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Teltow-Fläming Angestellte von Pleite überrascht
Lokales Teltow-Fläming Angestellte von Pleite überrascht
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01:15 19.01.2019
Lila-Bäcker-Filiale in Ludwigsfelde. Quelle: Jutta Abromeit
Dahmeland-Fläming

Carmen Manthey hatte an diesem Mittwoch sicher nicht den besten Tag ihres Lebens. Sie ist Verkäuferin in der Filiale des „Lila Bäcker“ auf den Luckenwalder Boulevard und musste deshalb den ganzen Tag Fragen besorgter Kunden zur Zukunft der Filiale beantworten. Aber Carmen Manthey weiß auch nichts genaues. Weder über die Zukunft des Ladens noch über ihre eigene.

Von der Insolvenz ihres Arbeitgebers – einer Großbäckerei mit immerhin 400 Filialen bundesweit und 35 Filialen in der Region Dahmeland-Fläming – hat sie am Dienstagabend über die MAZ erfahren. Ihr Kollege habe erst am Mittwochmorgen durch einen Anruf seiner Chefin davon gehört, erzählt sie. Der Schock war groß. Bis Februar sei das Gehalt sicher, danach werde man sehen müssen, wie es weiter geht, hieß es. So etwas lässt keinen Mitarbeiter kalt.

Rund 300 Beschäftigte in der Region

Schätzungsweise 300 Menschen arbeiten in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald für den „Lila Bäcker“. Die meisten von ihnen verkaufen Brot und Kuchen in den Filialen, einige arbeiten zudem am in den vergangenen Jahren schon zusammengestrichenen Produktionsstandort in Dahlewitz. Viele von ihnen wollten sich am Tag nach der Schocknachricht nicht äußern, und von denen, die etwas sagten, behielten die meisten ihren Namen lieber für sich.

„Die Situation ist unangenehm für uns“: Eine Filiale in Jüterbog. Quelle: Victoria Barnack

Die Betroffenheit war aber allen anzusehen, manchen auch Wut, obwohl sie Brötchen und Kuchen über die Verkaufstresen reichten, als wäre nichts geschehen. „Wir haben Angst, unsere Jobs zu verlieren“, sagt eine Verkäuferin in Ludwigsfelde. „Die Situation ist unangenehm für uns“, heißt es in einer Lila-Bäcker-Filiale in Jüterbog. Und auch in einem Laden in Königs Wusterhausen spricht eine Verkäuferin von den Sorgen, die sie sich macht.

Löhne bis Februar gesichert

Der eingesetzte Sachwalter der Firma hat den Mitarbeitern dort, wie an allen anderen Standorten auch, Zettel geschickt, die sie nun ausfüllen und unterschreiben müssen, um ihr Dezember-Geld zu bekommen. Das hätte eigentlich schon am Dienstag auf dem Konto sein müssen, war es aber nicht. „Ich habe keine Ahnung, ob das noch kommt. Ich muss aber meine Miete zahlen“, so die Königs Wusterhausenerin. Es klingt verzweifelt.

Birgit Weiland von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) rät allen Beschäftigten, diese Schreiben möglichst rasch zu unterzeichnen und zurückzuschicken, und dabei auch gleich die Überstunden geltend zu machen, die viele der Beschäftigten in den vergangenen Monaten angesammelt haben. „Das ist der schnellste Weg, an das ausstehende Geld zu kommen“, sagt sie.

Mit dem Insolvenzgeld seien die Löhne für Dezember, Januar und Februar gesichert. Die Mitarbeiter erhalten demnach definitiv bis März Geld. Was danach geschieht, weiß allerdings niemand.

2010 fusioniert

„Gut möglich, dass wir dann alle arbeitslos sind. In meinem Alter ist das schwierig, ich hätte es deshalb schön gefunden, wenn die Geschäftsleitung früher mit den Angestellten gesprochen hätte“, sagt die Verkäuferin aus Königs Wusterhausen. Nicht nur bei ihr herrscht das Gefühl vor, dass die Geschäftsführung zuletzt wichtige Entscheidungen verschlafen hat.

Viele der Beschäftigten haben solche Unsicherheit schon einmal erlebt, wenn auch in anderer Form. 2010 wurde das Dahlewitzer Traditionsunternehmen „Dahlback“ mit allen Filialen von der norddeutschen Heimatbäcker-Kette übernommen, die unter der Marke „Lila Bäcker“ auftritt. Die Verantwortlichen sprachen damals allerdings von „zwei gesunden Unternehmen“, die aus Wachstumsgründen fusionieren.

Schließungen stehen im Raum

Fünf Jahre später wurde der „Lila Bäcker“ dann von einem Finanzinvestor geschluckt – der nun möglicherweise über eine Insolvenz das Unternehmen verschlanken will. In gut unterrichteten Kreisen heißt es, die Wirtschaftlichkeit der Läden werde geprüft, eine Schließung von bis zu 58 Filialen stehe im Raum.

Zuletzt hatte der „Lila Bäcker“ in der Region für Unmut gesorgt, weil das Unternehmen die Kuchenproduktion aus Dahlewitz auslagern und dafür 40 Beschäftigten kündigen wollte. Von der NGG heißt es, die Beschäftigten seien nach einer gerichtlichen Einigung wieder eingestellt worden.

Im jetzigen Insolvenzverfahren werde die Gewerkschaft alle Möglichkeiten nutzen, sagt Birgit Weiland. „Wir werden Verbindung zum Insolvenzverwalter und zur Politik aufnehmen, um die Beschäftigten zu unterstützen.“

 

Von Jutta Abromeit, Hartmut F. Reck, Victoria Barnack, Oliver Fischer

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