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Blankenfelde-Mahlow Rettung für Dahlewitzer Gutshof in Sicht
Lokales Teltow-Fläming Blankenfelde-Mahlow Rettung für Dahlewitzer Gutshof in Sicht
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05:29 19.04.2018
Jobst Kramer hat den denkmalgeschützten Gutshof 1996 gekauft. Der Wasserturm ist das Wahrzeichen von Dahlewitz.
Jobst Kramer hat den denkmalgeschützten Gutshof 1996 gekauft. Der Wasserturm ist das Wahrzeichen von Dahlewitz. Quelle: Foto: Christian Zielke
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Dahlewitz

Würde man die Dahlewitzer fragen, welchen Teil ihres Ortes sie verschönert sehen wollen, bekäme man sicher von mehr als der Hälfte die Antwort: den Gutshof. Das Ensemble gilt seit Jahren als Schandfleck. In ihren Flyern zur bevorstehenden Ortsbeiratswahl kündigen nahezu alle Parteien an, sich für den Wiederaufbau des Gutshofes stark zu machen.

Jobst Kramer amüsiert sich darüber, dass die anderen mit seinem Eigentum werben. „Die haben alle keine Ahnung von dem Gutshof“, sagt der 80-Jährige, der das Gelände 1996 von der Treuhand gekauft hatte. Er sei es gewohnt, dass die Leute über ihn und sein verfallendes Gelände reden statt mit ihm. Damit könnte nun Schluss sein.

Mehrere Interessenten wollen Gutshof kaufen

Nach mehr als 20 Jahren des Verfalls tut sich etwas. „Ich habe mehrere Interessenten für das Gelände“, sagt Jobst Kramer. Sie alle wollen die alten Gebäude restaurieren und wieder aufbauen, darunter das Schweizerhaus das im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff beschädigt und danach abgerissen wurde.

2001 brannte das Gutshaus ab. Seitdem verfällt es Quelle: Christian Zielke

Dort lebten tatsächlich Schweizer, die als Melker auf dem Gut beschäftigt waren. Die Schweizer waren in ganz Europa aufgrund ihrer Erfahrungen bei der Rinderzucht begehrt. Vor 200 Jahren lebten viele Schweizer in Armut und verdingten sich im Ausland. Heute leben im Gutshof Polen, die in den Logistikhallen der Region arbeiten.

Typisch europäisch – Die Nähe von Gutshof und Kirche

Jobst Kramer hat sich viel mit der Geschichte von Gutshöfen im Allgemeinen und der des Dahlewitzer im Speziellen beschäftigt. „Die Nähe von Hof und Kirche ist etwas typisch Europäisches – von Moskau bis Lissabon“, sagt er. Das sei identitätsstiftend und das müsse derjenige verstehen, der das Gelände haben will.

Für derartige Details habe sich lange Zeit niemand außer ihm interessiert, sagt Kramer und deutet auf alte Bilder des Hofes. Er hingegen sah schon Mitte der 1990er Jahre mehr in den von DDR-Misswirtschaft und -Ideologie abgewirtschafteten alten Mauern. „Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich selbst von einem solchen Hof stamme“, sagt Jobst Kramer. Seine Familie bestand aus Großbauern aus der Region um Hannover.

Jobst Kramer und das Feindbild des ostelbischen Junkers

Jobst Kramer wuchs mit seinen Brüdern auf einem prächtigen Anwesen auf. „Das war der emotionale Grund für den Kauf“, sagt er. Der rationale Grund schält sich erst seit einigen Monaten heraus. „Mir war schon damals klar, dass die Lage hervorragend ist“, sagt Kramer. Die Nähe zu Berlin, zur B96 und zur Autobahn, das prosperierende Gewerbegebiet in Dahlewitz mit Rolls-Royce als Leuchtturm.

Sakrales Kleinod: die Marienkapelle im Wasserturm Quelle: Christian Zielke

In gewisser Weise war Jobst Kramer seiner Zeit voraus, auch wenn der „Gutsbesitzer“ in Dahlewitz nicht unumstritten ist. Vielen taugt er noch immer als das Feindbild des ostelbischen Junkers, dem sie eine weitere Bodenreform an den Hals wünschen. Andere werfen ihm vor, seine Immobilie zu überschätzen und dem Verfall des Denkmals jahrelang zugesehen zu haben.

Mangel an Geld und politischem Willen

Ideen habe er viele gehabt, sagt Kramer. Um seine Planung umzusetzen, habe es nur immer am Geld gemangelt – oder am politischen Willen. Noch heute ist er überzeugt, dass der damalige Landrat Peer Giesecke (SPD) persönlich verhindert hat, dass sich die Reiterstaffel der Bundespolizei auf dem Gutshof niederlässt. „Alle haben immer gefordert, dass der Gutshof erhalten wird. Geholfen hat nie jemand“, sagt er.

Alles alte Geschichten, alles Vergangenheit. Jobst Kramer denkt an die Zukunft. „Mir geht es gut, aber das muss nicht immer so sein“, sagt er. Seine Söhne haben ihm bereits zu verstehen gegeben, dass sie kein Interesse an dem Gutshof haben. Doch Jobst Kramer hat andere gefunden, die seine Liebe zu den alten Mauern teilen – und die das nötige Geld aufbringen, sie wieder aufleben zu lassen.

40 Millionen Euro für den Wiederaufbau – oder mehr

Eine Summe von 40 Millionen Euro steht im Raum, vielleicht auch mehr. „In den nächsten Monaten soll alles unter Dach und Fach sein“, sagt Kramer und fügt hinzu: „Vielleicht auch in den nächsten Wochen.“ Namen will er noch nicht nennen. Investoren seien scheu wie Rehe auf der Wiese.

Entwurf eines Architekturbüros zur Neugestaltung mit Wiederaufbau des Gutshauses (vorn) und des Schweizerhauses (hinten). Quelle: privat

In einem Entwurf lässt sich ahnen, wie der Gutshof einst aussah – und vielleicht eines Tages wieder aussieht. Das alte Gutshaus, 2001 abgebrannt, soll wiederentstehen, ebenso die Remisen und Nebengebäude. Als Nutzung kommen gehobenes Wohnen oder ein Hotel in Betracht. Es scheint, als wolle Jobst Kramer nicht mehr derjenige sein, der einen Schandfleck verwaltet sondern derjenige, der den Dahlewitzern ein Schmuckstück hinterlässt, auch wenn es etwas länger gedauert hat.

Geschichte des Gutshofes

Der Verein Historisches Dorf Dahlewitz hat sich mit der Geschichte des Gutshofes befasst. Dieser hat eine Fläche von 18 659 Quadratmetern. Der Gutspark hat eine Größe von rund 70 000 Quadratmetern

Anfang des 15. Jahrhunderts gab es in Dahlewitz ein Rittergut. 1522 übernahm die Familie Otterstedt den Rittersitz.

Im 19. Jahrhundert erweitertere Gutsbesitzer Carl Magnus von Zülow den Hof um eine Brennerei, eine Ziegelei und eine Stärkefabrik.

Zu DDR-Zeiten wurde der Hof als landwirtschaftlicher Ersatzteilhandel, Werkstatt und Futtermühle genutzt. Im Gutshaus war eine Schule untergebracht.

Von Christian Zielke

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