowie Bekleidung mit einem Feuerzeug in Brand. Das Feuer griff auf den Fußbodenbelag über, sodass sich starker Qualm bildete. Dadurch wurde der Brand schließlich entdeckt.

Der Angeklagte hatte sich auf den Tisch seiner Haftzelle gesetzt und nicht um Hilfe gerufen, obwohl er nach eigenem Bekunden auch keine Suizidabsichten hegte. Justizbedienstete retteten den bewusstlosen Angeklagten schließlich aus der Zelle. Die Beamten sowie vier Mitgefangene erlitten Rauchgasvergiftungen.

Der entstandene Schaden belief sich auf 16.000 Euro. Der Richter des Amtsgerichts Zossen verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung.

Vergewaltigung war plötzlich nur ein Spuk

Ein 24-jähriger Mann stand im Februar 2019 vor dem Schöffengericht Königs Wusterhausen unter dem Verdacht der Vergewaltigung. Eine junge Frau hatte ihn 2017 bei der Polizei angezeigt, weil er sie in der Luckenwalder Straße in Königs Wusterhausen gewaltsam zum Sex gezwungen haben soll.

In der Hauptverhandlung sagte die vermeintlich Geschädigte aber plötzlich aus, dass der Geschlechtsverkehr damals völlig einvernehmlich und ohne jede Gewaltanwendung vollzogen wurde. Der Angeklagte wurde demzufolge freigesprochen, während die junge Frau jetzt die Kosten des Verfahrens von mindestens 1000 Euro tragen muss. Zudem droht ihr eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Falschaussage.

Schwere Schlägerei auf Campingplatz

Zwei stark alkoholisierte Männer gerieten kurz nach Mitternacht bei einer Feier auf dem Campingplatz in Bestensee in Streit, als plötzlich ein Dritter den Geschädigten zu Boden schlug. Anschließend nahm der Angeklagte einen Bierkrug und schlug damit auf Gesicht und Kopf des Opfers ein. Dabei erlitt der Geschädigte lebensgefährliche Hirnblutungen sowie einen Teilabriss der Ohrmuschel, sodass er zwei Wochen in einer Klinik behandelt werden musste. Der Mann war für weitere zwei Monate arbeitsunfähig.

Das Opfer trägt einen bleibenden Hörschaden sowie eine leichte Entstellung aus diesem Angriff davon. Der Angeklagte entschuldigte sich im Gerichtssaal per Handschlag bei dem Geschädigten. Da er erwerbstätig ist und über keine Vorstrafen verfügt, ging der Richter von einer positiven Verhaltensprognose aus, sodass er trotz der lebensgefährlichen Verletzungen eine zweijährige Bewährungsstrafe für angemessen hielt.

25-Jähriger tickt mehrfach aus

Das Schöffengericht in Zossen hat im vorigen Jahr einen 25 Jahre alten Angeklagten wegen Körperverletzung, Verstoßes gegen das Waffengesetz, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Nötigung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Der Angeklagte war mehrfach straffällig geworden. Einmal gingt er im Juni 2018 auf einen möglichen Nebenbuhler los. Nachdem er von seiner Freundin versetzt worden war, ging er davon aus, dass diese sich bei einem Bekannten aufhält. Deshalb begab er sich dort hin, trat die Tür ein und schubste den Mann massiv in seiner Wohnung herum, sodass dieser eine blutende Wunde an der Lippe erlitt. Erst als ihn eine Nachbarin, durch den Krach aufmerksam geworden, mehrfach aufforderte, die Wohnung zu verlassen, verließ er das Haus.

Im Oktober 2018 wurde der Mann das zweite Mal gewalttätig. Er lockte einen Bekannten aus der Wohnung, nahm ihn nach einer gemeinsamen Zigarette ohne Vorankündigung in den Schwitzkasten und hielt ihm eine Schreckschusspistole gegen den Kopf. Als sich der Bekannte wehrte, schlug ihm der 25-Jährige mehrfach ins Gesicht und auf den Hinterkopf. Der Grund für den Angriff blieb dem Geschädigten zunächst völlig rätselhaft.

Als sich der Angeklagte aber beruhigt hatte, erklärte er seine Beweggründe. Er habe zugeschlagen, weil der andere ihm Drogen gestohlen haben soll. Dieser Vorwurf war aber wohl haltlos.

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Von Franziska Mohr

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