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Blankenfelde-Mahlow Blankenfelde: Warten auf den Schallschutz
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Flughafen BER: Warten auf den Schallschutz in Blankenfelde

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12:09 09.06.2021
Klaus Graebert: „Ich bin beileibe kein Einzelfall, ich weiß von zahlreichen Nachbarn, denen es ähnlich geht.“
Klaus Graebert: „Ich bin beileibe kein Einzelfall, ich weiß von zahlreichen Nachbarn, denen es ähnlich geht.“ Quelle: Udo Böhlefeld
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Blankenfelde-Mahlow

Im Garten von Klaus Graebert (87) plätschert idyllisch ein Brunnen. Ringsum grünt alles, Bienen und andere Insekten fühlen sich sichtlich wohl hier. Doch dann kommt die Ernüchterung. Für einen Moment müssen die Gesprächspartner brüllen – oder schweigen. In diesem Monat ist die Südbahn des BER die Start- und Landebahn. Da macht Klaus Graebert im Garten wie im Haus einiges mit.

Graebert lebt seit 1996 in seinem Häuschen in Blankenfelde, wo er es zum S- und Regionalbahnhof, zum Einkaufen und auch ins Ärztezentrum nicht weit hat. Der ehemalige Dreher ist seit 2016 zunächst mit dem Flughafen Berlin-Brandenburg (FBB), kurze Zeit später mit dem zuständigen Ingenieurbüro im Gespräch über die notwendigen Schallschutzmaßnahmen. Fünf Jahre später ist noch keine einzige der im ersten Leistungsverzeichnis vereinbarten Maßnahmen umgesetzt. Inzwischen gibt es auch ein neueres Leistungsverzeichnis – mit weniger Schallschutzmaßnahmen, die natürlich mehr Geld kosten. Von rund 26 000 auf knapp 30 000 Euro sind die veranschlagten Kosten in der Zeit gestiegen.

Betroffene warten immer noch

„Der Flughafen hat mich schnell mit dem Ingenierbüro verbunden. Auf deren Sachkenntnis war ich aber auch angewiesen, ich hab ja von so etwas keine Ahnung“, sagt der ansonsten fitte Rentner. Blankenfelde-Mahlow ist die vom Fluglärm des BER am schwersten betroffene Gemeinde und gehört zum Tagschutzgebiet. Sie kann sich nicht einmal mehr nach den eigenen Vorstellungen entwickeln. Doch auf den versprochenen, hochwertigen Schallschutz warten viele Betroffene immer noch.

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Am 28. Februar 2019, mehr als eineinhalb Jahre vor der Eröffnung des Flughafens, trafen sich das zuständige Ingenieurbüro und der für die Schallschutzmaßnahmen zuständige Handwerksbetrieb wieder bei Klaus Graebert. Danach gab es ein neues Leistungsverzeichnis. Ohne einen zuvor geplanten Innenraumlüfter, mit modifizierten Schallschutzfenstern und statt einer Zwischensparrendämmung soll nun eine Innendämmung des Daches erfolgen.

Gutachten auf eigene Kosten

Auf eigene Kosten musste Graebert auch ein Gutachten des Bezirksschornsteinfegers einholen, damit sein Kamin mit einem Lüfter versehen wird. Geschehen aber ist weiter bis heute nichts, um den Schallschutz zu realisieren. „Der Handwerksbetrieb kann das zu diesen Preisen nicht machen“, hat mir der Unternehmer gesagt. Klaus Graebert ist darüber nicht amüsiert: „Wenn sie das Außenstehenden erzählen, das glaubt ihnen niemand.“ Dabei hat sich der Flughafen in der Umgebung mal als guter Nachbar vorgestellt. Für den Blankenfelder ist er einer der schlechtesten Nachbarn, die er sich vorstellen kann.

Von Udo Böhlefeld

08.06.2021
08.06.2021