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Teltow-Fläming Stasi-Gerüchte in Blankenfelde
Lokales Teltow-Fläming Stasi-Gerüchte in Blankenfelde
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18:49 30.09.2014
Quelle: dpa
Blankenfelde-Mahlow

Vier Wochen hat Dieter Pappschik geschwiegen. Seit ihn die Menschen auf der Straße ansprechen, ob er bei der Stasi war, geht Pappschik in die Offensive. Am Donnerstag fragte er die Gemeindevertreter, ob sie von den Verdächtigungen, er habe dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit gedient, wüssten.

Böse E-Mail vom Bürgermeister

Gestreut hat dieses Gerücht Blankenfelde-Mahlows Bürgermeister Ortwin Baier (SPD) höchstpersönlich. In einer E-Mail vom 23. August, die der MAZ vorliegt, fordert Baier die BB-FDP-Fraktionsvorsitzende Andrea Hollstein auf, den ihm zugetragenen Verdacht gegen „einen stasibehafteten Einwohner in einem gemeindlichen Gremium“ aufzuklären, anderenfalls müsse er die Sache öffentlich machen. Auch wenn Baier keinen Namen nannte, war klar, dass nur Dieter Pappschik gemeint sein konnte. Er war kurz zuvor von der BB-FDP-Fraktion in den Aufsichtsrat der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Wobab berufen worden.

Dieter Pappschik: "absurde Vorwürfe"

Der Betroffene selbst spricht von „absurden Vorwürfen“. Er habe nie in seinem Leben mit der Stasi zusammengearbeitet. Ein Auszug aus seiner Akte der Behörde für die Stasiunterlagen (BStU) zeigt, dass er zwölf Jahre bei der Nationalen Volksarmee (NVA) gedient hat und im August 1989 aus der SED ausgetreten ist. Hinweise auf eine inoffizielle oder hauptamtliche Mitarbeit bei der Stasi finden sich dort nicht. „Wenn Herr Baier Beweise hat, soll er sie bringen“, sagt Dieter Pappschik.

Baier beruft sich auf zuverlässige anonyme Quelle

Baier selbst beruft sich auf eine anonyme Quelle, die er auch nicht preisgeben wolle. Bereits in der Vergangenheit habe ihm diese Quelle zuverlässige Informationen über stasibelastete Mitglieder in gemeindlichen Gremien gegeben. „Ich habe keinen Grund, an der Seriosität zu zweifeln“, sagt Baier. Seine Mail an Andrea Hollstein sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. „Ich möchte, dass Menschen, die früher andere terrorisiert und denunziert haben, sich heute dazu bekennen“, sagt Baier. Persönlich mit Dieter Pappschik gesprochen habe er bislang nicht. „Mit dieser Fraktion rede ich nicht mehr“, sagte er. Die Tatsache, dass der Fall jetzt öffentlich werde, zeige, dass der Wille für einen politischen Neuanfang in der Gemeindevertretung fehlt.

Harte Kritik an Baier

Daran glaubt auch Andrea Hollstein, die Vorsitzende der BB-FDP-Fraktion, derzeit nicht. Sie bezeichnet Baiers Vorwürfe als „Unverschämtheit“. Baier versuche von eigenen Problemen wie dem anstehenden Prozess wegen Vorteilsnahme im Amt und den juristischen Auseinandersetzungen um den Rathausbau abzulenken. „Mit solchen Anschuldigungen macht man Menschen kaputt“, sagt Andrea Hollstein. Statt E-Mails an sie und Pappschiks Frau zu schicken, hätte Baier die Angelegenheit unter vier Augen klären sollen. Ihre Fraktion will deshalb zur nächsten Sitzung einen Antrag auf Stasi-Überprüfung aller Gemeindevertreter einbringen. „Damit sollen die undifferenzierten Beschuldigungen aufhören“, sagt Hollstein. Die BVBB-WG hat den Antrag mit eingebracht. Ihr Vorsitzender Matthias Stefke hofft, dass sich dadurch der politische Frieden in der Gemeinde wiederherstellen lasse. Er hält Baiers Vorwürfe für haltlos. „So etwas gehört sich nicht für einen Bürgermeister. Ich erwarte, dass Herr Baier Belege bringt oder sich öffentlich entschuldigt.“

Von einer Entschuldigung will Dieter Pappschik derzeit nichts wissen. Er hat die Angelegenheit seinem Anwalt übergeben. Der soll nun prüfen, ob er Strafanzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede stellt.

Von Christian Zielke

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