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Blankenfelde-Mahlow Der Grafiker Matthias Gubig schafft Buch-Kunstwerke
Lokales Teltow-Fläming Blankenfelde-Mahlow Der Grafiker Matthias Gubig schafft Buch-Kunstwerke
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09:33 15.01.2020
Matthias Gubig an seiner alten Druckpresse. Jetzt gestaltet er vor allem kunstvolle und begehrte Buchwerke in Kleinsauflage. Quelle: Andrea von Fournier
Blankenfelde

Zauberhafte Kreaturen tänzeln, springen, schreiten, schleichen oder rasen über Notenlinien. Auf vier Seiten aufgeklappt gelingt ein kleines Konzert, ein farbiger Augenschmaus, der neugierig macht und nach mehr verlangt. Das Buch „Tempi“ von 2016, dessen Inhalt die zeichnerisch-typografische Darstellung der klassischen musikalischen Zeitmaße ist, gerät zur Hommage an die Musik und gleichermaßen an das gedruckte Buch. Kurze erklärende Reime sind im Bleisatz entstanden. Das Werk einfach als „Buch“ zu bezeichnen, wäre tief gestapelt: Ehrfurchtsvoll zieht man das in kleiner Auflage von 25 Exemplaren – fünf davon mit einer zusätzlichen signierten und nummerierten Originalgrafik – erschienene Juwel aus dem Schuber, bestaunt den nüchternen Einband, verziert durch den ersten Farblinolschnitt, ahnt das handwerkliche Können und die Kreativität dahinter. Und blättert sich dann lustvoll durch Andante, Allegro, Presto und Co., Seite für Seite ein Genuss, dem Betrachter stets ein Lächeln entlockend. Der Schöpfer des Werks kann zufrieden sein mit der Arbeit. Es war dies kein Auftragswerk, sondern pure Lust des Künstlers. Welch‘ beneidenswerte Situation, beruflich nicht mehr zu müssen, doch noch zu wollen und zu können. In der befindet sich der Blankenfelder Matthias Gubig.

In Dresden geboren

Die Kunst war sein Beruf und ist seine Berufung. Der Grafiker, Jahrgang 1942, gebürtiger Dresdner, aufgewachsen in Löbau, hat seine „Soll“-Arbeitszeit, die immer auch eine „Möchte“-Arbeitszeit war, zweigleisig gefahren und sie als Beamter, Professor der Kunsthochschule Berlin Weißensee, im Jahr 2007 beendet. In seinem Fach gearbeitet hat er weiter, freiberuflich wie fast sein Leben lang, bis vor etwa vier Jahren, zum Schluss vor allem mit Aufträgen verschiedener Verlage. Dann sei die Zeit angebrochen, in der er endlich ungeteilt machen wollte, was er mag, frei von jeder Beeinflussung anderer.

Leise, doch ganz dynamisch entsteht nun ein Buch ums andere, so der im Herbst 2019 erschienene Gedichtband „Und wenn ich schweige, brennt mein Herz“, den er nicht zum ersten Mal für seinen Senziger Freund und Weggefährten Hinnerk Einhorn gestaltet hat. Im vergangenen Jahr präsentierte sich der Blankenfelder gemeinsam mit seiner Ehefrau und künstlerischen Mitstreiterin Martha-Luise Gubig auf einer Ausstellung in der Bohnsdorfer „Kulturküche“.

Seine Frau ist ebenfalls Künstlerin

Die beiden haben sich Mitte der 1960er Jahre an der Fachschule für angewandte Kunst in Berlin-Schöneweide kennen- und liebengelernt. Schon als Kind zeichnete und malte er gern, lernte in Löbau den Maler und Otto-Dix-Schüler Gustav Adolf Müller kennen, der ihn drei Jahre lang unterrichtete und förderte. In dieser Zeit absolvierte er eine Ausbildung zum Buchdrucker und Schriftsetzer im Löbauer Druckhaus. Die Bewerbung an der Berliner Fachschule für angewandte Kunst war im ersten Anlauf erfolgreich, dort erlangte der junge Mann seinen Abschluss, wenngleich nicht den erwünschten.

Er wollte nicht nur Text, sondern auch Bilder gestalten. Doch als im zweiten Semester eine Klasse „Typografie“ eröffnete, wurde er dort hineingedrängt. „Selbst Beschwerden bis zum Kulturminister halfen mir nicht“, erinnert sich Matthias Gubig, der folgerichtig als „Typografiker“ bei Wolfgang Geißler abschloss. Er stellte einen Antrag auf Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler, der positiv beschieden wurde.

Er wirkte lange an der Kunsthochschule Weißensee

Berufliche Stationen waren das „Theater der Freundschaft“ in Lichtenberg, wo der Grafiker für Plakate, Programmhefte und Einladungen zuständig war. Es folgten drei Jahre Layoutgestaltung im Verlag „Junge Welt“, bevor ihn seine frühere Fachschule als Fachlehrer für Entwurf an sich band. Parallel arbeitete er stets freiberuflich. Als Externer hatte er sein Diplom an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst erworben, eine Ausbildung, die er noch immer als tiefgründig und ausgezeichnet empfindet.

1992 wurde er zum Professor an der Kunsthochschule Weißensee berufen. Plakate, Bucheinbände und Buchinnengestaltungen, die Matthias Gubig für Theater oder oft für spezialisierte Literaturreihen anfertigte, sind vielfach ausgestellt und prämiert worden. Mit der Wende erweiterte sich der Tätigkeitsradius des Künstlers. „Die Neugier in den Fachkreisen aufeinander war groß“, sagt er. Der damals noch in Weißensee Ansässige organisierte schon 1990 dort das 1. Bundestreffen seiner Zunft. Nun, im Grünen in Blankenfelde, scheint alles gemächlicher zu laufen. Doch jeden Tag wird gearbeitet. Viermal im Jahr gestaltet er die Zeitschrift der Pirckheimer-Gesellschaft, „die einzige deutschsprachige Publikation in dem Bereich, da muss man doch mitarbeiten“.

Museen und Sammler wollen seine Werke

2005 erfand er seine „Spätdrucke“. Das sind liebevolle, kreative Buchwerke auf höchstem Niveau zu verschiedenen Themen. Jedes Jahr mindestens ein Buch, kleine Auflage von maximal 60 Exemplaren im Schuber, zu verschiedenen Themen. Im zweibändigen „Bestdeutsch“ etwa werden Wörter und Unwörter mehrerer Jahre typografisch gestaltet und mit Druckgrafiken illustriert. Eigene Reime oder das Alphabet wurden ebenso fantasievoll umgesetzt. 19 Bücher gibt es inzwischen, einige sind vergriffen. Sammler und Museen interessieren sich für die Werke des Blankenfelders. Obgleich er meist Werkzeuge für die Schriftgestaltung, für Holz- oder Linolschnitte in Händen hält oder an der betagten Druckpresse seiner Werkstatt steht, greift er manchmal noch zu Pinsel und Aquarellfarbe. Das geschieht vielleicht auf Mallorca und Martha-Luise sitzt dann in gleicher Beschäftigung neben ihm.

Von Andrea von Fournier

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