Rathäuser in der Coronakrise: Die „Reserve“ arbeitet im Homeoffice - Ein Blick nach Blankenfelde-Mahlow, Großbeeren und Rangsdorf
Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Blankenfelde-Mahlow Rathäuser in der Coronakrise: Die „Reserve“ arbeitet im Homeoffice
Lokales Teltow-Fläming Blankenfelde-Mahlow Rathäuser in der Coronakrise: Die „Reserve“ arbeitet im Homeoffice
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:12 28.04.2020
Das Rathaus in Großbeeren
Das Rathaus in Großbeeren Quelle: Jutta Abromeit
Anzeige
Blankenfelde-Mahlow/Rangsdorf/Großbeeren

Anträge genehmigen, ablehnen oder Knöllchen verteilen – Aufgaben, denen Mitarbeiter der Gemeinde alltäglich nachgehen. Neu im Fokus: Seifenspender wechseln, Masken beschaffen und Abstände schaffen. Bürgermeister und Sprecher der Gemeinden Blankenfelde-Mahlow, Rangsdorf und Großbeeren erklären, wie sich die Arbeit im Rathaus verändert hat – und was passiert, wenn sich der Bürgermeister selbst mit Sars-CoV-2 ansteckt.

Masken beschaffen, Fallzahlen abgleichen

Eine der neuen Aufgaben: In Großbeeren tauschen Mitarbeiter der Gemeinde an Schulen alte Handtuch-Rollen gegen Papierrollen aus und bringen Seifenspender an. „Normalerweise sind Hausmeister und Handwerker dafür zuständig“, sagt Bürgermeister Tobias Borstel (SPD). Eine andere Aufgabe: das Beschaffen von Schutzmasken. Die Gemeinde wäre verantwortlich Masken unter anderem für Schulen bereit zu stellen, wenn sie auch dort verpflichtend würden. „Wir bemühen uns die Masken vorrätig zu haben“, sagt Michael Lippitz, Sprecher der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow.

Großbeerens Bürgermeister Tobias Borstel (SPD) Quelle: Marlene Schmidt

Krisenstab in Großbeeren

Dreimal in der Woche tagt zusätzlich der Krisenstab in Großbeeren. Bürgermeister Tobias Borstel spricht von einer „Informationsflut“. Er und die anderen fünf Mitglieder gleichen Informationen aus ihrer Gemeinde mit dem Land Brandenburg und dem Bund ab. Dazu gehören unter anderem die Zahlen der Neuinfizierten. Neue Teams, die Bürgermeister Borstel gebildet hat, sollen die vielen Verordnungen effektiver umsetzen.

Neue Regeln durchsetzen

Der Rangsdorfer Bürgermeister Klaus Rocher (FDP) sagt zu den Corona-Regeln: „Die Leute sind verständnisvoll.“ Während der Ostertage haben Mitarbeiter des Ordnungsamtes zumeist Touristen aus Berlin angesprochen. Anders als in Berlin durfte in Brandenburg niemand auf Decken im Strandbad sitzen.

Mittlerweile wurden die Regeln zwischen Berlin und Brandenburg jedoch angeglichen, so Rocher.

Das tägliche MAZ Corona-Update als Newsletter Alle News zum Coronavirus in Brandenburg täglich gegen 17 Uhr im E-Mail-Postfach

In Großbeeren ermahnen Mitarbeiter des Ordnungsamtes Großbeerener meist an den gleichen Orten den Abstand von 1,5 Metern einzuhalten. „Man muss aber sagen, dass die Leute sich sehr bewusst sind in welcher Situation wir uns befinden“, sagt Tobias Borstel, Großbeerens Bürgermeister.

Personalausweise beantragen

Die Rathaustüren sind zurzeit geschlossen. Mitarbeiter öffnen die Türen jedoch, wenn vorher ein Termin beim Bürger-Service vereinbart wurde. „Termine vergeben Sachbearbeiter online und am Telefon“, sagt Klaus Rocher, Bürgermeister in Rangsdorf. Online könne der Ausweis nur mit einem speziellen Lesegerät beantragt werden. „Meine persönlichen Meinung nach zeigt die Krise, dass einiges mehr digitalisiert werden könnte“, sagt Michael Lippitz, Sprecher der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow. Im Rathaus gilt die Abstandsregel: zwischen 1,5 und zwei Metern. Sowohl für Mitarbeiter des Rathauses und Besucher. Das Tragen von Masken wird zurzeit lediglich empfohlen.

