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Teltow-Fläming „Zur Linde“ öffnet nur noch zur Fastnacht
Lokales Teltow-Fläming „Zur Linde“ öffnet nur noch zur Fastnacht
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18:59 29.04.2019
Willy (r) und sein Sohn Mark Bergemann im Bochower „Gasthaus Zur Linde“. Dem Billard-Sport frönen beide gerne. Quelle: Uwe Klemens
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Bochow

Gut 150 Jahre war das „Gasthaus Zur Linde“ in Bochow eine wichtige Adresse. Dass es künftig deutlich ruhiger werden wird, liegt daran, dass sich Inhaber Willy Bergemann kurz vor seinem 71. Geburtstag zur Ruhe setzt. Sein Sohn Mark und dessen Partnerin Ines Kliemann übernehmen zwar Hof und Gaststätte, werden die „Linde“ aber nur noch einmal im Jahr regulär öffnen –Zur Fastnacht.

20 Tonnen Bier in den ersten sechs Wochen

1929 erwarb Willys Großvater das 1866 erstmals urkundlich erwähnte Gasthaus. Die 20 Tonnen Bier, die in den ersten sechs Wochen verkauft wurden, gelten als legendär und sind heute für Kneipen dieser Größe unerreichbar.

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„Schon mit neun Jahren hab ich die Kneipe allein gemacht und dabei auch Billard- und Kartenspielen gelernt“ blickt Willy Bergemann zurück. 1983 übernahm er von seinem Vater auch offiziell das Gasthaus, das zugleich Trainingsstätte des von ihm gegründeten Billardclubs „Frischauf Bochow“ wurde. Höhepunkte im Jahr waren stets die Bochower Fastnachten und die Billard-Turniere bis hin zu deutschen und internationalen Vergleichen.

Mangels Nachwuchsspielern wurde es nach der Wende im Billardsport, mangels Besuchern inzwischen auch im Gasthaus bedeutend ruhiger. Von den Jugend-, Frauen- und Familien-Teams ist heute nur noch die Männermannschaft übrig, in der Willy Bergemann der zweitjüngste Spieler ist. Den schon vor Jahren gefassten Beschluss, mit 70 mit der Kneipe aufzuhören, macht er nun wahr.

Fastnachtsfeier finanziert den Unterhalt

Die Haus weiterzuführen, war nie der Traum von Bergemanns Sohn, der seinen Beruf als Feinmechaniker liebt und nicht aufgeben will. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin hatte Mark Bergemann die Idee, die „Linde“ nur noch zur Fastnacht zu öffnen und mit dem Umsatz beider Nächte dann die Betriebskosten und den Erhalt des Gebäudes zu finanzieren.

Bleiben dürfen auch die Billard-Freunde, die sich jeden Montag um 15 Uhr am grünen Tisch treffen, und die kartenspielende Frauenrunde, die jeden Freitag zur selben Zeit kommen. Wer Interesse am Mitspielen in einer oder gleich beiden Gruppen hat, ist jederzeit willkommen.

Von Uwe Klemens