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Blankenfelde-Mahlow Wenn der Schmerz zum Alltag wird
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00:19 29.12.2018
Marina Haase (l.) und Bärbel Falke sind Sprecherinnen der Mahlower Selbsthilfegruppe Fibromyalgie. Quelle: Christian Zielke
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Mahlow

Fibromyalgie ist eine Krankheit, die gleich in mehrfachem Sinn tückisch ist. Außenstehende sehen sie den Betroffenen nicht an. Und die Betroffenen selbst wissen oft lange nichts von ihrer Erkrankung. So ging es auch Marina Haase und Bärbel Falke, die sich im Frühjahr in Mahlow zu einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen haben.

Beide Frauen verbindet eine ähnliche Leidensgeschichte. Fibromyalgie lässt sich nicht in einem schnellen Test nachweisen. Die Symptome sind vielfältig: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und vor allem: chronische Schmerzen. „Der Körper ist wie eine Wundertüte“, sagt Bärbel Falke, „jeden Tag tut eine andere Stelle weh.“

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Jahrelange Odyssee

Die 61-jährige Stahnsdorferin, die stellvertretende Sprecherin der Selbsthilfegruppe ist, hat eine jahrelange Ärzte-Odyssee hinter sich. Mediziner seien mit dem Krankheitsbild oft überfordert. Häufig steht die Diagnose am Ende eines Ausschlussverfahrens. In dieser Zeit fühlen sich viele Betroffenen, als gingen sie durch die Hölle. „Man zieht sich zurück, nimmt am öffentlichen Leben nicht mehr teil“, sagt Bärbel Falke.

Freunde und Familienmitglieder wissen oft nicht, wie sie mit den Angehörigen umgehen sollen, denen schon leichte körperliche Berührungen Schmerzen verursachen. Nicht selten zerbrechen Partnerschaften, der Alltag wird zur Qual. „Manchmal konnte ich nicht mal einen Abwaschlappen auswringen“, sagt Marina Haase.

Wie ein schwerer Muskelkater

Die Schmerzen erinnern an einen schweren Muskelkater. „Der Körper fühlt sich an, als wäre er immer unter Spannung“, sagt die 54-Jährige. Dazu kommen Schlaf- und Wortfindungsstörungen. Zu 80 Prozent sind Frauen zwischen 40 und 60 Jahren von Fibromyalgie betroffen. Eine Heilung gibt es nicht, doch es gibt mittlerweile Spezialisten, die Abhilfe schaffen. Das Krankenhaus in Treuenbrietzen ist eine wichtige Anlaufstelle für Fibromyalgiekranke in Brandenburg. Dort werden sie mit Wärme oder Kälte behandelt, je nachdem, was im Einzelfall wirkt.

Um die Krankheit in den Griff zu bekommen, haben Marina Haase und Bärbel Falke ihr Leben umgestellt: Ernährung und Bewegung spielen dabei eine große Rolle. Darüber mit anderen Betroffenen zu reden auch. „Die Psyche ist wichtig“, sagt Bärbel Falke. Es habe Zeiten gegeben, da sei sie am Ende gewesen. „Manchmal dachte ich, ich bin verrückt“, erinnert sie sich.

Wissen und Erfahrungen teilen

In der Selbsthilfegruppe haben beide Frauen erfahren, dass sie nicht allein sind. „Man findet einen Weg, mit dieser Krankheit zu leben“, sagt Bärbel Falke. Das gebe Kraft und Zuversicht. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen möchte sie mit anderen teilen.

Weitere Informationen und Kontakt: Ab Januar trifft sich die Selbsthilfegruppe Fibromyalgie jeden dritten Dienstag im Haus Christo in Blankenfelde. Kontakt Marina Haase: 0 33 79/4 38 72 06, haasemarina.fibro@gmail.com; Bärbel Falke: 0 33 29/6 18 00 56, falkebaerbel.fibro@gmail.com

Von Christian Zielke