Klaus Rocher (FDP) Bürgermeister von Rangsdorf Quelle: Privat

Bücher in 20 Minuten ausleihen

Wer in Rangsdorf zuhause schon alle Bücher durchgelesen hat, kann seit Montag wieder neue in der Bibliothek ausleihen. Besucher sollen einen Termin vereinbaren. Mitarbeiter helfen Bücher, CDs oder DVDs herauszusuchen. Vorort haben Besucher 20 Minuten Zeit für die Ausleihe. Die Rücknahme folgt über die Bücherklappe. In Groß Machnow bleibt die Bibliothek geschlossen – genauso wie in Großbeeren. Dort ist der so genannte „Spuckschutz“ noch nicht geliefert worden. „Das sind Plexiglas-Aufsteller wie man sie aus dem Supermarkt kennt“, erklärt Bürgermeister Tobias Borstel. In Blankenfelde-Mahlow stehen E-Books und Filme nur online bereit. Besucher die Medien vor der Schließung der Bibliothek ausgeliehen haben, zahlen vorübergehend keine Mahngebühren. Die Rückgabefrist verlängert sich automatisch.

Home-Office für Risikogruppen

Rathaus Mitarbeiter aus Rangsdorf können von zu Hause arbeiten, wenn sie einer Risikogruppe angehören. Andere sprechen ihre Arbeitszeiten untereinander ab, damit Abstände in Büros eingehalten werden können. Das gelinge zurzeit gut, weil weniger Besucher vorbeikämen, so Bürgermeister Klaus Rocher. „Man muss ein wenig umorganisieren was wir jetzt auch machen.“ Wie Rangsdorf hat die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow Gleitzeiten eingeführt – Home-Office auch für diejenigen, die nicht mit Auto, Bus oder Bahn anreisen können. „Wenn jemand erkrankt ist, dann wird er vom Arzt krankgeschrieben“, sagt Rocher. Sollte er selbst sich mit Sars-Cov-2 infizieren, übernehme eine stellvertretende Amtsleiterin die Geschäfte. „Sie arbeitet als Reserve von zuhause“, sagt Rocher. In Großbeeren arbeiten rund 40 Mitarbeiter in der Kernverwaltung – nur zwei von ihnen im Homeoffice. Heimarbeit könne Bürgermeister Tobias Borstel nicht allen anbieten, da sich die wenigen Mitarbeiter untereinander nicht vertreten können. Jeder hat eine spezielle Kernkompetenz, sagt Borstel.

Das Verwaltungsgebäude in der Mahlower Ibsenstraße. Quelle: Fabian Lamster

Ablauf von Gemeinderatssitzungen

Anwohner und Lokalpolitiker können der Gemeindevertretersitzung in Blankenfelde-Mahlow wieder am Dienstag, 5. Mai, von 19 bis 22 Uhr, bewohnen. Um den Abstand von 1,5 Metern einzuhalten, findet die Sitzung in der Mehrzweckhalle Dahlewitz statt. „Das Öffentlichkeitsprinzip muss gewahrt werden“, sagt Michael Lippitz. Der Gemeinderatsvorsitzende Roland Scharp (Linke) könne vom Hausrecht Gebrauch machen, wenn zu viele Teilnehmer vorbeikommen. Die Gemeindevertretung besteht aus 32 Vertretern sowie dem Bürgermeister – 17 müssen anwesend sein, um Beschlüsse fassen zu können. Dabei sei die Zugehörigkeit zu einer Partei nicht relevant. „Es gab schon in der Vergangenheit Fraktionen, die nicht da waren. Und da wurde von einer anderen Fraktion mehrere Beschlüsse gefasst, die anwesend war“, sagt Lippitz. Einen Live-Stream der Sitzung habe der Gemeinderat vor einem Jahr abgelehnt. Manche Mitglieder haben sich nicht filmen lassen wollen.

Mitglieder des Gemeinderates in Rangsdorf versammeln sich am Dienstag das nächste Mal. Auch diese 23 Mitglieder ziehen um: in den Großen Saal des Seehotels Berlin in Rangsdorf. In Großbeeren wird die nächste Gemeinderatssitzung am 30. April, ab 19 Uhr, in der Mehrzweckhalle Großbeeren stattfinden. „Einige Fraktionen haben ihre Anträge erst einmal um ein bis zwei Sitzungen zurückgezogen, bis wir wieder ins normale Fahrwasser zurückkommen“, sagt Bürgermeister Tobias Borstel.

Lesen Sie auch:

Von Von André Beinke